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Pleitewelle rollt durch Sachsen: Wirtschaftskrise trifft nahezu alle Branchen

Autohäuser, Gaststätten, Gießereien, Glasfabriken, Krankenhäuser, Softwareanbieter, Solarfirmen, Textilhersteller, ob Traditionsbetrieb oder Start-up: Kaum eine Branche blieb in diesem Jahr von Insolvenzen verschont.

Lesedauer: 2 Minuten


Ulrich Wolf

Dresden. Die Wirtschaftskrise hat auch in diesem Jahr Sachsens Unternehmen weiter fest im Griff. Das ergibt sich aus einer Insolvenzanalyse von Sächsischer Zeitung und Leipziger Volkszeitung. Das Ergebnis deckt sich weitgehend mit der Entwicklung, die sich in den offiziellen Daten des Statistischen Landesamts in Kamenz abzeichnet.

Demnach gab es bis Mitte Dezember in Sachsen rund 640 Insolvenzanträge oder -eröffnungen. Davon betroffen waren gut 7000 Beschäftigte. Die Pleiten verteilen sich annähernd gleich auf die drei Amtsgerichtsbezirke. Das Statistische Landesamt hat bislang nur die Zahlen bis Ende Juli erfasst und zählte bis dahin 480 Verfahren; binnen Jahresfrist entspricht dies einem Anstieg von etwas mehr als 16 Prozent.

Sachsen: Zwei große Krankenhäuser in Finanznöten

Die Wirtschaftskrise frisst sich mehr oder minder stark durch alle Branchen. Betroffen sind Traditionsbetriebe und Start-ups ebenso wie Mittelständler und international agierende Firmen. Besonders stark litten Anlagen- und Maschinenbauer, Autozulieferer, Baufirmen, Dienstleister, das Handwerk, metallverarbeitende Firmen sowie Speditionen. Auch Software- und Solarunternehmen blieben nicht verschont.

Zu den größten Insolvenzen des Jahres zählten zwei Krankenhäuser: die Erzgebirgsklinikum gGmbH in Annaberg-Buchholz mit rund 2500 Beschäftigten und die Pleißentalklinik in Werdau; Insolvenzpläne sichern jedoch deren Fortbestand. Die größte industrielle Pleite gab es bei den deutschen Ablegern des Schweizer Solarmodulherstellers Meyer Burger; in Sachsen traf es zwei Standorte mit 600 Beschäftigten.

Bekannte, teils auch traditionsreiche Namen stehen in diesem Jahr auf der Insolvenzliste. Das zeigt, wie sehr sich die Wirtschaftskrise zugespitzt hat: etwa Autohäuser wie Nitschke in Bautzen, das Autohaus Löbau und Zobjak in Dresden; Gaststätten wie das Hurvinek, Lingnerschloss oder die Villa Marie in Dresden, Herr Käthe in Torgau, der Thüringer Hof in Leipzig, die Gastrofabrik in Zwickau; das Hotel am Blauen Wunder in Dresden oder das Waldesruh im Erzgebirge.

Deutschlands ältestes Eisenwerk in Elterlein muss kämpfen, ebenso die Walzengießerei in Coswig oder das Stahl- und Hartgusswerk in Leipzig. In der Textilbranche traf es Damino in Großschönau, Thieme in Großröhrsdorf und die Plauener Seidenweberei. Arge Spuren hinterließ das Jahr auch in der Glasindustrie, etwa bei der Glashütte Freital, bei Doering Glas in Arnsdorf oder der Glastechnik Schneeberg. In der Druckbranche finden sich Namen wie die Graphischen Werkstätten Zittau oder SDV Medien in Dresden.

19 Pleiten bei der Gröner-Gruppe

Dem Leipziger Straßenbahnhersteller Heiterblick ging das Geld aus, dem Automobilzulieferer Digades in Zittau, dem Döbelner Anlagen- und Maschinenbauer DAMB (der den Antrag zwar zurückgenommen hat, inzwischen jedoch liquidiert wird) und auch der Leuchtenmanufaktur in Wurzen. Mit der Insolvenz der Dresdner Biofabrik beschäftigt sich die Staatsanwaltschaft und auch bei der Firmengruppe des Leipziger Immobilienunternehmers Christoph Gröner dürften noch manche Prozesse folgen: Allein 19 Insolvenzen entfielen in diesem Jahr auf den Zusammenbruch seines Unternehmenskonglomerats.

In den Statistiken nicht enthalten sind Werksschließungen, deren Muttergesellschaften ihren Sitz außerhalb von Sachsen haben. Dazu zählen das Glaswerk in Bernsdorf, das Ziegelwerk Eder in Freital oder das Bosch-Werk in Sebnitz. Auch davon sind mehrere Hundert Jobs betroffen.

SZ und LVZ werten regelmäßig die amtlichen Bekanntmachungen der für Insolvenzen zuständigen Amtsgerichte in Chemnitz, Dresden und Leipzig aus. Dabei werden Gesellschaften mit beschränkter Haftung, Aktien- und Kommanditgesellschaften sowie größere inhabergeführte Firmen erfasst.

Transparenzhinweis: In einer ersten Version haben wir nicht darauf hingewiesen, dass beim Anlagenbauer DAMB mit der Rücknahme des Insolvenzantrags zugleich dessen Liquidation eingeleitet wurde.

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