Suche
Suche

Wie die Volksbank Niederschlesien zum besten Ausbilder 2025 wurde

In einer Umfrage des Handelsblattes landete das Unternehmen auf Platz eins bei Betrieben mit weniger als 100 Beschäftigten – deutschlandweit. Vorstand Sven Fiedler erklärt das Erfolgsrezept.

Lesedauer: 3 Minuten

Matthias Klaus

Görlitz. Mit Umfragen kennt Sven Fiedler sich aus. Des Öfteren wird der Vorstand der Volksbank Raiffeisenbank Niederschlesien damit konfrontiert. Online flattern die Anfragen herein. „Meistens geht es dabei um die Zufriedenheit von Kunden, die Beratung“, sagt Sven Fiedler. Die Volksbank beteiligt sich auch rege an den Befragungen. „Man kann nur lernen, sehen, wie Wettbewerber die Dinge angehen, was sie vielleicht anders machen. Wir wollen uns ja kontinuierlich verbessern“, so der Volksbank-Vorstand.

Auf die Ergebnisse der jüngsten Umfrage, eine Analyse des Sozialwissenschaftlichen Institutes Schad (SWI) Hamburg im Auftrag des Handelsblattes, ist er sicherlich zu Recht stolz. Denn die Volksbank Niederschlesien wurde als bester Ausbilder in der Kategorie Unternehmen unter 100 Beschäftigten ausgezeichnet, deutschlandweit wohlgemerkt. „Das zeigt, was in der Region geht – auch am Ende des Landkreisrankings“, kommentiert es Sven Fiedler mit Blick auf eine andere Studie.

Viele Azubis mit Oberschul-Abschluss

Dabei, so zeigt es die SWI-Umfrage, werden Unternehmen bei der Gewinnung von Azubis vor Herausforderungen gestellt. Demnach haben 83 Prozent der befragten Betriebe dem Nachwuchs verschlechterte Fähigkeiten im Vergleich zu den Vorjahren attestiert. 58 Prozent stellen zum Beispiel zunehmende Konzentrationsschwächen fest, 43 Prozent nachlassende Leistungsbereitschaft.

Ja, sagt Sven Fiedler, die Situation habe sich geändert. „Vor 30 Jahren hatten wir einen Anteil von etwa 80 Prozent an Bewerbern mit Abitur“, sagt er. Dieses Verhältnis habe sich inzwischen stark verschoben. Wer heute ein Abi hat, geht studieren. Heute bewerben sich viele junge Leute mit einem Oberschul-Abschluss, schildert Sven Fiedler. In den vergangenen Jahren habe es sich dabei um rund 80 Prozent gehandelt – wie eben früher die Abiturientenquote.

Auf grundlegende Dinge kommt es an

Der Volksbank-Vorstand sieht dabei ein Problem: „Wenn sie in die Berufsschule kommen, gehen sowohl Abiturienten als auch Azubis mit Oberschul-Abschluss in eine Klasse. Da kann es natürlich passieren, dass diejenigen von der Oberschule, die auch zwei Jahre jünger sind, etwas andere Noten bekommen. Dabei sind sie für uns als Azubis auf gar keinen Fall schlechter geeignet“, stellt er klar.

Ihm komme es darauf an, so Sven Fiedler, dass „seine“ Azubis grundlegende Dinge beherrschen: Deutsch, Mathe.

Es kommt nicht darauf an, ob Azubis eine Kurvendiskussion erklären oder Goethes Faust interpretieren können. Das ist für uns als Bank nicht wichtig. – Sven Fiedler, Vorstand Volksbank Raiffeisenbank Niederschlesien

„Es kommt nicht darauf an, ob Azubis eine Kurvendiskussion erklären oder Goethes Faust interpretieren können. Das ist für uns als Bank nicht wichtig“, sagt er. Wichtig seinen vor allem Dinge wie lösungsorientiertes Arbeiten, Grundlagen in Mathe, Kundenfreundlichkeit, der gute Kontakt zu den Kollegen, Kenntnisse der Region.

86 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hat die Volksbank Niederschlesien derzeit, elf davon sind Azubis. Knapp sieben Prozent der Belegschaft gehen in den nächsten Jahren in den Ruhestand. Kein Wunder also, dass die Volksbank an Nachwuchsgewinnung interessiert ist. Probleme, ausreichend Bewerber zu finden, habe es bisher nicht gegeben. Über 80 Prozent der Azubis bleiben nach der Ausbildung bei der hiesigen Volksbank. Von fünf Bereichsleitern haben drei bei dem Unternehmen ihre Ausbildung gemacht.

Abbrecherquote liegt fast bei null

„Wir investieren viel in Qualifizierungsprogramme, die neben der Ausbildung an der Berufsschule laufen“, sagt Sven Fiedler. Wer zum Beispiel nach der Ausbildung noch studieren möchte, bekomme Unterstützung. Zudem wurde die Zahl der Ausbildungsverantwortlichen aufgestockt. Statt einem wie noch vor Jahren sind es jetzt zehn. Die Abbrecherquote bei den Azubis gehe nahezu gegen null. „Und Bewerber, die schon ihren Ausbildungsvertrag haben und dann nicht antreten – das kennen wir nicht“, sagt Sven Fiedler.

Die Azubis bei der Volksbank werden zudem in Mitarbeiter-Befragungen eingebunden. „Sie geben uns viele Hinweise, was wir besser machen können“, so der Volksbank-Vorstand. Sven Fiedler führt mit jedem der Azubis ein Zweiergespräch in jedem Jahr. Motto: Was würden Sie an der Bank verändern?

Vier neue Azubis seit Monatsanfang

Am 1. August haben vier neue Azubis bei der Volksbank Niederschlesien angefangen. „Wichtig ist uns, dass sie sich mit den anderen Azubis aus den höheren Jahren gut verstehen, sich von ihnen Tipps geben lassen“, so Sven Fiedler. Das beträfe vor allem die Berufsschule. Früher war die in Görlitz angesiedelt, später in Bautzen, nun in Dresden.

„Für Minderjährige ist das natürlich schon ein Thema. Wer aus Görlitz kommt, für den ist die Fahrt nicht so kompliziert, wer aus Orten wie Oybin oder Schleife kommt schon“, weiß Sven Fiedler. Die Fahrt müsse dann organisiert werden, sei es über Mitfahrgelegenheiten oder den Nahverkehr. Zwar gibt es Internatsplätze. „Aber viele möchten dann doch lieber am selben Tag wieder nach Hause“, sagt er.

Nicht alles ist eben nett in der Ausbildung, so Sven Fiedler, weder für die Azubis selbst noch für die Ausbilder. „Wichtig ist, dass sie die Schulde ordentlich meistern. Es muss am Ende nicht immer eine Eins auf dem Zeugnis stehen. Und: Die künftigen Bankmitarbeiter müssen mit den Kunden und mit den Kollegen gut klarkommen. Wir brauchen Leute, die sich untereinander austauschen können, einfach miteinander reden.“

SZ

Das könnte Sie auch interessieren: