Dresden. Elisa Röhr wurde Ende November als Sachsens beste Gründerin 2025 in der Kategorie Wachstum ausgezeichnet. Sie ist Geschäftsführerin von 1mal1japan, einem Onlineanbieter für japanische Lebensmittel und Kochboxen. 400.000 Nutzer und Nutzerinnen gehen pro Monat auf ihre Internetseite, die sich zur führenden Plattform für japanische Küche im deutschsprachigen Raum entwickelt hat.
Wo früher Textilien für die DDR-Boutiquen versandt wurden, sitzen jetzt ihre fünf Mitarbeiter unterm Dach eines alten Gewerbehofs in Dresden und packen täglich Hunderte von Kartons mit japanischem Mehl, Dashi-Brühe, Algenblättern und vielem mehr. 2019 startete sie mit 50 Bestellungen im Monat. 2025 waren es im Durchschnitt rund 5000.
In diesem Dezember wird ein Rekord von 7500 Bestellungen erreicht. 60 Prozent werden inzwischen über Amazon versendet. „Ich packe nur noch im Dezember mit, weil kurz vor Weihnachten absolute Hochsaison ist, da unsere Kochboxen auf Amazon unter Geschenkartikel laufen“, sagt Röhr und entschuldigt sich, dass sie im Wollpullover und Jeans zum Gespräch gekommen ist.

Quelle: SZ/Veit Hengst
Dabei hatte die gebürtige Mecklenburg-Vorpommerin, die es zum Master-Studium nach Dresden verschlug, ursprünglich gar nicht vor, ein Unternehmen zu gründen. Alles fing mit einer Internetseite an, die ihr Mann Nino ihr 2016 zur Hochzeit schenkte. In den Flitterwochen ging es nach Japan.
Seitdem ist das Ehepaar Röhr immer wieder dorthin geflogen. Sie schrieb nach Feierabend in ihrem Blog über Kultur und Rezepte. Irgendwann blieben nur noch die Rezepte übrig, „denn wir kochen selbst leidenschaftlich gern und reisen in andere Länder eigentlich immer nur wegen der Küche“, sagt die 35-Jährige.
Starke Kundennachfrage seit der Corona-Pandemie
Nach der Geburt ihres ersten Sohns 2019 fing sie an, in der Elternzeit nicht nur Kocherfahrungen zu teilen, sondern auch die passenden Produkte. Im Schlafzimmer stapelten sich die Pakete. Ihr Mann, damals wissenschaftlicher Mitarbeiter an der TU Dresden, nahm sie mit zur Post, wenn er nach der Mittagspause zurück ins Büro fuhr.
Während der Corona-Pandemie stieg die Nachfrage rasant an. Das Schlafzimmer reichte nicht mehr aus. Elisa Röhr gründete in ihrer zweiten Elternzeit im März 2021 ihr Unternehmen. Als Wirtschaftsingenieure kennen sie und ihr Mann sich gut mit Zahlen aus. Die üblichen Existenzgründer-Seminare mussten sie nicht besuchen.

Quelle: Sebastian Willnow
Nino Röhr kümmert sich inzwischen in Vollzeit um das Kaufmännische. Elisa, die in ihrem früheren Berufsleben bei Vorwerk Podemus im Management und am Lehrstuhl für Marketing an der TU Dresden arbeitete, ist für Marketing und Vertrieb zuständig.
Warum ist 1mal1japan so erfolgreich? Die Jungunternehmerin meint selbst, dass sie nicht die billigste Anbieterin am Markt sei. Ihre Kochboxen kosten bei Amazon zwischen 25 und 130 Euro, dann aber mit Grill.
Wir liefern super schnell und in guter Qualität. Die Boxen sind persönlich und liebevoll gepackt. Dadurch können wir etwas teuer sein. – Elisa Röhr, Gründerin und Inhaberin der 1mal1japan GmbH
Wer direkt im eigenen Onlineshop ordert, kann einige Euro sparen. „Wir liefern super schnell und in guter Qualität. Die Boxen sind persönlich und liebevoll gepackt. Dadurch können wir etwas teuer sein“, heißt es selbstbewusst.
Das Geheimnis des Erfolgs liegt in der Einfachheit. „Ich will das Kochen nicht verkomplizieren“, sagt sie. Jedes Rezept sei getestet, jeder Arbeitsschritt mit Bildern dargestellt, und die sind nicht geschönt. Elisa Röhr hat viele Stammkunden, die ihr gern nachkochen. Wenn etwas nicht gelingt, dann wird sie auf Fehler hingewiesen. Sie lässt keine Nachricht unbeantwortet.
Eigenmarke Fujiman mit zwölf Produkten in Sachsen hergestellt
Das Sortiment ist mit 100 Produkten klein und übersichtlich. Die Kunden von 1mal1japan müssen nicht vor einem virtuellen Supermarktregal voller verschiedener Soja-Saucen stehen. Es gibt für jedes Produkt nur eine Sorte. Die Waren werden über einen niederländischen Großhändler aus Japan bezogen. Direkt importieren geht nicht, weil das Unternehmen dann als Lebensmittelhersteller gelten und damit noch höheren Regulierungen unterliegen würde.
Denn schon jetzt machen der Unternehmerin vor allem die vielen bürokratischen Vorschriften zu schaffen. Gefragt nach den größten Herausforderungen beim Aufbau der Firma, kommt sofort „das Veterinäramt“. Am alten Standort fehlte die „Frischwasserzufuhr“. Auch wenn die Lebensmittel verpackt sind, könnten sie ja auslaufen. Das Einhalten aller Regeln war mit einem kompletten Umzug verbunden.
Um Gleichgewicht von Familie und Firma
Elisa Röhr meisterte auch die Hürde, als die EU den Import von Waren mit tierischen Inhalten aus Drittstaaten verbot. Kurzerhand gründete sie die Eigenmarke Fujiman, unter der sie inzwischen zwölf Produkte nach japanischer Rezeptur herstellen lässt wie koreanisches Chili oder Okonomiyaki-Mehl. Das kommt von einem Lieferanten aus Freital. Vorteil ist, dass in dem Mehl keine Zusatzstoffe wie Glutamat sind.
1mal1japan schreibt schwarze Zahlen. Der Auftritt auf Amazon hat das Wachstum kräftig beschleunigt. Elisa Röhr will die Märkte in Polen, Tschechien und Italien erobern. Große Wachstumsziele nimmt sie sich jedoch nicht vor. Als Mutter von zwei Söhnen, vier und sechs Jahre alt, und ohne Verwandtschaft vor Ort, bemüht sie sich um ein Gleichgewicht von Familie und Firma. 35 Stunden in der Woche im Büro müssen reichen. Dennoch gibt es Pläne für 2026. Vielleicht gibt es bald auf 1mal1japan auch Kochboxen für die thailändische Küche zu bestellen.
SZ


