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„Die Bierkultur an sich leidet derzeit“: So geht es den Brauereien im Kreis Görlitz

Sinkender Bierabsatz, Brauereischließungen, weniger Konsum: 2025 war insgesamt kein gutes Jahr für die Brauereien von Löbau bis Görlitz. Nur ein kleiner Betrieb in Görlitz schwimmt gegen den Strom.

Lesedauer: 3 Minuten

Steffen Dittmar ist Präsident des Sächsischen Brauerbundes und Chef der Bergquell-Brauerei Löbau, die unter anderem das beliebte Porter-Bier produziert. Quelle: Rafael Sampedro/foto-sampedro.de

Marc Hörcher

Görlitz. Brauereien und Bierlager verzeichnen ein historisches Rekordtief beim Verkauf ihrer Produkte. Laut Statistischem Bundesamt sank der Absatz 2025 gegenüber dem Vorjahr um sechs Prozent auf rund 7,8 Milliarden Liter. Damit hat die Branche fast 50 Millionen Kisten Bier weniger verkauft. Längst ist der schwindende Bierdurst auch im Landkreis Görlitz angekommen.

Steffen Dittmar, Präsident des Sächsischen Brauerbundes, kann ein Lied davon singen. „Die Situation ist nicht glücklich“, sagt er und will das als Statement im Namen seiner Branche verstanden wissen. „Die Bierkultur an sich leidet derzeit. Die Leute trinken lieber Limonade, Tee oder etwas anderes – und das in Zeiten von ohnehin gigantischen Rohstoff- und Energiekosten.“ Das sei „alles schon bedenklich“.

Demografischer Wandel beeinflusst den Markt

Die Bergquell-Brauerei Löbau, deren Geschäftsführer Dittmar ist, stehe hingegen gut da, erzählt er, und erklärt sich das mit der strategischen Ausrichtung des Unternehmens. „Wir sind das Modernste, was man im Mittelstand haben kann.“ Das Unternehmen investiere viel und das jährlich, sei „guten Mutes“ und produziere sogar „fast CO₂-neutral“.

Die Brauer und Mälzer haben nicht zuletzt aufgrund des demografischen Wandels zu leiden. Ältere Menschen trinken weniger, und bei jüngeren Leuten geht der Konsum alkoholischer Getränke ohnehin zurück. Alkoholfreies Bier hat Dittmars Betrieb vor einigen Jahren schon mal ausprobiert und mittlerweile wieder aus dem Programm genommen. Der Chef selbst formuliert es so: „Da waren wir unserer Zeit voraus.“ Aber in diesem Jahr, passend zum 180-jährigen Bestehen, werde „definitiv etwas kommen“, das in Richtung Biermischgetränke oder alkoholfreies Bier gehe, um somit neue Zielgruppen und Absatzmärkte zu gewinnen.

Alkoholfreies Bier haben wir vor Jahren schon mal ausprobiert. Da waren wir unserer Zeit voraus. – Steffen Dittmar, Geschäftsführer Bergquell-Brauerei Löbau

Görlitz selbst verlor im vergangenen Jahr sogar zwei seiner kleinen Hausbrauereien. Zum einen schloss die „Bierblume“ an der Neißstraße, eine beliebte Altstadtkneipe mit angeschlossenem Brauereibetrieb, im Sommer für immer ihre Türen. Das GR-LI-Braeu in der Innenstadt West zog im November die Reißleine. Hängt das Aus dieser beiden kleinen Brauereien mit dem gesunkenen Bierkonsum zusammen?

Laut dem Ex-Bierblumen-Chef Alexander Klaus lag es bei ihm tatsächlich an „wirtschaftlichen Gründen“. „Die Leute hätten zu wenig konsumiert. Es habe einfach nicht gereicht“, äußerte er sich damals gegenüber dem SZ-Reporter.

Jörg Daubner (links) unterhält in Görlitz unter anderem die an die Obermühle angegliederte Hausbrauerei Obermühle. Hier ist er zu sehen mit Linus Kupper und Georg W. Schenk von der Edel-Brennerei Augustus Rex GmbH.
Jörg Daubner (links) unterhält in Görlitz unter anderem die an die Obermühle angegliederte Hausbrauerei Obermühle. Hier ist er zu sehen mit Linus Kupper und Georg W. Schenk von der Edel-Brennerei Augustus Rex GmbH.
Quelle: Martin Schneider

Jungbrauer Niklas Moll hingegen begründete den Abschied des GR-LI-Braeu damals völlig anders – weniger mit der allgemeinen wirtschaftlichen Lage, sondern vielmehr mit Pech, technischen Defekten und eigenen Fehlern, die als Verkettung unglücklicher Umstände zusammenkamen.

Damit bleiben Görlitz noch zwei kleine Hausbrauereien. Eine davon ist die von Gastronom Jörg Daubner geführte Obermühle. Der bringt eine ganz andere Perspektive ein: Der Konsum sei „grundsätzlich gleichbleibend“. Allerdings sei für die Obermühle „als Hausbrauerei, die das Bier lediglich im eigenen Restaurant verkauft“, der allgemeine Trend „schwerer ablesbar“.

Sudost verkauft sogar mehr Bier

Bierähnliche Getränke hat Daubner nicht im Sortiment, „somit lassen sich auch hierzu leider keine Aussagen treffen“. Dass sich die Trinkgewohnheiten bei „jungen“ Menschen geändert hätten, sei aber definitiv feststellbar. Gezielt junge Menschen anzusprechen, sei für ihn kein erklärtes Unternehmensziel, weil „sich das Unternehmen an sich weitaus diversifizierter darstellt“ und der Fokus nicht zwingend nur auf dem Bier liege. „Alkoholkonsum im Allgemeinen ist in Deutschland momentan abnehmend. Diese Trends gibt es immer mal wieder und sie verändern sich auch wieder.“

Völlig gegen den Strom schwimmt hingegen die zweite noch verbliebene kleine Hausbrauerei in Görlitz, das Sudost. Matthias Grall, einer der beiden Inhaber, erzählt der SZ: „Wir haben das Problem nicht. Die Tendenz ist eher leicht positiv.“

Matthias Grall betreibt gemeinsam mit Andreas Kolley (nicht im Bild) die Brauerei und das Restaurant Sudost an der Jakobstraße.
Matthias Grall betreibt gemeinsam mit Andreas Kolley (nicht im Bild) die Brauerei und das Restaurant Sudost an der Jakobstraße.
Quelle: Paul Glaser/glaserfotografie.de

Im Geschäftsjahr 2025 seien „ungefähr fünf Prozent mehr“ Bier konsumiert worden als im Vorjahr. Hat das etwas mit der Schließung der beiden anderen Görlitzer Hausbrauereien zu tun? „Möglicherweise auch“, sagt er.

Doch am ehesten würden die Kunden – sofern er das im Gespräch mit diesen mitbekäme – von größeren Brauereien zu ihm abwandern. Eine konkrete Erklärung dafür hat Grall auch nicht, es schmecke halt einfach – so simpel sei es.

Landskron schweigt sich aus

Die Firmenstrategie des Sudost: den „gesettelten Genussmenschen 30 plus“ als Zielgruppe zu halten. Matthias Grall glaubt, dass der sinkende Bierabsatz eher den großen Brauereien Probleme bereite, wie Landskron, die „jenseits der 50.000 Hektoliter ein anderes Zielpublikum erschließen, klassische Listenverläufe machen“ – und sich selbst gegenseitig das Leben schwer mit dem Preiskampf.

Ob die Landskron Brauerei, die größte Görlitzer Brauerei, das auch so sieht, wie sie die Entwicklung wahrnimmt und wie sie dagegenhält, hat die SZ gefragt und keine Antwort erhalten. Eine Antwort der Privatbrauerei Eibaubleibt ebenfalls aus – urlaubsbedingt.

SZ

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