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Wie man seine Mitarbeiter glücklich macht

Landkreis Bautzen 22.04.2019
Massagen und mehr: Der Lausitzer Gebäude Service in Kamenz setzt nicht nur auf Gesundheitsmanagement in der Firma.

Montag früh um 8 Uhr. Die erste Massage läuft. Auf der mobilen Liege räkelt sich die erste Kollegin. Sie hat schon ihre ersten Reinigungsobjekte erledigt, als andere noch schliefen. Die kleine Mitarbeiter-Küche des Lausitzer Gebäude Service (LGS) in Kamenz hat sich heute wieder in einen Wohlfühltempel verwandelt. So wie immer am Wochenanfang von 8 bis 13 Uhr. Richtig gemütlich sieht es hier aus – sogar ein paar Duftkerzen stehen parat.

Seit April ist das betriebliche Gesundheitsmanagement in der LGS angelaufen. Die Firma investiert in das Wohl ihrer Angestellten. Und setzt damit Maßstäbe in der Branche. Aber nicht nur da. Immer mehr Firmen denken über besondere Zuwendungen für ihre Mitarbeiter nach, um sie zu halten. Oder überhaupt erst einmal zu werben. Dazu gehören eben jene Gesundheitsangebote – von der Massage bis zur Rückenschule, vom Pilateskurs bis zum Fitnesstraining nach der Arbeit. Die LGS möchte, dass es den Mitarbeitern gut geht, dass sie gesund bleiben. Denn nur gesunde und auch zufriedene Leute werden auf lange Zeit zur Stange halten.

Völlig unterschätztes Berufsbild

„Wir können es direkt aussprechen: Gerade in der Gebäudereinigungsbranche sieht es mit Fachkräften nicht rosig aus“, sagt Firmenchef Stefan Vetter. „Dank unserer treuen Kunden wachsen wir aber weiter und benötigen deshalb natürlich immer wieder neue motivierte Menschen für unser Team!“ Dabei sei es egal, ob man Quereinsteiger ist oder bereits in diesem Metier gearbeitet hat. 

Auffällig ist aktuell, dass eine ganze Generation an Reinigungskräften in Rente geht. Und nicht viel Neues nachgewachsen ist in den letzten Jahrzehnten. Dabei wird der Beruf völlig zu Unrecht immer noch als letzte Alternative im Berufsleben angesehen. „Das Wort Putze nehmen wir hier bei uns gar nicht in den Mund. Unser Job ist interessant. Das muss nur endlich wieder im Bewusstsein der Menschen ankommen“, so Vetter.

Das Berufsbild wird völlig unterschätzt. „Wir merzen hier gerade immer noch aus, was in den letzten Jahrzehnten schief gelaufen ist. Da wurde dieser Beruf in niedere Sphären gedrängt – schlecht bezahlt und abgewertet. „Die machen doch nur den Dreck weg“, heißt es leider immer noch zu oft.

Dabei sind der Gebäudereiniger und der Objektpfleger heutzutage extrem vielseitig gefordert. Ein abwechslungsreicher Beruf, der nach der Ausbildung Aufstiegschancen biete wie kaum ein zweiter. Der professionelle Gebäudeservice LGS beispielsweise übernimmt vor Ort, in der Lausitzer Region, um Dresden sowie Brandenburg fast alle Arbeiten am und im Haus. Stefan Vetter gründete seine erste eigene Firma bereits mit 23 Jahren. Seine Gebäudereinigung ist seit 2004 am Markt. Mit 29 Mitarbeitern hat sie sich zu einem der großen Gebäudereiniger mit modernster Technik und Know-how entwickelt. Und man expandiert weiter.

Dass der Chef genau weiß, was er will, zeigt sich von Anfang an in seiner Firmenphilosophie: Kundschaft zufriedenstellen mit tollem Service und zufriedenen Mitarbeitern. Er bezahlt über Tarif, auch Urlaubs- und Weihnachtsgeld ist drin. Für die Teambildung gibt es Ausflüge und Grillfeste. Auch Tankgutscheine werden monatlich verteilt. Fast jeder hat ein eigenes Betriebsauto. Ab Mai wird ein Waschservice für die Arbeitskleidung eingeführt, um die Mitarbeiter weiter zu entlasten. Und ganz aktuell geht der Chef am Sonnabend mit allen spontan zum Griechen essen.

Dazu kommen nun die besonderen Angebote rund um die Gesundheit der Kollegen. Zweimal pro Monat dürfen sich die 29 Frauen und Männer für eine halbe Stunde verwöhnen lassen. Dazu kommen diverse Kursangebote. Die Frauen favorisieren da mehr Pilates, die Männer nach Feierabend eher den Fitnesskurs im Therapiezentrum Westlausitz. „Das wird natürlich alles sehr gut angenommen“, sagt Ina Szatkowski aus dem Sekretariat, die gemeinsam mit Kollegin Ina Birus die Termine koordiniert. Freilich sei das auch wieder ein zusätzlicher Aufwand, aber der sei es allemal wert. 

„Wir haben seit Monaten überlegt, was wir anbieten können. Und haben uns das dann aus Schweden abgeschaut“, erzählt Ina Szatkowski. Zum Hintergrund: Bis zu 500 Euro kann ein Unternehmen pro Mitarbeiter und pro Jahr in Deutschland lohnsteuerfrei für Maßnahmen der Gesundheitsförderung investieren.

Arbeitszeit ist Lebenszeit

Dass man in der Gebäudereinigung hart arbeiten muss, ist kein Geheimnis. Dennoch unterschätzt der Laie häufig, was für eine körperlich schwere Arbeit der Reinigungsjob ist. Manch einer reinigt im Akkord acht bis zehn Treppenhäuser in Zwei- bis Fünfgeschossern hintereinander. „Auch deshalb müssen wir uns einfach verjüngen“, weiß Chef Stefan Vetter. Längst ist es bei ihm angekommen, dass man genau in diese Suche kräftig investieren muss – ganz praktisch, aber auch mit einem gehörigen Schuss Empathie für die Mitarbeiter.

Immerhin gilt es, bis zu 90 Hausmeisterobjekte zu betreuen, 180 Treppenhäuser, 18 Sparkassen-Filialen sowie etwa 50 private und gewerbliche Objekte. Tendenz steigend. „Wir haben wöchentlich neue Anfragen, die wir gar nicht alle bedienen können“, sagt Stefan Vetter.

Auch, wenn sich einige vielleicht nicht vorstellen können, diesen Job zu machen – würde ihn keiner machen, wären öffentliche Einrichtungen, Büros oder Geschäfte wohl bald ziemlich versifft. „Das versuchen wir, auch unserer Kundschaft immer wieder plausibel zu vermitteln“, so Vetter. Es ist ein gegenseitiges Geben und Nehmen. Das Credo der LGS lautet jedoch: Arbeitszeit ist Lebenszeit. Und die sollte am Ende allen Spaß machen …

 

Von Ina Förster

Foto: © René Plaul

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