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Wo Krebsmedizin zur Prüfung muss

Landkreis Bautzen 02.12.2019
Bei den CUP Laboratorien Dr. Freitag in Radeberg steht eine Weltpremiere bevor. Erstmals werden Radiopharmaka getestet.

Da stockte dem Publikum der Atem. „Ich bin unzufrieden, wir sind zu langsam, wir machen Fehler.“ Das waren die ersten Worte von Dr. Dirk Freitag-Stechl, Inhaber der CUP Laboratorien Dr. Freitag in Radeberg. Ausgerechnet vor Spitzenforschern vom Helmholtz-Zentrum Rossendorf und vor Chefs internationaler Firmen. Ausgerechnet beim Richtfest seines neuen Labors. Aber nein, er war am Morgen nicht mit dem falschen Bein aufgestanden. Es war vielmehr seine Ungeduld, noch besser zu werden, die da aus ihm sprach.

Dabei hat das Unternehmen im Radeberger Gewerbegebiet an der Pillnitzer Straße keinen Grund zu klagen. Auf einem Gebiet ist CUP weltweit führend. „Wir werden künftig Radiopharmaka prüfen. Sie werden vor allem in der Krebsbehandlung eingesetzt. Es ist das erste Labor dieser Art weltweit“, sagt Dirk Freitag-Stechl. Das können Medikamente sein, die beispielsweise bei Brustkrebs injiziert werden. Tumore und Metastasen können so sichtbar gemacht werden.

Eingerichtet werden die Radiopharmazie-Labore im neuen Gebäude auf dem Firmengelände. Erste technische Anlagen sind bereits installiert. Jetzt wurde Richtfest gefeiert. Künftig untersuchen hier die Mitarbeiter, ob in den Medikamenten auch drin ist, was von den Herstellern angegeben wurde, und das in der notwendigen Qualität und Dosierung.

Wächter über die Trinkwasserqualität

1,5 Millionen Euro investiert das Unternehmen. Es entstehen besondere Reinräume. Der größte Anteil fließt jedoch in die Analysetechnik. Im nächsten Jahr soll der Betrieb aufgenommen werden. Etwa einhundert Proben werden dann hier pro Tag getestet, sagt der Firmenchef. Das Richtfest für den Anbau ist aber nur ein Grund zum Feiern.

Seit genau zehn Jahren ist das Unternehmen im Gewerbegebiet beheimatet. Damals kaufte der junge Unternehmer ein Areal an der Carl-Eschebach-Straße. 2009 zog CUP ein. Die Firmengeschichte reicht allerdings weiter zurück. 1991 hatte sich seine Mutter, vor der Wende Laborleiterin bei Robotron, mit einem Analyselabor in Ullersdorf selbstständig gemacht. Er selbst studierte noch, ging nach der Promotion an der TU Dresden zum Chemieunternehmen Henkel nach Düsseldorf. 

2008 übernahm der Ullersdorfer das kleine Labor mit damals acht Mitarbeitern. Die Firma gewann immer mehr internationale Kunden. 2015 erfolgte eine Inspektion der F.D.A., der Lebensmittelüberwachungs- und Arzneimittelbehörde der Vereinigten Staaten. Damit war es einfacher möglich, auch für US-amerikanische Firmen zu arbeiten. 

Vor zwei Jahren eröffnete das Radeberger Labor eine Außenstelle im Pharmapark Dresden in Radebeul. Auch dort untersuchen die Mitarbeiter Medikamente. Fast alle großen Anbieter von Arzneien gehören inzwischen zu den Kunden von Dr. Freitag. Außerdem sind die Radeberger Wächter über die Trinkwasserqualität in der Region. Überprüft werden Proben aus mehreren Landkreisen. Inzwischen hat das Labor rund 50 Mitarbeiter, weitere sollen dazu kommen. Der Umsatz kletterte stetig. 2008 waren es 600.000 Euro. In diesem Jahr erwartet der Firmenchef vier Millionen Euro.

"Besser geht es nicht"

Wie das Wachstum gelingt? „Wir können auf ein exzellentes Netzwerk zurückgreifen. Ich habe einmal vom Radiopharmacy Valley in Anlehnung an das Silicon Valley in den USA gesprochen. Das war als Scherz gemeint, ist aber inzwischen eine Tatsache. Hier in unserer Nähe, im Forschungszentrum Rossendorf, gibt es exzellente Wissenschaftler und auch tolle Firmen. Mit ihnen arbeiten wir eng zusammen.“ 

Diese Kooperation scheint weitere Früchte zu tragen. Denn schon hat Dirk Freitag-Stechl das nächste Projekt im Blick. „Wir planen weiteren Anbau. Auf unserem Gelände soll noch ein weiteres dreistöckiges Laborgebäude entstehen.“ Über solche prosperierenden Unternehmen freut sich natürlich auch die Stadt. „Es ist immer eine tolle Sache, wenn neue Arbeitsplätze entstehen. Hier freut uns ganz besonders, dass hochqualifiziertes Personal eingestellt wird, das ein entsprechendes Entgelt erhält“ , sagt OB Gerhard Lemm. Marco Wagner, Referent für Wirtschaftsförderung bei der Stadtverwaltung, nennt die Firma eine Perle. „Das Unternehmen ist über die Jahre gesund gewachsen, inzwischen arbeiten hier viele Fachkräfte. Besser geht es nicht.“

 

Von Thomas Drendel

Foto: © Steffen Unger

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