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Wie kleine Firmen in Sachsen an teure Technik kommen

26.04.2021
Sächsische Mikroelektroniker sind jetzt Teil einer geförderten Forschungsfabrik. Sie wollen Vertrauen in ihre Technologie.

Von Georg Moeritz 

Dresden. Wenn jemand Ihnen 350 Millionen Euro geben würde, mit der Aufgabe, das Geld innerhalb von drei Jahren für sinnvolle Technik auszugeben – was würden Sie tun? Fraunhofer-Institute in Dresden und Chemnitz haben beispielsweise Anlagen zum Belichten und Untersuchen von Mikroelektronik angeschafft. Denn das Geld vom Bundesforschungsministerium soll zur einer „Forschungsfabrik Mikroelektronik“ beitragen.

Dafür wird keine Fabrikhalle gebaut, sondern die Zusammenarbeit von 13 vorhandenen Instituten gefördert. Diese virtuelle Forschungsfabrik nützt beispielsweise dem Chemnitzer Steffen Heinz und seinen 43 Angestellten bei EDC Electronic Design Chemnitz. Bei einer Digitalkonferenz der Forschungsfabrik Mikroelektronik berichtete Heinz am Donnerstag, dass er Partner fand für die Beschichtung von Mikrochips mit neuen Materialien.

EDC entwickelt zum Beispiel Sensoren für Druck und Temperatur und arbeitet auch für die Chipfabriken von X-Fab. Er sei froh, dass der Staat nicht nur die Autoindustrie fördere, sagte Heinz. Laut Bundesforschungsministerin Anja Karliczek (CDU) trägt ein Teil der Mikroelektronik-Forschung aber auch zur Verbesserung von Autos bei - schließlich seien Mikrochips auch in den "Augen der Autos und Roboter", in Sensoren, Kameras und Radartechnik.

Beitrag zum Strukturwandel in der Lausitz

Von den 350 Millionen Euro für die virtuelle Forschungsfabrik sind rund 100 Millionen Euro nach Sachsen geflossen – davon fast zwei Drittel für neue Technik im Fraunhofer-Institut IPMS, das auch mit der Globalfoundries-Chipfabrik zusammenarbeitet. Forscher Thomas Zarbock berichtete in einem eingespielten Video, unter anderem sei eine Belichtungsanlage für geringe Wellenlängen beschafft worden. Julia Wecker vom Fraunhofer Enas in Chemnitz berichtete von einem neuen Testgerät für Siliziumscheiben, das optische Strukturen hoch präzise messen könne.

Doch nicht nur die Mikrochipfertigung im engeren Sinn soll von der Förderung profitieren. Der Cottbuser Professor Harald Schenk sagte, die Technische Universität dort wolle als "regionales Sensorik-Hub" zum Technologietransfer beitragen und den Strukturwandel in der Lausitz fördern. Zu Schenks Projekten gehören vorausschauende Wartung von Industrieanlagen mit Sensoren, Drohnen zum Aufspüren von Pflanzenkrankheiten und Radar für Medizintechnik. Die Forschungsfabrik bringe Zugang zu neuer Technik.

Einfacher Zugang für kleine Firmen

Drei Jahre nach Gründung der Forschungsfabrik Mikroelektronik Deutschland (FMD) gehe die „jetzt in den Regelbetrieb über“, sagte Fraunhofer-Chef Reimund Neugebauer. Die Geschäftsstelle der FMD bleibe in Berlin. Sie ist inzwischen auf zwölf Mitarbeiter gewachsen und kann aus den laufenden Einnahmen finanziert werden. Die Leitung hat zu Jahresanfang Stephan Guttowski übernommen.

Sie soll Anlaufstelle für kleine Firmen wie EDC sein, wenn sie Spezialisten und teure Forschungsanlagen suchen, die sie sich nicht alleine leisten können. Albert Heuberger, Vorsitzender des FMD-Lenkungskreises, möchte nicht, dass ein "Anwender mit einem Problem überlegen muss, an welche hoch spezialisierte Einrichtung er sich wenden muss". Nötig sei ein einziges Zugangsportal, eine One Stop Agency.

Damit Elektronik und Datensicherheit trotz Hacker-Angriffen vertrauenswürdig bleiben, arbeiten die Fraunhofer- und Leibniz-Institute auch an Projekten zur Verlässlichkeit. Ein Vorbild für sie soll laut Forschungsministerium das französische Institut Leti sein. Abteilungsleiterin Ina Schieferdecker aus dem Ministerium sagte, die FMD werde auch als Partner gebraucht, um europäische Förderprojekte nach dem Ipcei-Programm zu entwickeln und Geld dafür zu bekommen.

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