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So plant Volkswagen den Umbau der Gläsernen Manufaktur in Dresden

Am 16. Dezember wird das letzte Auto in der Gläsernen Manufaktur in Dresden gebaut. Das VW-Management garantiert die Beschäftigungssicherung bis 2030 und macht Wechselangebote nach Chemnitz und auch Wolfsburg.

Lesedauer: 3 Minuten

VW-Mitarbeiter Heiko Lehmann setzt seine Unterschrift auf die Karosserie des letzten, in der Gläsernen Manufaktur gebauten VW ID.3 - ein historischer Moment Quelle: SZ/Veit Hengst

Nora Miethke

Dresden. Die meisten der 230 Beschäftigten in der Gläsernen Manufaktur von Volkswagen (VW) überraschte nicht, was der VW-Markenvorstandschef Thomas Schäfer ihnen am Donnerstag auf der Betriebsversammlung mitteilte: Am 16. Dezember wird das letzte Fahrzeug in Dresden gebaut werden. Die Fertigung läuft nach 20 Jahren zum Jahresende endgültig aus. Die im Tarifvertrag festgelegte Beschäftigungssicherung ist bis zum Jahr 2030 garantiert.

Enttäuscht waren sie darüber, was sie nicht zu hören bekamen. „Der Vorstand hat uns nicht gesagt, was mit uns mal wird. Die Beschäftigungssicherung ist nicht mit Arbeit hinterlegt”, sagt etwa Steffen Schekorr. Er arbeitet seit fast 25 Jahren in der Fertigung. Den Betroffenen werden Wechselangebote nach Chemnitz und Zwickau gemacht, auch unbefristete Stellen in Wolfsburg angeboten, verbunden mit einer „Wechselprämie“.

Thomas Schäfer reiste sofort ab, während sich die Gesamtbetriebsratsvorsitzende des VW-Konzerns, Daniela Cavallo, den Fragen der Presse stellte. „Im Gegensatz zu anderen Unternehmen, die in dieser schwierigen Phase der Automobilindustrie Standorte schließen und Kündigungen aussprechen, gehen wir bei Volkswagen diesen Weg nicht“, sagte Cavallo. Das sei eine gute Nachricht. Der Betriebsrat werde einfordern, dass bald Klarheit über die künftigen Aufgaben für jeden Einzelnen herrscht. Nach aktuellem Stand ist das für rund 60 bis 70 Beschäftigte unklar.

Pressetermin nach der Betriebsversammlung in der Gläsernen Manufaktur.
Pressetermin nach der Betriebsversammlung in der Gläsernen Manufaktur.
Quelle: SZ/Veit Hengst

Volkswagen will seinen kleinsten Standort gemeinsam mit dem Freistaat Sachsen und der Technischen Universität Dresden (TUD) in einen Innovationscampus für zentrale Technologiefelder umwandeln. Dazu wurde eine Absichtserklärung unterzeichnet. Darüber hinaus soll die Manufaktur als Auslieferungs- und Forschungszentrum rund um das autonome Fahren sowie Erlebniswelt erhalten bleiben.

Die Absichtserklärung sieht vor, dass VW der TU Dresden 24.500 Quadratmeter Fläche vermietet. Insgesamt wollen beide Partner mehr als 50 Millionen Euro in Forschung, Technologieentwicklung und vier neue Stiftungsprofessuren investieren. Der Freistaat wird insgesamt 27,5 Millionen Euro Mietzahlungen leisten. Nach Angaben von Professor Andreas Pinkwart als Vertreter der TU Dresden werde die Universität mit zwei Exzellenzclustern zu den Themen Mikroelektronik und Neue Materialien einziehen. Auch soll die Startup-Factory BoOst – eine Gründerschmiede für Firmen mit hochkomplexen, technologischen Geschäftsideen – ihren Sitz in der Manufaktur bekommen.

Die Pläne für die Zukunft der Gläsernen Manufaktur in Dresden stehen.
Die Pläne für die Zukunft der Gläsernen Manufaktur in Dresden stehen.
Quelle: SZ/Veit Hengst

„Das haucht der Gläsernen Manufaktur neues Leben ein, verjüngt und internationalisiert sie“, pries Thomas Edig, Personalverstand von VW Sachsen, die Lösung. Für ihn habe der Standort jetzt das Potenzial, „das Stanford des Ostens in Deutschland zu werden“. Die Stanford-Universität in Kalifornien hat großen Einfluss auf die Entwicklung des Silicon Valley, weil durch die Zusammenarbeit zwischen Universität und Industrie ein weltweit anerkanntes Innovationssystem entstanden ist. Wer die notwendigen Umbaukosten trägt, wurde nicht beantwortet.

Im Gegensatz zu anderen Unternehmen, die in dieser schwierigen Phase der Automobilindustrie Standorte schließen und Kündigungen aussprechen, gehen wir bei Volkswagen diesen Weg nicht. – Daniela Cavallo, Konzernbetriebsratsvorsitzende der Volkswagen AG

Auch Auto-Experte Ferdinand Dudenhöffer spricht von einer „guten Lösung“. „Dass VW dort keine Autos mehr baut, ist nachvollziehbar. VW hätte auch ein Museum daraus machen können, aber das wäre nicht lebendig gewesen. Es ist gut, dass Professoren und junge Leute in diesem schönen Gebäude an Zukunftsthemen arbeiten, die die Gesellschaft weiterbringen“, sagt der emeritierte Wirtschaftsprofessor gegenüber der AZ/WAZ-Redaktion.

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer, der das Zukunftskonzept maßgeblich mit verhandelt hat, betont: „Die Kooperation zwischen VW und dem Freistaat markiert einen Wendepunkt für den Industriestandort Sachsen. Der Übergang nach fast 25 Jahren Fahrzeugproduktion sei ein „Einschnitt“, aber „kein Abschied von industrieller Wertschöpfung“, ist sich der CDU-Politiker sicher.

SZ

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