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Zittauer bauen eine "Welle" fürs Saarland

13.05.2022
Kratzer Metallbau aus Zittau hat einen besonderen Auftrag erhalten und fertigt ein Denkmal für die jüdischen Opfer der Nazi-Diktatur. Wie es dazu kam und welche Höchstleistungen das fordert.

Schon auf den ersten Blick wird deutlich: Dieses Denkmal zu fertigen, war eine Herausforderung. Die Skulptur aus Edelstahl ist mehrfach geschwungen - wie eine Welle, sie besteht aus freigelaserten Buchstaben, die die Namen sowie Geburts- und Sterbedaten der ermordeten Juden aus dem Saarland formen.

1.929 Namen sind alphabetisch geordnet auf der Fläche verewigt. Durch die herausgefrästen Zwischenräume zwischen Buchstaben, Satzzeichen und Zahlen wirken die Edelstahlflächen transparent.

twa ein Jahr arbeitete die Kratzer Metallbau GmbH aus Zittau an dem Denkmal. Nun ist es fertig und wird mit einem Spezialtransporter ins Saarland gebracht, wo es auf dem 2018 neu geschaffenen Platz vor der Synagoge in Saarbrücken stehen wird. Es soll ein zentraler Gedenkort für das gesamte Saarland sein.

In der saarländischen Landeshauptstadt hatten die Vorbereitungen zum Aufbau in der letzten Aprilwoche begonnen. Es wurde eine Fundamentplatte hergerichtet, die als Unterbau für das Denkmal dient. Auf diese Platte wird die Skulptur später montiert. Die Arbeiten sollen im Juni abgeschlossen sein, wie die Stadt Saarbrücken kürzlich mitgeteilt hatte. Die Einweihung des Denkmals ist dann für den September geplant.

Dafür muss das Denkmal natürlich erst mal vom Ort der Herstellung zum künftigen Standort im 750 Kilometer entfernten Saarbrücken gebracht werden. Da das Denkmal eine Gesamtgrundfläche von acht mal drei Metern hat und nur komplett transportiert werden kann, ist ein Spezialtransport mit Sonderbreite erforderlich. Allein das ist eine organisatorisch herausfordernde Aufgabe.

Auch in den Monaten zuvor haben die Mitarbeiter der Zittauer Metallbaufirma, die im Gewerbegebiet Weinau zu finden ist und jüngst zu Zittaus "Unternehmen des Jahres 2021" gekürt wurde, einige Tropfen Schweiß vergossen. Denn die Gestaltung des Denkmals, das offiziell "Band der Erinnerung" und im Untertitel "Saarländisches Shoah-Denkmal" heißt, war eine sehr filigrane Arbeit.

Die Skulptur besteht aus acht Edelstahltafeln, die am Ende miteinander verbunden wurden. Jede dieser einzelnen Tafeln lag 24 Stunden auf der Laseranlage. Allein die Programmierung der Daten für jede Tafel nahm drei Stunden in Anspruch. Das bedeutete für Maschinen wie Mitarbeiter Höchstleistungen.

Solche Projekte realisiert die Kratzer Metallbau GmbH nicht jeden Tag. Neben den "normalen" Aufträgen versuchen sie aber auch immer wieder Prestige-Projekte wie eben das Shoah-Denkmal fürs Saarland an Land zu ziehen. "Wir versuchen, eine gute Mischung beizubehalten", meint Geschäftsführer Thomas Kratzer. Ein besonderes Projekt werde in der Regel pro Jahr umgesetzt.

Dabei spiele die Entfernung des Auftraggebers keine Rolle, es gehe um das Projekt an sich. Dass der Auftraggeber aus dem tiefsten Westen der Republik kommt, sei aber nicht die Regel, meint Thomas Kratzer. Die Zittauer haben schon mal ein Kunstprojekt für Bayreuth umgesetzt. Den Großteil ihrer Aufträge generiert die Kratzer Metallbau GmbH aber in der Region. So baut das Unternehmen beispielsweise viel mit der TU Dresden oder auch am Rathaus in Dresden.

Für die Prestige-Projekte müssen sie sich dabei meist gar nicht bewerben, die finden immer zu der Zittauer Firma. So kamen sie auch an das jüngste dieser Projekte durch Zufall. Die Künstler David Mannstein und Maria Vill aus Berlin gewannen 2019 mit ihrem Entwurf eines Shoah-Denkmals den Künstlerwettbewerb der Stadt Saarbrücken. In der Folge fragten sie bei einem Chemnitzer Statiker, mit dem sie zusammenarbeiteten, ob er einen Stahlbauer kenne, der den Entwurf umsetzen kann. Der besagte Statiker arbeitete seinerzeit auch mit der Kratzer Metallbau GmbH bei einem anderen Projekt zusammen und empfahl die Firma gleich den Berliner Künstlern.

Als Thomas Kratzer den Künstlern die Umsetzung zusagte, war die damals neu gegründete Abteilung Blechbearbeitung noch gar nicht komplett aufgebaut. Er hatte sich sprichwörtlich "aus dem Fenster gelehnt". Doch der Firmenchef war überzeugt, dass seine Mitarbeiter den Auftrag realisieren können. Davon konnten sich die Künstler auch vor Ort überzeugen. Und das Lob von David Mannstein spricht für sich: "Der Betrieb ist gut ausgerüstet, hat gute Maschinen und Top-Leute."

Dass diese lobenden Worte ernst gemeint sind, zeigen auch die Folgeaufträge für Kratzers. Sie werden in den kommenden Monaten bei zwei weiteren Projekten mit dem Berliner Künstlerduo zusammenarbeiten.

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