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Die Kongress-Perle an der Elbe

Wie Sachsens Landeshauptstadt den Geschäftsreisetourismus stärken will und dabei auf neue Instrumente wie den Kongressfonds und auf die Unterstützung der eigenen Universitäten und Hochschulen setzt.

Lesedauer: 3 Minuten

Blühende Zweige vor dem Dresdner Zwinger.
Dresden zeigt sich nicht nur im Frühling von seiner schönsten Seite. Vor allem, wenn es um Geschäftsreisen geht, sind aber viele weitere Aspekte wichtig. Foto: Adobestock

Von Nora Miethke

Dresden. Dresden will seine Barockkulisse nicht nur als Magnet für Urlauber nutzen, auch für Geschäftsreisende: Die sächsische Landeshauptstadt arbeitet gezielt daran, sich stärker als Standort für Kongresse und Geschäftsreisen zu etablieren. Dahinter steht das Ziel, auch in der Nebensaison für mehr Gäste in der Stadt zu sorgen. „Der Geschäftsreisetourismus macht bei uns ein Drittel der Wertschöpfung aus“, heißt es bei der Dresden Marketing GmbH (DMG). Rund 420 Millionen Euro Umsatz wird mit Geschäftsreisenden erwirtschaftet im Jahr, 200 Millionen Euro Wertschöpfung bleiben in der Region. Besonders attraktiv sind Kongresse. Denn der Kongressgast oder Geschäftsreisende gibt das meiste Geld aus. Die Dresdner Touristiker beteiligen sich regelmäßig an einer Studie von Mastercard, in der das Ausgabeverhalten der Touristen analysiert wird, „sodass wir für unsere wichtigsten Märkte sagen können, wie viel Umsatz sie mit Mastercard hier vor Ort generiert haben“, sagt Ina Duckstein, Leiterin der Markt- und Trendforschung bei der DMG. So zahlten zum Beispiel deutsche Geschäftsreisende im vergangenen Jahr in Dresden pro Person 207 Euro per Mastercard im Vergleich zu privaten Urlaubern. Da waren es nur 96 Euro. Die höchsten Ausgaben pro Person tätigten Geschäftsleute aus Frankreich (375 Euro), der Schweiz (336 Euro) und Tschechien (351 Euro).

Zwischen Anspruch und Grenzen
Dresden ist jedoch im Vergleich mit Metropolen wie Berlin oder Frankfurt noch weit im Hintertreffen. Nur zwei Prozent aller innerdeutschen Geschäftsreisen gehen nach Dresden, ähnlich wie Leipzig. Dagegen sind es in Frankfurt am Main 13 Prozent und Hamburg 11 Prozent. Neben großen Unternehmen fehlen auch große Messen mit überregionaler Strahlkraft , ebenso Kapazitäten für sehr große Veranstaltungen. „Wir können derzeit nur Veranstaltungen bis 6000 Teilnehmende hosten“, räumt Duckstein ein.
Die Strategie ist daher eine andere. „Wir werben nicht nur mit Tagungslocation, sondern mit der Stadt“, heißt es. Kultur, gastronomisches Angebot, kurze Wege und ein vielfältiges Rahmenprogramm sollen den Ausschlag geben. Erhält doch Dresden in diesen Bereichen Top-Bewertungen. Im Ranking von 22 Geschäftsreisezielen landet die Landeshauptstand in diesen Punkten auf Platz 3 oder vier.

Wissenschaft als Schlüssel zum Kongressgeschäft
Das Potenzial als Kongressstadt da ist, zeigt, dass fast jede zweite Geschäftsreise nach Dresden mit einem sogenannten MICE-Bezug stattfindet, also in Verbindung mit Messen, Kongressen, Seminaren oder Incentives/Evens steht. Eine zentrale Rolle spielt die Wissenschaft. Hochschulen und Forschungseinrichtungen gelten als Türöffner für internationale Fachkongresse. „Eine wichtige Zielgruppe sind für uns die Wissenschaftler und Professoren wie Professorinnen hier in Dresden“, betont DMG-Sprecherin Karla Kallauch. Sie können ihre großen Kongresse in ihre eigene Stadt holen. Die Stadt geht dafür aktiv auf die Institute zu, stellt Unterstützungsangebote vor und vernetzt Wissenschaft und Veranstaltungsbranche stärker miteinander. Hier sieht die DMG großes Potenzial und baut die nötigen Netzwerke zu den Universitäten und Hochschulen aus. Dabei gilt die wissenschaftliche Expertise selbst als Standortvorteil. „Wir haben die wissenschaftliche Expertise vor Ort – ihr müsst nicht teure Referenten einkaufen“ könnte ein Argument gegenüber Veranstaltern lauten. Gerade internationale Fachkonferenzen bleiben wichtig, da sie nach wie vor in Präsenz laufen. Um dieses Engagement zu fördern, hat Dresden in der Vergangenheit gezielt Anreize gesetzt. So gab es über Jahre eine eigene Auszeichnung.
Mit dem Dresden Congress Award wurden Professoren und Professorinnen für ihr Engagement ausgezeichnet, die internationale Tagungen nach Dresden geholt hatten. Sie stärkten nicht nur ihren eigenen Ruf, sondern auch den der Stadt. Den Preis gibt es nicht mehr. Die DMG setzt nun mehr auf enge Kontakte zur TU Dresden, zu Dresden concept und zu einzelnen Instituten, um so die Forschenden zu erreichen.

Kongressfonds soll neue Impulse bringen
Neben ideellen Anreizen setzt Dresden auch auf finanzielle Unterstützung. Mit dem Kongressfonds will die Stadt gezielt Veranstaltungen anziehen. Viele Veranstalter entscheiden sich danach, ob eine Destination etwas zusteuert oder nicht, heißt es. Deshalb haben auch Leipzig und München solche Fonds“. Ursprünglich wollte die zuständige Bürgermeisterin Annekatrin Klepsch 300 000 Euro für den Fonds durchsetzen, doch das ließ der Stadthaushalt nicht zu. „100 000 Euro sind besser als nichts“, sagte Klepsch bei der Vorstellung der Dresdner Tourismusbilanz Ende Februar.
Gefördert werden vor allem mittelgroße Kongresse in schwachen Monaten wie Januar, Februar, März, November, aber auch Juli und August, wo wegen der Sommerpause wenig Tagungen stattfinden. Ziel ist es, die Auslastung über das Jahr hinweg zu stabilisieren. Der Zuschuss wird rückwirkend ausgezahlt. Bis drei Monate nach Veranstaltungsende müssen die Belege eingereicht sein.

Nachhaltigkeit als Eintrittskarte
Ein entscheidender Faktor im Wettbewerb ist inzwischen die Nachhaltigkeit. Gerade im Geschäftsreisebereich ist sie oft Voraussetzung. Unternehmen verlangen umfassende Konzepte – von klimafreundlicher Anreise bis zu zertifizierten Hotels. „Die Veranstalter kommen mit einem drei-, vier-, fünfseitigen Nachhaltigkeitskatalog“, so DMG-Marktforscherin Duckstein. Wer das nicht gewährleisten kann, bekommt den Kongress nicht. Die Sachsen schneiden da allerdings im Vergleich schlecht ab. Nur drei Prozent der Befragten schreiben Dresden und vier Prozent Leipzig eine hohe Nachhaltigkeit des Geschäftsreiseangebots zu. Zum Vergleich: In Berlin, Hamburg und München sind es über 20 Prozent. Dresden reagiert neben Außenmarketing mit Netzwerken, Schulungen und Infrastrukturmaßnahmen.
Das Dresden dennoch schon jetzt eine attraktive Kongressstadt ist, davon können sich als nächstes im Mai die Teilnehmenden der Fachtagung und Mitgliederversammlung des Verbands Deutscher Betoningenieure e.V. (VDB) oder der Dresden Battery Days 2026 überzeugen.

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