Von Annett Kschieschan
Dresden. Die Temperaturen sinken – der sächsische Geschäftsklimaindex steigt. Trotz anhaltender Krisenlage schätzen viele Unternehmen ihre aktuelle Lage etwas besser ein als noch zu Jahresbeginn. Sie folgen damit einem Bundestrend. Viele Betriebe schauen trotzdem mit Sorge in die Zukunft und hoffen auf eine Belebung der Konjunktur in den kommenden Monaten.
Verarbeitendes Gewerbe: Kapazitäten eher ausgelastet
Trotz anhaltender Unzufriedenheit mit den laufenden Geschäften verzeichnet das Verarbeitende Gewerbe erneut einen Anstieg des Geschäftsklimas. Immerhin: Die Zahl der neuen Aufträge ist nicht weiter gesunken. Die Kapazitäten werden stärker ausgelastet. Deshalb schauen die befragten Unternehmen mit etwas höheren Erwartungen auf die kommenden Wochen und Monate.
Dienstleistungen: Bessere Geschäfte im Tourismus
Nach oben geht das Stimmungsbarometer auch im Dienstleistungsgewerbe. Besonders IT-Dienstleister und die Tourismusbranche freuen sich über bessere Geschäfte. Doch an eine langfristige Entwicklung glauben offenbar nur wenige Unternehmen – die Erwartungen der Branche an die nächste Zeit fallen gedämpft aus.
Handel: Hoffnung auf das Weihnachtsgeschäft
Weihnachten steht vor der Tür und damit traditionell eine Hoch-Zeit für den Handel. Dementsprechend hat sich hier der Geschäftsklimaindex im Vergleich zu den Vormonaten spürbar verbessert. Das gilt allerdings vor allem für den Einzelhandel. Im Großhandel schätzen viele Betriebe ihre Lage eher schlechter ein. In beiden Bereichen sind die Hoffnungen auf die letzten Wochen des Jahres groß – und die Erwartungen entsprechend eher zuversichtlich.
Baugewerbe: Optimistischerer Blick in die Zukunft
Auf sächsischen Baustellen wird wieder mehr gebaut. Das wird auch im Geschäftsklimaindex sichtbar. Die Unternehmen beklagen zwar immer noch ausbleibende Aufträge, schätzen die Lage aber deutlich besser ein als noch vor Monaten. Auch ihre Erwartungen an die Zukunft fallen optimistischer aus.
Zuversicht im Mittelstand
Hinter den meisten sächsischen Unternehmen liegen harte Monate – in manchen Fällen sogar Jahre. . Inzwischen sehen viele Firmen etwas Licht am Horizont. Der Geschäftsklimaindex für den Freistaat ist spürbar gestiegen. „Die befragten sächsischen Unternehmen schätzen sowohl ihre aktuelle Lage als auch die Geschäftserwartungen deutlich positiver als im Vorjahr ein – solch optimistische Einschätzungen zeigten die Betriebe zuletzt im Jahr 2021“, weiß man bei der Creditreform Dresden. Die Umsätze liegen demnach erstmals seit drei Jahren wieder im Plus, außerdem wird weniger Personal abgebaut. Mit weniger Druck im Hintergrund werden auch Investitionen planbarer und damit realistischer.
Der Mut zur Unternehmensgründung bleibt allerdings gedämpft. Im Gegenteil: Bundesweit sinkt die Zahl der Unternehmensgründungen in Deutschland weiter. Nach Berechnungen des ZEW und der Creditreform Wirtschaftsforschung wurden 2024 161.000 Firmen neu gegründet – so wenige wie seit Jahrzehnten nicht mehr. „Die Gründungen sind ein Spiegelbild der wirtschaftlichen Situation in Deutschland. Im Bundesvergleich sind die Gründungszahlen im Verhältnis zu den erwerbsfähigen Personen in den fünf neuen Bundesländern am geringsten“, so Thomas Schulz, Prokurist der Creditreform Dresden Aumüller KG. Und Sachsen bildet mit 23 Neugründungen pro 10.000 Erwerbsfähigen fast das Schlusslicht der Bundesländer. „In Sachsen hat aktuell besonders die Stadt Chemnitz gute Gründungsbedingungen. Allgemein lässt sich beobachten, dass die Gründungsintensität in den städtischen Ballungszentren höher ist als in den ländlichen Regionen“, sagt Thomas Schulz. Demnach gehören die Städte Chemnitz, Leipzig und Dresden zu den vier besten Landkreisen, während in Bautzen und Leipzig – hier ist der Kreis ohne die Stadt gemeint – besonders wenig gegründet wird.
Das Sachsenbarometer, der Wirtschaftsindikator der „Wirtschaft in Sachsen“, erscheint in Kooperation mit der Dresdner Niederlassung des Ifo Instituts-Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung an der Universität München e.V. und der Wirtschaftsauskunftei Creditreform Dresden.


