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Chinesischer Reisegigant kauft Leipziger Onlineportal fluege.de

Nach Tschechen und Polen haben nun Chinesen das Sagen bei einem der größten deutschen Online-Flugportale. Wie riesig der neue Eigentümer ist, zeigt ein Blick in die Bilanzen.

Lesedauer: 2 Minuten

Chinesischer Reisegigant kauft Leipziger Onlineportal fluege.de Quelle: Wolfgang Sens

Ulrich Wolf

Leipzig/Warschau/Suzhou. Eines der größten deutschen Onlineflugportale, fluege.de mit Sitz in Leipzig, wechselt erneut den Eigentümer. Die polnische WP Holding verkauft das Internetunternehmen für 42,3 Millionen Euro an die chinesische Tongcheng Travel Holdings Ltd. Das teilten die Polen am Mittwoch in Warschau mit.

Tongcheng mit Sitz in der 14-Millionen-Einwohner-Stadt Suzhou ist nach eigenen Angaben mit 250 Millionen Kunden eine führende Reiseplattform in China. Mit dem Erwerb von fluege.de wolle man „den Nutzen für europäische Reisende und Partner steigern“, sagte Tongcheng-Finanzchef Joyce Li der Mitteilung zufolge. „Dem lokalen Management vertrauen wir voll und ganz, das Unternehmen in seine nächste Wachstumsphase zu führen.“

Chinesen machen Milliarden-Umsatz

Den Umsatz gibt das in an der Hongkonger Börse notierte, chinesische Reiseunternehmen für 2024 auf umgerechnet zwei Milliarden Euro an, den Gewinn auf fast 240 Millionen Euro.

Für die Polen hingegen bedeutet der Verkauf den Rückzug aus dem Flugsegment. Man wolle nun die Ressourcen vollständig auf das Wachstum der verbliebenen Kernmarken konzentrieren, hieß es. Darunter fallen bekannte Namen wie Ab-in-den-Urlaub.de, das ungarische Unterkunftsportal Szallas oder auch Travelplanet.

Dem lokalen Management vertrauen wir voll und ganz, das Unternehmen in seine nächste Wachstumsphase zu führen. – Joyce Li, Finanzchef des chinesischen Reisekonzern Tongcheng Travel

Fluege.de war 2008 gegründet worden. Es gehörte – ebenso wie die Marke Ab-in-den-Urlaub.de – ursprünglich zum Leipziger Unister-Konzern, der die Tourismusbranche jahrelang aufgemischt hatte. 2016 kam dessen Gründer Thomas Wagner jedoch bei einem Flugzeugabsturz in Slowenien ums Leben, anschließend brach der Konzern zusammen.

Erfolgreich nach der Unister-Pleite

Der in Prag ansässige Reisekonzern Invia Flights erwarb fluege.de und andere Marken aus der Unister-Insolvenzmasse im November 2016. Im vorigen Jahr zählte es zu den meistgenutzten Onlineflugportalen Europas. Anfang dieses Jahres übernahm dann die Warschauer WP Holding die Invia-Gruppe. Mit Ausnahme von fluege.de bleiben alle anderen Reisedienstleister bei den Polen.

Der Umsatz der deutschen Tochter Invia Flights Germany GmbH mit Sitz am Leipziger Dittrichring betrug 2023 rund 30 Millionen Euro, der Nettogewinn etwa 1,6 Millionen Euro. In dem Bericht gibt die Gesellschaft die Zahl ihrer Beschäftigten mit 132 an, kündigte jedoch an, die Belegschaft weiter aufstocken zu wollen.

SZ

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