Suche
Suche

Neues Jahr, neue Sorgen

Sachsens Wirtschaft ächzt unter dem Druck der multiplen Krisenlagen. In vielen Branchen fallen die Erwartungen an den Frühling bescheiden aus.

Lesedauer: 2 Minuten

Eine Verkäuferin zeigt einem Kunden Schuhe.
Der Einzelhandel bewertet seine gegenwärtige Geschäftslage schlechter als noch vor einigen Monaten. Foto: Adobestock

Von Annett Kschieschan

Dresden. Das Krisenjahr 2025 wirkt nach – und die jüngsten weltpolitischen Verwerfungen rufen neue Probleme auf den Plan, allen voran die drastische Erhöhung der Energiekosten seit Beginn des Iran-Krieges.  Sachsens Wirtschaft setzt dennoch Hoffnung auf den Frühling. Der Geschäftsklimaindex steigt nach harten Wintermonaten leicht an.

Gedämpfte Erwartungen im verarbeitenden Gewerbe

Keinen leichten Start ins neue Jahr hatte das verarbeitende Gewerbe. Die  befragten Unternehmen schätzen  ihre  Geschäftslage  spürbar negativer ein als noch vor einigen Monaten. Auch die Erwartungen an die Zukunft sind  gedämpft.

Die Dienstleister leiden und der schwachen Konjunktur

Nur wenig besser sieht es im Dienstleistungssektor aus. Die Branche leidet unter der allgemeinen wirtschaftlichen Schwäche. Noch zum Jahresende 2025 hatten die Unternehmen hier tendenziell etwas positiver in die Zukunft geschaut. Inzwischen senken sie ihre Erwartungen wieder, bewerten die gegenwärtige Geschäftslage aber leicht besser als im vergangenen Quartal.

Große Sorgen im Einzelhandel

Ein ähnliches Bild zeigt sich im sächsischen Handel. Auch hier sinken die Erwartungen wieder. Der Großhandel schätzt dabei seine aktuelle Geschäftslage zwar etwas  besser ein, der Einzelhandel  bewertet sie indes deutlich schlechter.  Diese Grundhaltung prägt in beiden Bereichen auch den Blick auf die nächsten Monate.

Neuer Schwung im Bauhauptgewerbe

Mit mehr Schwung ist das Bauhauptgewerbe ins neue Jahr gestartet. Hier hat sich das Geschäftsklima deutlich verbessert, was auch Auswirkungen auf die Erwartungen an die Zukunft hat. Die Branche blickt optimistisch auf das Frühjahr.

Sachsens Mittelstand steht unter Druck

Sachsens Wirtschaft kämpft mit der langen Durststrecke, deren Ende noch immer nicht wirklich absehbar ist. „Viele Unternehmen sehen sich gezwungen, zunehmend vorsichtig zu agieren: Investitionen werden zurückgestellt, Liquidität gewinnt an Bedeutung und das Forderungsmanagement rückt stärker in den Fokus“, so die Einschätzung der Creditreform Dresden. Obwohl der Zahlungsverzug insgesamt sinke  und in Sachsen mit sechs Tagen sogar Spitzenwerte erreiche, stagniert demnach die Gesamtforderungsdauer. Grund dafür seien verlängerte Zahlungsziele. Vor allem große Unternehmen setzen die längeren Fristen aufgrund ihrer Marktposition durch. Besonders verschlechtert hat sich nach Einschätzung der Experten  die Situation im Gesundheitswesen, in kirchlichen Vereinigungen und in der öffentlichen Verwaltung. In der Folge der schwierigen Gesamtsituation spielen immer mehr  Unternehmen mit dem Gedanken, ihre Produktion ganz oder teilweise ins Ausland zu verlagern.  

Vor allem der Fahrzeugbau, aber zunehmend auch andere Branchen stehen unter großem Druck. Das trifft vor allem den Mittelstand. Eine Folge:  Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen hat 2025  den höchsten Stand seit zehn  Jahren erreicht, in Sachsen stieg sie um knapp zehn Prozent. Hier sind vor allem Kleinstunternehmen betroffen. Und die Aussichten sind mau. „Gerade die neuen Entwicklungen in der Auseinandersetzung der Nahost-Krise zwischen den USA und dem Iran verschärfen die Lage für viele Unternehmen noch einmal deutlich“, so Thomas Schulz, Prokurist der Creditreform Dresden, und verweist auf steigende Energiekosten und wankende Lieferketten. Die Politik versucht dieser Entwicklung mit Milliardenprogrammen für Bundeswehr und Infrastruktur entgegenzuwirken. „Entscheidend ist, dass diese Mittel nicht zweckentfremdet werden“, erklärt Thomas Schulz. Sachsen versuche, den Krisen zu trotzen. Hier lohnt ein Blick auf die Eigenkapitalquoten, die  im Ländervergleich den höchsten Wert aufweisen. Gleichzeitig habe Sachsen aber  eine der niedrigsten Gründungsquoten.  Der Kampf aus der Krise – er wird auch das Jahr 2026 im Freistaat prägen.

Das Sachsenbarometer, der Wirtschaftsindikator der „Wirtschaft in Sachsen“, erscheint in Kooperation mit der Dresdner Niederlassung des Ifo Instituts-Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung an der Universität München e.V. und der Wirtschaftsauskunftei Creditreform Dresden.

Das könnte Sie auch interessieren: