Dresden/Leipzig. Außerhalb der sächsischen Ballungszentren muss monatlich teilweise deutlich mehr für ein Girokonto ausgegeben werden als in den Großstädten. Das geht aus einer Analyse der FMH-Finanzberatung aus Frankfurt/Main (FMH) hervor. Demnach ergeben sich die wesentlichen Kostenunterschiede nicht aus den Fixkosten, wie Grundgebühr oder der Gebühr für Bank- und Kreditkarte, sondern aus den Vorgangsgebühren für das elektronische Bezahlen. Bei Menschen, die sehr häufig elektronisch bezahlen, betrage der durchschnittliche Gebührenunterschied fast drei Euro pro Monat.
Für die Analyse hat die FMH laut eigenen Angaben deutschlandweit rund 2600 Konten von rund 1000 regionalen Geldinstituten analysiert und die Daten für jedes Bundesland einzeln aufbereitet. Differenziert wurde dabei nach Regionalbanken in Städten mit weniger und mehr als 60.000 Einwohnern. In Sachsen liegen nur Leipzig, Dresden, Chemnitz, Zwickau und Plauen über dieser Marke.
In der FMH-Analyse wurden die Kontogebühren außerdem für vier verschiedene Nutzertypen ausgewertet – vom Bargeld-Traditionalisten bis zum „Heavy-Digital-User“.
Vorteil für Banken im ländlichen Raum bei reinen Fix-Kosten
Den Ergebnissen zufolge ergibt sich bei den reinen Fix-Kosten ohne jegliche elektronische Überweisung sogar ein Vorteil für die Banken im eher ländlichen Raum in Sachsen. Laut der FMH-Analyse zahlten Sachsen in Kleinstädten und auf dem Land durchschnittlich 10,52 Euro pro Monat an Gebühren. In den Städten über 60.000 Einwohner sind es dagegen durchschnittlich 10,95 Euro.
Dieser Vorteil kehre sich aber schon bei wenigen elektronischen Zahlungen pro Monat um. So zahlen die sogenannten Bargeld-Traditionalisten laut der FMH-Analyse in Kleinstädten und auf dem Land durchschnittlich 12,96 Euro pro Monat an Kontogebühren. In Städten über 60.000 Einwohner sind es durchschnittlich 12,66 Euro.
Gebühren für elektronisches Zahlen machen den Unterschied
Extrem ist der Unterschied bei den „Heavy-Digital-Usern“. Wer praktisch nur noch elektronisch zahlt und bei einer Regionalbank auf dem Land Kunde ist, zahle durchschnittlich 22,08 Euro Gebühren pro Monat. Ein Großstädter, der sein Konto bei einer dort ansässigen Bank führt, und ebenso häufig elektronisch zahlt, müsse im Schnitt hingegen nur 19,18 Euro an Gebühren überweisen.
Geringfügig verringert werde der Girokonto-Nachteil durch günstigere Dispokredit-Zinsen. Während bei den Regionalbanken in Kleinstädten und auf dem Land durchschnittlich 11,18 Prozent anfallen, sind es laut FMH in Städten über 60.000 Einwohner 11,85 Prozent.
Schwächere Konkurrenzsitution auf dem Land könnte Ursache sein
Grund für den Gebührenunterschied ist laut FMH die komfortablere Marktposition der Banken im eher ländlich geprägten Raum. In der Regel sind dies Sparkassen und Volksbanken.
„Diese Ergebnisse der Daten-Analyse haben sicherlich etwas mit der schwächeren Konkurrenzsituation der Geldinstitute in kleineren Städten zu tun“, erklärte FMH-Geschäftsführer Scholz-Orfanidis. „Diese ändert sich unserer Erfahrung nach etwa bei der Marke von 60.000 Einwohnern.“
In größeren Städten gebe es für die Kunden so viele Auswahlmöglichkeiten auch über Filialen von Geschäftsbanken, dass man mit teureren Konditionen spürbar Marktanteile verliere. „In kleineren Kommunen scheint der Druck niedriger zu sein.“
SZ


