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Zwei pfiffige Lehrlinge aus Dohna

Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge 09.01.2020
Sebastian Jehring und Anton Weber bekamen ein Angebot, das sie nicht ablehnen konnten. Und das ihnen richtig Geld bringt.

Die anderen Lehrlinge stehen im Endspurt, Sebastian Jehring und Anton Weber verdienen schon richtig Geld. Und das seit sechs Monaten. Das haben sie sich selbst erarbeitet, auch wenn es zunächst nicht absehbar war. Als die beiden bei den Präzisionssystemen Schiekel in Dohna ihre Lehre zu Zerspanungsmechanikern begannen, waren sie in der Berufsschule zwei von vielen. Bis Juli 2020 sollte die Ausbildung gehen. So war der Plan.

Doch dann schauten sich Geschäftsführer Peter Schiekel und Personalchefin Jana Merzdorf im Frühjahr wie immer die Zeugnisse der beiden an. Was sie da sahen, veranlasste sie zu einem besonderen Angebot. Sebastian aus Pirna und Anton aus Burkhardswalde hatten nämlich nur Einsen und Zweien, vor allem in den praxisbezogenen Fächern.

Und bevor sie jemand abwerben konnte, boten die Chefs den jungen Männern an, ihre Ausbildung eher zu beenden. „Eine Möglichkeit, die wir nur Azubis einräumen, die eben solch gute Zensuren aufweisen und im Gesamtdurchschnitt nicht unter 2,5 liegen“, sagt Jana Merzdorf.

Sechs Monate eher auslernen bedeutet, sechs Monate eher statt Lehrlingsgeld „richtigen“ Facharbeiterlohn zu bekommen. Trotzdem zögerten die beiden jungen Männer. Denn erst mussten sie ja noch die Prüfungen absolvieren. Eher als gedacht.

„Man hatte plötzlich weniger Zeit, um den ganzen Stoff zu büffeln“, sagt Anton. Doch die Aussicht war verlockend. Für den 21-jährigen Sebastian rückte plötzlich das neue Auto, mit dem er schon eine Weile liebäugelte, spürbar näher. Auch die Eltern ermutigten die Lehrlinge, die Chance zu nutzen. Natürlich meisterten beide Anfang Juli die Prüfungen. Inzwischen sind sie feste Größen im Unternehmen – Sebastian als Dreher, Anton als Fräser an den CNC-gesteuerten Zerspanungsautomaten.

Dass sie nun in drei Schichten arbeiten, stecken sie weg. Immerhin sei in der Programmierung der Drehautomaten, die jetzt den fachlichen Schwerpunkt für Sebastian Jehring bildet, Gleitzeitarbeit möglich. „Dafür nimmt man auch drei Schichten in Kauf.“

Sebastian will nun „möglichst schnell“ die Meisterschule machen und denkt bereits über ein Ingenieurstudium nach. Anton geht es ruhiger an: „Erst ein paar Jahre berufliche Erfahrungen sammeln, dann vielleicht der Meister“, sagt er.

Anton landete über ein Praktikum bei Schiekel. „Es war schon das zweite“, sagt er. „Nach dem ersten bei einer anderen Firma war ich noch unentschlossen, doch nach der Probezeit in Dohna wusste ich: Das ist es!“

Schon nach den ersten Wochen machten die beiden Jungfacharbeiter eine wichtige Erfahrung. Die „alten Hasen“ im Betrieb betrachteten sie nicht mehr als Lehrlinge. Dabei heißt es ja oft: Dort wo man einst gelernt hat, bleibt man der ewige Azubi.

Und so passt nicht nur das Geld, das die beiden schon überraschte, sondern auch die Zusammenarbeit mit den Kollegen. Dazu trage auch die gute Ausbildung bei.

Im ersten Lehrjahr absolvieren die Schiekel-Lehrlinge bei der Industrie- und Handelskammer eine überbetriebliche Schulung. Da lernen sie auch Grundlagen wie Schweißen, Pneumatik, technisches Zeichen und Feilen von Hand, die bei der hochanspruchsvollen CNC-Technik in Dohna sonst leicht zu kurz kämen.

Inzwischen fragen schon einige Lehrlinge aus dem ersten Lehrjahr bei Sebastian und Anton nach, was man denn so tun müsse, um eher auszulernen. Es hat eben schon einiges für sich, eher auszulernen. Nicht nur eines Autos wegen …

 

Von Heike Sabel

Foto: © Lachmann
 

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