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Bäcker, Fleischer, Friseur: Sachsens Handwerk stirbt auf dem Land

Seit 2010 sind 5000 Handwerksbetriebe in Sachsen verschwunden – besonders im ländlichen Raum. Der Handwerkstag fordert deshalb ein Stipendium für Handwerker, die aufs Land gehen.

Lesedauer: 2 Minuten

Luisa Zenker

Dresden. Rund 5000 Handwerksbetriebe sind in den letzten 15 Jahren in Sachsen verschwunden. „Viele davon auf Dörfern und in kleineren Städten“, sagt der Präsident des Sächsischen Handwerkstags, Uwe Nostitz diesen Donnerstag. 25.000 Arbeitsplätze sind damit im ländlichen Raum weggebrochen.

Der Sächsische Handwerkstag fordert daher nun ein „Landarztstipendium“ für Handwerker. Wer sich verpflichtet, einen Handwerksbetrieb auf dem Land zu halten oder zu gründen, soll während der Meisterausbildung Geld erhalten. Ein solches Stipendium gibt es in Sachsen für angehende Ärzte seit Jahren.

Zudem schlägt Uwe Nostitz vor, dass die Handwerker bei der Existenzgründung finanziell unterstützt werden. Das Handwerk sei essenziell für das dörfliche Leben. „Es unterstützt den Sportverein oder die Weihnachtsfeier vor Ort.“ Schließt aber der Bäcker oder Fleischer, werde der ländliche Raum noch unattraktiver für junge Familien. Dagegen müsse die Landesregierung vorgehen.

Schwierige Suche: Ein Drittel der Betriebe braucht einen Nachfolger

Der Präsident des Sächsischen Handwerkstages fordert dies auch vor dem Hintergrund, dass in den kommenden Jahren viele Handwerksbetriebe eine Nachfolge suchen. Bei einem Drittel der 54.000 Handwerks-Unternehmen steht in den kommenden zehn Jahren eine Übergabe an.

Gleichzeitig streben immer weniger Menschen eine Selbstständigkeit an. Der Handwerkstag setzt sich daher vehement für mehr Geld bei der Meisterausbildung ein.

Sachsens Handwerk will höheren Meisterbonus möglichst bald

„Je mehr Meister wir ausbilden, desto mehr Unternehmer könnten wir in Zukunft haben. Wir fordern deshalb eine Verdopplung des Meisterbonus auf 4000 Euro. Das wurde im Wahlkampf versprochen“, so Nostitz. Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) hatte damit persönlich auf Wahlplakaten 2024 geworben.

Derzeit wird eine Prämie in Höhe von 2000 Euro den Handwerkern gezahlt, die erfolgreich ihre Meisterprüfung ablegen. Bundesländer wie Niedersachsen oder Bremen gewähren einen Zuschuss von 4000 Euro.

„Bauturbo“ bisher nicht spürbar

Insgesamt blickt das sächsische Handwerk pessimistisch auf das Jahr, die Auftragslage habe sich weiterhin verschlechtert. Nur ein Drittel der Handwerksbetriebe schätzt die Geschäftslage als gut ein. Zum Vergleich: Im Herbst 2018 waren es fast doppelt so viele.

„Es fehlt an Planbarkeit und Zuversicht“, sagt Andreas Brzezinski vom Sächsischen Handwerkstag. Gerade das Zugpferd der Bauwirtschaft falle aktuell als Taktgeber aus. Der „Bauturbo“ gehe zwar in die richtige Richtung, im Alltag sei davon jedoch bisher wenig angekommen. Im Oktober hatte der Bundestag den „Bauturbo“ beschlossen. Das Gesetz soll Planungen und Genehmigungen beschleunigen.

Nostitz warnt zudem davor, das Vergaberecht für Bauaufträge aufzuweichen. Dies werde momentan in der Bundesregierung diskutiert. Damit könnten bald sogenannte Generalübernehmer, also große Konzerne, deutlich mehr von Bauaufträgen profitieren als kleine Handwerksbetriebe.

SZ

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