Suche
Suche

100 Millionen Euro, 350 Jobs: So entsteht das Flugzeugwerk am Airport Leipzig

48 Flugzeuge im Jahr, bis zu 350 neue Arbeitsplätze: Die Deutsche Aircraft errichtet am Flughafen Leipzig/Halle ein hochmodernes Werk. Die Fertigung soll schon bald starten. Wann hebt der erste Flieger ab?

Lesedauer: 4 Minuten

Florian Reinke

Leipzig/Schkeuditz. Kräne drehen sich, Bagger rollen an, und mittendrin läuft Sebastian Böhnl über ein Gelände, auf dem sein Unternehmen Geschichte schreiben will. Böhnl ist Standortleiter der Deutschen Aircraft und seinem Ziel ganz nah: die Rückkehr des Flugzeugbaus in die Region – auf eine 60.500 Quadratmeter große Fläche direkt am Airport Leipzig/Halle. Für die Region geht es um viel: eine 100 Millionen Euro schwere Investition, Hunderte neue Jobs – und die Zukunft des Flugzeugbaus.

Böhnl steht auf der Fläche nördlich des Flughafenterminals in Schkeuditz und steuert zunächst auf ein vierstöckiges Gebäude zu. Im Erdgeschoss, erklärt er, entsteht ein Eingangsbereich mit Umkleiden für die Mitarbeiter. „In den drei Stockwerken darüber werden Büros angesiedelt, und im vierten Stock entsteht eine Kantine mit Terrasse – mit Blick auf die Startbahn.“

Hangar und Logistikgebäude entstehen am Airport

Das Bürogebäude ist nur ein Teil des Komplexes, den die belgische Weerts Group für den Flugzeugbauer errichtet: Im östlichen Bereich dreht sich alles um die neue Maschine. Hier entstehen ein hochmodernes Logistikgebäude und ein Flight Readiness Hangar, in den die Flugzeuge nach der Montage gebracht werden, um sie für die Tests vorzubereiten. Ursprünglich waren vier Stellplätze geplant, doch die Krise zwang zum Umdenken.

„Den Hangar haben wir im Zuge unserer Planungen von 4 auf 2 Stellplätze reduziert. Die volkswirtschaftliche Krise hat voll zugeschlagen, und wir mussten das Geld im Blick behalten“, erklärt der Standortleiter.

Flugzeugbau auf 10.000 Quadratmetern

Von den oberen Etagen des Bürogebäudes aus lässt sich das Herzstück nicht übersehen: die rund 10.000 Quadratmeter große Endmontagelinie. Hier werden künftig verschiedene Sektionen zusammengeführt. „Das sind acht Stationen insgesamt, und am Ende ist der Flieger fertig. Alle Komponenten sind installiert – ob Fahrwerk, Sitze oder Avionik. Dann geht es in den Einflug, wo das erste Mal mit Testpiloten der Start erfolgt“, erklärt Böhnl.

48 Flugzeuge pro Jahr will die Deutsche Aircraft produzieren. „Alle fünf Tage wird eine Station getaktet. Bei der geplanten Rate von 48 Flugzeugen pro Jahr bedeutet das: Der erste Flieger geht raus, wie bei einem Ziehharmonika-Effekt kommt der nächste, und das passiert reihum alle fünf Tage.“ Pro Station arbeiten zwischen zehn und 15 Mitarbeiter. „Bei acht Stationen und später einer versetzten Schicht sind wir schnell bei 150 Leuten allein in der Halle“, rechnet der Standortmanager vor.

Deutsche Aircraft fertigt D328eco

Von einem der modernsten Flugzeugwerke war dabei in den vergangenen Jahren die Rede, und Böhnl sieht das bestätigt. „Was das Werk modern macht: Alle Materialien werden zum Werker an die Station gebracht. Es wird papierlos gearbeitet, alles läuft digital über Tablets. Ergonomisch haben wir optimale Arbeitshöhen geschaffen, Wägelchen, mit denen man auf gleicher Ebene ins Flugzeug fahren kann. Das haben andere nicht, da sind wir weit voraus.“

Was ist das für ein Flugzeug, das sie bald in Schkeuditz fertigen? Die D328eco ist ein Turboprop-Flieger mit 40 Sitzen und gilt als Weiterentwicklung der früheren Dornier 328. Das Regionalflugzeug haben die Ingenieure verlängert und modernisiert. Der Treibstoffverbrauch pro Passagier ist 14 Prozent geringer, zudem kann die Maschine zu 100 Prozent mit synthetischen Kraftstoffen betrieben werden – es ist ein wichtiger Schritt hin zum klimafreundlichen Fliegen.

Viele Einsatzmöglichkeiten für neues Flugzeug

Für das Flugzeug sieht die Deutsche Aircraft einen weltweiten Markt: Von einem Bedarf von 3800 Maschinen geht man aus. Absichtserklärungen zum Kauf von etwa 100 Flugzeugen sollen bereits vorliegen.

Die Maschine kann auf kurzen Pisten landen – auch auf unbefestigtem Untergrund, was sie für entlegenere Regionen attraktiv macht. Einsetzen lässt sich die D328eco nicht nur als Passagierjet, sondern auch für Spezialeinsätze: als fliegendes Lazarett, die Grenzüberwachung oder Militärmissionen.

Wie geht es jetzt weiter? Der Zeitplan steht: Die Baumaßnahmen sollen in den kommenden Monaten abgeschlossen werden. „Anfang nächstes Jahr fangen wir an mit den ersten Stationen, mit den Lieferanten und ersten Bauteilen“, erklärt Böhnl: Station für Station gehe man mit der Kernmannschaft durch.

Der erste Testflieger kommt noch aus dem Stammsitz Oberpfaffenhofen, der zweite dann aus dem Werk in Leipzig/Halle. Mitte 2026 soll er fertig sein, die nächste Maschine dann Anfang 2027. „Dann folgen die nächsten“, sagt Böhnl.

Bis zu 350 neue Jobs

Juliane Finke, Personalchefin der Deutschen Aircraft, kündigt an, dass im Januar zunächst eine kleinere Stammmannschaft startet. „Wenn alles hochgefahren ist und wir bei 48 Fliegern sind, werden wir ungefähr 250 bis 350 Mitarbeiter haben.“ Der Zuspruch an Bewerbungen, so Finke, sei gut. „Für uns sind die vielen Facharbeiter in der Region interessant, die hier mit ihren Familien leben und verwurzelt sind. Wir wollen eine feste Mannschaft.“ Böhnl ergänzt: „Für dieses Jahr ist die Zielgröße, Ende des Jahres 50 Mitarbeiter zu haben, die Kernmannschaft und Prozesse zu etablieren, damit wir bereit für die Hochlaufphase sind.“

Was am Standort passiert, sollen künftig auch Menschen aus der Region erfahren, verrät Böhnl. Die könnten künftig das Werk auf einem entsprechenden Gang besichtigen. „Als Besucher kann ich die Fertigung besichtigen, ohne zu stören. Wir möchten die Luftfahrt den Menschen näherbringen.“

Das könnte Sie auch interessieren:

Drei Menschen schauen freundlich in die Kamera.

Krebsdiagnostik in Violett

Das Dresdner Start-up Cancilico und Designer der Agentur Neongrau haben ein KI-basiertes Werkzeug entwickelt, um Blut-Erkrankungen schneller im Knochenmark zu

Weiterlesen ►