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Spender gesucht für „Ost-Ferrari“: Dresdner Verkehrsmuseum will einen Melkus RS 1000 erwerben

Die Familie Melkus unterstützt den Plan des Verkehrsmuseums. „Es macht uns stolz, dass alle Dresdner in der Dauerausstellung bald einen RS 1000 sehen können.“

Lesedauer: 5 Minuten

Peter (l.) und Sepp Melkus – Sohn und Enkel des Rennfahrers und Konstrukteurs Heinz Melkus – mit einem RS 1000 in der Weißiger Manufaktur. Quelle: Matthias Rietschel

Kay Haufe

Dresden. Flach wie eine Flunder, extrem leicht, geschwungene Kotflügel, markante Flügeltüren und insektenähnliche Scheinwerfer – der Melkus RS 1000 ist ein reinrassiger Rennwagen. Konstruiert und gebaut erstmals 1969 in Dresden – vom Rennfahrer Heinz Melkus. 1971 startete die Serienproduktion in der DDR, die Handarbeit war. 101 Stück wurden bis zur Wende gebaut.

Genau so ein Fahrzeug wollten die Verantwortlichen im Verkehrsmuseum Dresden schon lange bei sich ausstellen. Allein: Ein RS 1000 kostet rund 115.000 Euro. „Das hat unser Budget zum Ankauf leider nie hergegeben“, sagt Museums-Direktor Michael Vogt. Lediglich 5000 Euro pro Jahr stehen dem Haus dafür zur Verfügung. Und wer würde schon einen Melkus verschenken?

Stiftungen und Vereine geben Geld

Doch jetzt kommen einige glückliche Umstände zusammen. Im nächsten Jahr feiert das Verkehrsmuseum sein 75. Jubiläum.

Anfragen an die Kulturstiftung der Länder, die Sächsische Landesstelle für Museumswesen, die Hohmann-Stiftung und den Förderverein des Hauses, ob sie sich am Kauf des legendären DDR-Rennwagens beteiligen würden, verliefen erfolgreich. „Die Kulturstiftung hat den RS 1000 auch als Designobjekt gewürdigt“, sagt Vogt.

Michael Vogt ist der Direktor des Dresdner Verkehrsmuseums und hofft, dass neben dem EMW-Rennsportwagen hinter ihm ab 2027 ein Melkus RS 1000 stehen wird.
Michael Vogt ist der Direktor des Dresdner Verkehrsmuseums und hofft, dass neben dem EMW-Rennsportwagen hinter ihm ab 2027 ein Melkus RS 1000 stehen wird.
Quelle: marion doering

Inzwischen gibt es Zusagen von über 80.000 Euro. Der Förderverein will weitere 20.000 Euro dazugeben. Weil das aber noch nicht reicht, hat das Verkehrsmuseum auf der Crowdfunding-Plattform 99 Funken der Ostsächsischen Sparkasse einen Spendenaufruf gestartet.

Ziel ist es, bis zum 15. Mai 15.000 Euro online zu sammeln. Ist die Schwelle von 5000 Euro überschritten, möchte die Sparkasse 5000 Euro dazugeben. Das sollte zu schaffen sein. Bereits am 16. April 2026, Stand 13.40 Uhr, waren 4.063 Euro eingesammelt.

Enkel des Firmengründers stellt sein Fahrzeug zur Verfügung

Eine Hürde gab es jedoch noch zu überwinden: einen geeigneten RS 1000 zu finden, der möglichst noch im Originalzustand erhalten ist. Hier kommt Sepp Melkus ins Spiel, der Enkel des Firmengründers Heinz Melkus. Vogt hatte Kontakt zu ihm aufgenommen mit der Bitte um Unterstützung.

Sepp Melkus in einem RS 1000.
Sepp Melkus in einem RS 1000.
Quelle: Zofia Zikunova

„Es ist gar nicht so einfach, heute noch einen RS 1000 zu finden, an dem so wenig wie möglich verändert wurde“, sagt Sepp Melkus. Er kennt beinahe alle Besitzer und Fahrzeuge. Die Autos werden fast alle regelmäßig bei ihm gewartet.

Letztlich hat sich Melkus entschieden, seinen RS 1000 an das Museum zu verkaufen, den er vor vier Jahren von einem Sammler erworben hatte. „Das Fahrzeug stand die vergangenen 30 Jahre in einem privaten Museum in Belgien und ist unverbastelt. Ich habe die komplette Historie des Autos – also genau das, was gewollt war.“ Es ist die Nummer 31 der 101 in der DDR gebauten RS 1000. 1972 ist sein Entstehungsjahr.

Die Nummer 31 der 101 in der DDR gebauten RS 1000 wird ab 2027 im Verkehrsmuseum zu sehen sein.
Die Nummer 31 der 101 in der DDR gebauten RS 1000 wird ab 2027 im Verkehrsmuseum zu sehen sein.
Quelle: Verkehrsmuseum Dresden/Henriette Friede

Leicht fällt ihm die Trennung nicht. Aber Melkus will sich demnächst einen neuen RS 1000 bauen. Damit kennt er sich aus. Bereits seit 2006, damals noch mit seinem Vater Peter, baut der gelernte Karosserie- und Fahrzeugbauer den legendären DDR-Rennwagen wieder.

Nachfrage stieg ab den 2000er-Jahren wieder

Peter Melkus merkte ab den 2000er-Jahren, dass es wieder Interesse an der „Flunder“ gibt – nicht allein zur Restaurierung. „Ich wurde konkret angesprochen, ob wir nicht noch einen RS 1000 haben. Und da es die kaum noch gab, entschloss ich mich mit meinem Sohn, das Auto ab 2006 mit Originalteilen neu zu bauen.“

Originalteile, das heißt: die Materialien, die Heinz Melkus in der Mangelwirtschaft der DDR genutzt hat. Wer heute vor dem Auto steht, glaubt kaum, dass die Spiegel damals handelsübliche Fahrradlampen waren, deren Glas vom Lkw W50 ausgeschnitten wurde.

Sepp Melkus in der Weißiger Werkstatt beim Aufbau eines neuen RS 1000.
Sepp Melkus in der Weißiger Werkstatt beim Aufbau eines neuen RS 1000.
Quelle: Christian Juppe

Das Lenkrad stammt aus einem Motorboot. Motor und Getriebe kamen vom Wartburg 353, wurden aber für den Melkus mit einer Drei-Vergaser-Anlage speziell angepasst.

Wegweisend war zu jener Zeit, dass ein Großteil der Karosserieteile, außer den Türen und dem Dach, aus glasfaserverstärktem Polyester geformt war, womit die Rundungen überhaupt erst möglich wurden. Was verblüfft: Auch heute gibt es noch genügend Teile dafür. „In der DDR hortete man alles im Keller, um es gegen etwas anderes einzutauschen“, sagt Peter Melkus und lacht.

Man nennt ihn auch „Ost-Ferrari“: Dieser Rennwagen wurde in der DDR nur 101 Mal gebaut
Das Verkehrsmuseum Dresden möchte den seltenen Melkus RS 1000 (Spitzname: „Ost-Ferrari“) ausstellen. Videos: Kay Haufe und Sepp Melkus
Quelle: Kay Haufe, Angelina Sortino

Die Nachfrage nach dem RS 1000 ist ungebrochen. Bisher wurden etwa 75 neue Fahrzeuge gebaut. Derzeit stehen wieder vier Fahrzeuge in unterschiedlichem Ausbauzustand in der Manufaktur in Dresden-Weißig. Rund ein Jahr dauert es, bis die fünf Mitarbeiter ein Auto in Handarbeit fertiggestellt haben. Danach folgen noch Lackierung und Sattlerarbeiten für die Sitze.

Zu einer Ausfahrt trafen sich 2024 neuere und ältere Melkus-Sportwagen aus ganz Deutschland in Weißig.
Zu einer Ausfahrt trafen sich 2024 neuere und ältere Melkus-Sportwagen aus ganz Deutschland in Weißig.
Quelle: sächsische zeitung

Vogt kann sich noch erinnern, dass er etwa acht Jahre alt gewesen sein muss, als ihm sein Cousin aus Thüringen ein Foto vom RS 1000 gezeigt hat. „Ich dachte, der spinnt, als er mir sagte, dass dies ein DDR-Auto ist.“ So ging es vielen, die das Fahrzeug zum ersten Mal sahen.

Gern gehört: Ferrari des Ostens

Ferrari des Ostens wird der RS 1000 auch gern genannt – eine Bezeichnung, die Sepp Melkus gern hört. „Eine höhere Wertschätzung kann man doch als Kleinserienhersteller kaum bekommen.“

Dass der RS 1000 ab 2027 im Verkehrsmuseum ausgestellt werden soll, ist für ihn auch eine große Würdigung der jahrzehntelangen Familientradition. „Viele Dresdner wissen gar nicht, dass in ihrer Stadt Rennwagen gebaut werden. Mit der Ausstellung wird das Auto einer breiten Bevölkerung zugänglich. Es macht uns stolz, dass alle Dresdner in der Dauerausstellung bald einen RS 1000 sehen können.“

In der nächsten Woche wird für das Automagazin „Grip“ vom Fernsehsender RTL 2 in der Weißiger Manufaktur gedreht. Dann entstehen auch Aufnahmen vom RS 1000 auf der Rennstrecke Lausitzring.

Spenden sind möglich auf www.99funken.de/spendenaufruf-melkus-rs-1000

SZ

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