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Kreis Görlitz: Arzt gibt seinen Dorfladen ab

Seit 1. März führt Antje Biehain das Geschäft in Horka. Sie kennt "Ein Laden" seit seiner Eröffnung vor sieben Jahren. Das sind die Gründe für den Wechsel.

Lesedauer: 3 Minuten

Man sieht eine Frau in ihrem Dorfladen.
Antje Biehain ist seit 1. März die Inhaberin des "Ein Laden" in Horka. © André Schulze

Von Steffen Gerhardt

Einige Horkaer wollten es schon wieder ganz genau wissen: Hausarzt Jens Drahonovsky gibt seinen Laden im ehemaligen Deutschen Haus auf und schließt. „Das stimmt so nicht“, entgegnet der Allgemeinmediziner auf das im Dorf kursierende Gerücht.

Der Laden bleibt den Horkaern erhalten, nur Drahonovsky ist nicht mehr der Inhaber. „Seit diesem Monat liegt das Geschäft in den Händen von Antje Biehain. Ich habe mich aus zeitlichen Gründen von dem Laden zurückgezogen“, erklärt der Allgemeinmediziner kurz und knapp. Im Juni will Jens Drahonovsky im neuen Dienstleistungszentrum in Kodersdorf eine Gemeinschaftspraxis aufmachen. Dafür ist noch einiges zu tun. Auch der Auszug aus seiner bisherigen Praxis in Rothenburg steht bis dahin an.

Für Antje Biehain ist das Chefin-Sein zwar Neuland, der Laden hingegen nicht. Als Horka im Juni 2017 wieder ein Geschäft für die Waren des täglichen Bedarfs bekam, war sie eine der drei Angestellten. Seitdem verkauft die Horkaerin im Laden. Ein Metier, das ihr beruflich bekannt ist. Vor dem Wechsel in ihren Heimatort arbeitete sie als Verkäuferin an einem Backstand.

Gastronomie bleibt im Haus

Gelernt hat die 42-Jährige Restaurantfachfrau. Der Beruf kommt ihr in ihrem zweiten Job im Laden zugute. Denn neben dem Warenverkauf gibt es im Nebenraum Gastronomie. Es wird von Montag bis Freitag täglich eine warme Mahlzeit frisch gekocht. Alternativ ist auch etwas „Schnelles“ als Imbiss zu haben. Somit lebt eine Tradition im Deutschen Haus fort, das einst Gaststätte und Tanzsaal bot. Den Frauen steht dazu eine Küche zur Verfügung für das Beköstigen ihrer Gäste.

Das soll auch so bleiben, versichert die neue Chefin, denn täglich ein Dutzend Gäste nehmen im Durchschnitt hier ihr Mittagessen ein oder holen es ab. „Wir hatten auch schon 30 Gäste bei uns sitzen, das geht aber nur mit Vorbestellung“, berichtet Antje Biehain. Denn gewöhnlich wird Mittagessen so lange ausgegeben, bis die Töpfe leer sind.

Keine Änderung im Angebot

So wie die Küche den Gästen erhalten bleibt, wird auch das Warensortiment beibehalten, versichert Antje Biehain. Dabei wird weiter auf frisches Obst und Gemüse vom Rothenburger Unternehmen Marktfrisch gesetzt. Das Fleisch und die Wurst kommen aus Weißwasser und Gebelzig. Nur die Auswahl an Bäckern ist größer geworden, waren es zu Beginn zwei Bäckereien als Lieferanten von frischem Backwerk, kann nun die Woche über mehr für Abwechslung am Backstand gesorgt werden. „Wir haben vor allem Kundinnen, die ihre Semmeln, Brot oder Kuchen von einem bestimmten Bäcker bevorzugen, dem können wir nun im größeren Umfang gerecht werden.“

Dabei spielt Antje Biehain auf einen Vorteil so eines Tante-Emma-Ladens an: das individuelle Eingehen auf Kundenwünsche. Ist ein Produkt im Regal nicht greifbar, wird es für den Kunden bestellt. Auch, dass betagten Senioren der Kasten Wasser oder Bier ins Haus gebracht wird, gehört zum Service dazu. Das bezieht sich nicht nur auf die Getränke, auch das, was die Küche bietet, kann außer Haus geliefert werden. „Wir haben auch Nachfragen nach Buffets für Feiern“, ergänzt Antje Biehain.

Hausarzt Jens Drahonovsky eröffnete 2017 seinen Dorfladen im Deutschen Haus in Horka. Ein Jahr später kam der Biergarten dazu. Wann und ob seine Nachfolgerin den Biergarten wieder eröffnen wird, das hat sie noch nicht entschieden.© SZ-Archiv/André Schulze

Die Idee von einem Dorfladen

All das macht deutlich, dass der Horkaer Laden mehr bietet als die tägliche Kost. Jens Drahonovski ist froh, dass er eine Nachfolgerin aus der eigenen Reihe gewinnen konnte – und die Kunden freut es, dass sie weiter in Horka einkaufen können. Denn die Idee mit einem Dorfladen trieb Jens Drahonovski schon seit 2011 um, nachdem er im Jahr zuvor das Deutsche Haus erworben hatte. Der erste Schritt war, dass der Spreer Bäcker hier eine Filiale mit Imbiss einrichtete. Aber niemand wollte sich den Hut für einen eigenen Laden aufsetzen, also blieb dem Arzt nichts weiter übrig, als das Geschäft selbst in die Hand zu nehmen.

Seitdem hat sich in Horka eine Versorgungslücke wieder geschlossen. Aber ganz so arm an Geschäften ist der Ort nun auch wieder nicht. Er bietet eine Bäckerei, einen Friseur, ein Blumengeschäft mit Poststelle und eine Gärtnerei. Bleibt die Frage, was wünscht sich die neue Chefin von ihrer Kundschaft? „Dass sie uns weiterhin die Treue hält, das ist am wichtigsten.“

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