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Wohnmobil-Käufer bleiben wohl auf Schaden sitzen

13.05.2022
Es geht um manipulierte Wohnmobile: Der Hintermann eines zweifelhaften Camperhandels in Sachsen ist dabei, die Spuren seiner geschäftlichen Existenz zu tilgen.

Zahlreiche Käufer gebrauchter Wohnmobile, die manipulierte Fahrzeuge bei einem sächsischen Unternehmen gekauft haben, werden wohl auf ihren Schadenersatzforderungen sitzen bleiben. Der Grund: Der Hintermann der mutmaßlich betrügerisch agierenden Eurocamp Sachsen UG ist dabei, genau diese Firma zu liquidieren. "Die Gläubiger der Gesellschaft werden aufgefordert, sich bei ihr zu melden", informiert das Unternehmen im Bundesanzeiger.

Liquidator der Firma ist Rolf F., der bislang den Wohnmobilhandel über einen Strohmann gesteuert hatte. F. war bereits Ende 2019 mehr als 1,2 Millionen Euro verschuldet und zudem vorbestraft.

In Dokumenten, die der SZ vorliegen, heißt es gleich 18-mal: "Gläubigerbefriedigung nach dem Inhalt des Vermögensverzeichnisses ausgeschlossen." Kunden, die von Eurocamp Schadenersatz einklagen, dürften somit leer ausgehen.

Gegen den 69-Jährigen laufen weitere straf- und zivilrechtliche Verfahren, etwa in Heilbronn, Neuruppin und Leipzig. Auch in Torgau, wo die Eurocamp Sachsen UG ihren Sitz hat, schaltete sich die Kriminalpolizei ein. Die zuständige Staatsanwaltschaft in Leipzig möchte sich zum aktuellen Ermittlungsstand nicht äußern.

Die Wohnmobilhandelsfirma war bereits zum Jahresende 2021 aufgelöst und der Geschäftsführer, ein von F. eingesetzter Hilfsarbeiter, abberufen worden. Ein Notar in Mittweida bestätigte den Beschluss der ebenfalls F. zuzurechnenden Gesellschafterfirma Mitte April.

Trotz der laufenden Liquidation bietet Eurocamp immer noch Fahrzeuge zum Verkauf an. Auf dem Online-Portal Ebay-Kleinanzeigen finden sich derzeit 16 Angebote, bei Autoscout 24 sind es 18 und bei Mobile.de sogar 21. Bei allen fehlt der rechtlich vorgeschriebene Hinweis auf die Liquidation. Zudem wird dort bei den Verkäuferangaben teilweise der längst abberufene Geschäftsführer angegeben.

Weiterhin müssten in einer Liquidation sämtliche laufenden Geschäfte beendet und das Gesellschaftsvermögen an Gläubiger verteilt werden. Das aber geschieht nach Informationen von Sächsische.de zumindest gegenüber den Eurocamp-Kunden nicht, die ihre Schadenersatzforderungen bereits gerichtlich durchgesetzt hatten.

Rolf F. wollte sich zur Liquidation nicht weiter äußern. Er hat rund 30 Einträge im Bundeszentralregister. Vor Beginn eines Prozesstages am Amtsgericht Döbeln schlug er auf einen Fotografen ein, in einem Mitte März ausgestellten Beitrag der MDR-Sendung "Voss & Team" wiederholte er dieses Verhalten.

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