ki.jpg

Wie Firmen von künstlicher Intelligenz profitieren können

Dresden 05.12.2019
In Sachsen nutzen bisher nur wenige Unternehmen die Schlüsseltechnologien der Zukunft. Damit sich das ändert, entstehen neue Netzwerke.

In Sachsen gibt es einer Studie des Fraunhofer-Instituts für Integrierte Schaltungen zufolge derzeit 66 Firmen und 33 Forschungseinrichtungen, die sich mit künstlicher Intelligenz, kurz KI, beschäftigen. Das ist die gute Nachricht.

Die weniger Gute ist, dass es sich bei den Betreffenden vor allem um Entwickler, kaum aber um Anwender handelt. Das zu ändern, wurde vor gut einem Jahr die Smart Systems Hub GmbH in Dresden gegründet. „Wir verstehen uns als Anlaufstelle für Entwickler und für Anwender, wollen beide Seiten zusammenzubringen, auch um neue Produkte an den Markt zu bringen“, sagt Michael Kaiser als Geschäftsführer des Hubs. Das Netzwerk, das in den vergangenen Monaten aufgebaut wurde, kann sich sehen lassen. Über 450 Partner arbeiten bereits zusammen. Um neue Partner zu finden, fand am Mittwoch die erste „hub:disrupt“ in Dresden statt. Auf dem Gelände des Halbleiterherstellers Infineon trafen sich rund 150 Vertreter aus Industrie, Wirtschaft, Wissenschaft und Politik. Die Strategie der Bundesregierung zur künstlichen Intelligenz war dabei genauso Thema, wie ganz konkrete Anwenderfälle.

Angst vor KI nehmen

20 Aussteller zeigten ihre Projekte. Darunter auch das Dresdner Unternehmen Wandelbots. Gemeinsam mit dem Softwarehaus SAP präsentierten die Unternehmer einen Roboter, der lernt Klebstoff auf eine Autoscheibe aufzubringen, die anschließend in der Karosse verbaut wird.

Die künstliche Intelligenz wird eine Schlüsseltechnologie der Zukunft sein. Aber bis heute nutzen nur etwa zwölf Prozent aller Unternehmen diese Möglichkeiten. Sachsen möchte das ändern, vor allem im Mittelstand gibt es unzählige Anwendungsmöglichkeiten Sie zu identifizieren und die passgenauen Produkte zu entwickeln, ist Ziel des Development Centers bei Infineon in Dresden. Ende 2018 gestartet, arbeiten hier mittlerweile 35 Entwickler daran, neue Produkte für die Automobil- und Leistungselektronik zu entwickeln. „KI spielt dabei eine große Rolle“, sagt Uwe Gäbler, der das Development Center leitet. Mittelfristig sollen hier bis zu 250 Entwickler arbeiten. Gäbler sieht große Chancen für Deutschland und erst recht für Sachsen bei der KI. Voraussetzung sei allerdings, dass man nicht versuche, Amazon oder Google nachzueifern, sondern sich auf die Entwicklung maßgeschneiderter, energiearmer Hardware konzentriere. KI arbeite heute vielfach auf der Basis großer Datenmengen, die oft sensorfern ausgewertet werden, was auch Fragen des Datenschutzes berühre. Die Herausforderung bestehe darin, Daten sensornah zu verarbeiten, und Möglichkeiten zu schaffen, auch mit geringeren Datensätzen verlässliche Ergebnisse zu erzielen.

Infineon gilt als Weltmarktführer bei der Herstellung von Radarsensoren. Und hat diese unlängst für das neue Smartphone von Google, Pixel 4, geliefert, das sich mit Gesten steuern lässt. Für diese Radartechnologien gibt es noch viele weitere Einsatzfelder. „Wir sind dabei, sie mit Experten und Anwendern zu identifizieren“, erklärt Uwe Gäbler. Im Frühjahr 2020 wird das Smart Systems Hub dazu die Digital Product Factory starten. In einem kleinen Team soll innerhalb eines Zeitraums von drei Monaten ein neues Produkt auf der Basis künstlicher Intelligenz entstehen, erklärt Michael Kaiser. Dazu wird sich das Hub auch erweitern und Räume in der Tharandter Straße in Dresden beziehen.

Eine Drohne, die Schädlinge bekämpft

Kaiser weiß um die emotionale Debatte rund um die künstliche Intelligenz. Er vertraue jedoch darauf, das konkrete Beispiele für die Anwendung die Hemmschwelle senken und auch alte Wirtschaftsbereiche revolutionieren. Ein Beispiel sei die Landwirtschaft. Dass hier mithilfe von GPS Mähdrescher und Güllefahrzeuge gesteuert werden, ist nicht neu. Auch Drohnen, die vor der Ernte nach Rehkitzen auf den Feldern suchen, sind schon länger im Einsatz. Nun hat ein Unternehmen eine Drohne entwickelt, die Schädlinge auf dem Feld erkennt und ganz gezielt bekämpfen kann.

Dass eine Zukunftstechnologie nicht allein, sondern nur gemeinsam entwickelt werden kann, erklärte Andreas Liebl. Er ist Geschäftsführer des Netzwerkes für Unternehmertum, das an der TU München angesiedelt ist und als Europas größtes Gründerzentrum gilt. Jedes Jahr starten hier 50 Teams in die Selbstständigkeit. Allein in diesem Jahr wurde über eine Milliarde Euro in Projekte investiert. Viele beschäftigen sich mit künstlicher Intelligenz. Ein Thema, bei dem man in Deutschland und ganz Europa zusammen agieren müsse, sagte Liebl. Sein Netzwerk umfasst mehr als 50 Partner. Neben Sachsen, Hamburg und Nordrhein-Westfalen sei man derzeit mit sieben weiteren Bundesländern zu Kooperationen im Gespräch. Sie alle sollen in einer Zusammenarbeit in der Initiative AI4Germany münden, die erst vor wenigen Tagen ins Leben gerufen wurde.

 

Von Ines Mallek-Klein

Foto: © Zacharie Scheurer/dpa

Weitere Artikel

Trauer um Zittauer Immobilienmakler

Trauer um Zittauer Immobilienmakler

Gert Thomas ist bei einem tragischen Unfall ums Leben gekommen. Auch einer seiner Mitarbeiter wird vom Baumstamm überrollt. Jetzt laufen Ermittlungen.

Landkreis Görlitz
Real-Chef hat Heidenau verlassen

Real-Chef hat Heidenau verlassen

Ist sein Weggang ein Zeichen für den Verkauf der Märkte? Ende Januar soll nun klar sein, wie es weitergeht.

Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge
Handbremse lösen

Handbremse lösen

Mit dem Thema "Persönlichkeit" eröffnete Jörg Löhr die Erfolgsmacher 2020. Seine Kernbotschaft: Mutig sein.

Dresden
Hier wächst Bautzens Wirtschaft

Hier wächst Bautzens Wirtschaft

Weil sich Firmen erweitern, entstehen im Gewerbegebiet Salzenforst viele Jobs. Auch neue Unternehmen wollen sich ansiedeln.

Landkreis Bautzen