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Chiphersteller Infineon arbeitet profitabel wie nie

Der Halbleiterkonzern meldet Rekorde bei Umsatz und Rendite. Die milliardenschweren Investitionen fließen im nächsten Jahr nach Dresden und Malaysia.
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Man sieht den Infineon-Vorstandschef Jochen Hanebeck
Infineon-Vorstandschef Jochen Hanebeck ist mit dem Geschäftsverlauf sehr zufrieden. © Archivfoto: dpa

Von Ulrich Wolf & Nora Miethke

Neubiberg/Dresden. Der Chiphersteller Infineon meldet für das Geschäftsjahr 2023 bei Umsatz und Profitabilität neue Rekorde. Der Umsatz der zwölf Monate bis Ende September sei um 15 Prozent auf 16,5 Milliarden Euro gestiegen, teilte der börsennotierte Konzern am Mittwoch am Firmensitz im bayerischen Neubiberg mit.

Im jüngsten Quartal habe der Konzern von einer regen Nachfrage bei Elektromobilität und erneuerbaren Energien profitiert, hieß es. Vorstandschef Jochen Hanebeck sagte, man erwarte auch 2024 „weiteres, wenn auch geringeres Umsatzwachstum“. Zugleich plant der Manager wieder milliardenschwere Investitionen. Schwerpunkte seien der Bau des vierten Fertigungsgebäudes in Dresden sowie die Fertigstellung der dritten Fabrik in Kulim in Malaysia. Insgesamt will sich der Konzern das allein im nächsten Jahr 3,3 Milliarden Euro kosten lassen.

Erst Anfang November hatte das Bundeskartellamt zugestimmt, dass Infineon gemeinsam mit Bosch und NXP sich mit jeweils zehn Prozent an der künftigen Betreiberfirma einer neuen Fabrik des taiwanesischen Chipkonzerns TSMC in Dresden beteiligen dürfen. Der Spatenstich dafür soll in der zweiten Jahreshälfte 2024 erfolgen, der Produktionsstart wird für 2027 angestrebt. Die Investitionen der Halbleiterindustrie sind fast immer mit hohen staatlichen Subventionen verknüpft. Die Milliardensummen kommen aus Steuereinnahmen.

Nach dem starken vergangenen Jahr geht Infineon jetzt durch eine schwächere Phase. „In Summe erwarten wir auch für das Geschäftsjahr 2024 weiteres, wenn auch geringeres Umsatzwachstum“, sagte Hanebeck. Das Unternehmen geht von einem Jahresumsatz 2024 von 16,5 bis 17,5 Milliarden Euro aus. Die aktuelle Marktlage sei im Moment gemischt. Bei den Geschäftsbereichen Elektromobilität und erneuerbaren Energien laufe es gut, Industrie und Verbraucher seien dagegen eher zurückhaltend. Die zyklische Abfolge verschiedener Wachstumsphasen sei nichts ungewöhnliches, betonte Hanebeck und versicherte: „Wir wissen als Unternehmen damit umzugehen.“

Er hält trotz der schwierigeren Lage an den großen Investitionen in Dresden fest. Als Infineon zuletzt in das Werk in Villach in Österreich investierte, habe es auch Fragen gegeben, ob das richtig sei. Doch als es fertig geworden sei, „haben die Kunden uns die Produkte aus der Hand gerissen“, so der Infineon-Vorstandschef. Die große Erweiterung in Dresden werde erst ab 2026 zum Umsatz beitragen. „Bis dahin ist die Marktschwäche überwunden“, so Hanebeck.

Wachstumstreiber sind die Chips für die Automobilindustrie. Hier geht Infineon davon aus, dass die Nachfrage auch im kommenden Jahr ungebrochen bleibt. Bei klassischen Automotive-Chips haben sich die Wartezeiten verkürzt, doch bei den spezielleren Halbleitern würden die Kunden sich einen „Puffer“ aufbauen wollen und mehr Bestellungen abgeben. Infineon ist an dem Gemeinschaftsunternehmen mit dem weltgrößten Auftragsfertiger TSMC beteiligt, der in Dresden die erste europäische Fab hochziehen will. Dort sollen Halbleiter für die Autoindustrie gefertigt werden. Nach Ansicht von Vorstandsmitglied Rutger Wijburg, zuständig für das operative Geschäft, wird „ein Teil des starken Wachstums bei Automotive-Chips im Joint-Venture mit TSMC stattfinden.“ Der Anteil der Produktion, den Infineon auslagert an Auftragsfertiger, werde sich von derzeit rund 35 Prozent auf 40 Prozent erhöhen.

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