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Wie Tschechien zum Chip-Standort werden will

Das Nachbarland will von den Ansiedlungen in Sachsen profitieren. Die Regierung hat eine nationale Halbleiterstrategie verabschiedet. Das sind die Kernpunkte.

Lesedauer: 2 Minuten

Ivona Valhova, Generalkonsulin der Tschechischen Republik für Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen, erläuterte am 26. November 2025 im Industrieclub Sachsen in Dresden die Halbleiterstrategie ihres Landes. Quelle: Juergen Loesel

Nora Miethke

Dresden. Die Strahlkraft der TSMC-Entscheidung für Sachsen wollen auch weitere Regionen nutzen, um für sich als Halbleiterstandort zu werben. Wer das sehr engagiert macht, ist Tschechien.

Das Nachbarland strebt mit klarer Strategie, großen Investitionen und strukturierten Maßnahmen den Aufstieg zum Chipstandort an — sowohl in Fertigung als auch in Forschung und Design.

Sachsen und Tschechien verbindet die gemeinsame Vision, den Wandel zu modernen Technologien zu meistern. – Ivona Vlahova, Generalkonsulin der Tschechischen Republik für Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen

Das machte Ivona Valhova, Generalkonsulin der Tschechischen Republik für Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen, bei ihrem Vortrag Ende November im Industrieclub Sachsen deutlich.

„Sachsen und Tschechien verbindet die gemeinsame Vision, den Wandel zu modernen Technologien zu meistern“, sagte Valhova in Dresden. Dabei sei das Potenzial noch nicht ausgeschöpft. Die Bedeutung der Halbleiterindustrie werde weiterwachsen, und da wolle man partizipieren.

Lange Tradition in der Mikroelektronik

Was hat Tschechien zu bieten? Viele Menschen würden nicht wissen, dass das kleine Land mit fast elf Millionen Einwohnern eine lange Mikroelektronik-Tradition habe, ähnlich wie Sachsen, betonte die Diplomatin. Ende der 1950er-Jahre seien in Prag Aktivitäten rund um das Design von Mikrochips wie auch die Chipproduktion gestartet. An diese Tradition soll nun angeknüpft werden.

Im vergangenen Jahr verabschiedete die tschechische Regierung eine nationale Halbleiterstrategie. Das Ziel: Exporte, Produktionskapazität und Zahl der Beschäftigten bis 2029 zu verdreifachen. Parallel dazu will Tschechien insgesamt rund 9000 Fachkräfte für die Halbleiterindustrie ausbilden und gewinnen. Auch die Stärkung von Forschung und Entwicklung wie die Förderung von Start-ups steht auf der Agenda. So will das Land nicht nur Produktionsstandort werden, sondern eine starke, eigenständige Wertschöpfungskette rund um Halbleiter aufbauen — von Forschung über Design bis zur Fertigung.

US-Chiphersteller Onsemi investiert 1,6 Milliarden Euro

Und man fange nicht bei null an. Das Mikroelektronikcluster umfasst laut Valhova derzeit 40 Mitglieder. Eines der wichtigsten ist der US-amerikanische Halbleiterhersteller Onsemi. Er hat im Juni angekündigt, umgerechnet 1,64 Milliarden Euro in ein neues Werk in Roznov zu investieren – die größte ausländische Investition in der jüngeren Geschichte Tschechiens. Im November hat die Europäische Kommission den Plan der Tschechischen Republik genehmigt, den Bau mit 450 Millionen Euro an Subventionen zu unterstützen.

80 Firmen wurden identifiziert, die technische Gase, Chemikalien und Maschinen liefern könnten, die Hälfte davon in tschechischer Hand. Es wurde ein Institut für Halbleiterdesign eingerichtet. Mit taiwanesischer Hilfe wurden neue Studiengänge gestartet. Dies alles könnte positive Effekte für die gesamte Region haben und die Zusammenarbeit mit Sachsen vertiefen, ist sich Valhova sicher. Eine Initiative sei zum Beispiel, in der Grenzregion gemeinsame Ausbildungsangebote zu schaffen, finanziert mit europäischen Fördermitteln.

Sachsen und Tschechien ziehen an einem Strang

Unter den Gästen im Industrieclub war auch Thomas Horn, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Sachsen. Er bestätigt, dass beide Regionen in der europäischen Mikroelektronik-Allianz an einem Strang ziehen. Derzeit wird über den EU-Chips-Act 2 verhandelt.

Da würden sich Sachsen und Tschechien gemeinsam dafür einsetzen, dass der Anwendungsbereich erweitert werden muss, so Horn. In Zukunft sollten auch Projekte zu Chipdesign oder neuen Materialien förderfähig sein, ist zum Beispiel eine Forderung. Der neue EU-Chips-Act soll ab 2028 gelten.

Tschechien wirbt stark um taiwanische und japanische Zulieferer, die TSMC nach Europa folgen wollen. Horn sieht das gelassen. Viele von ihnen würden jetzt realisieren, dass sie eine deutsche Niederlassung benötigen, wenn sie das Werk von ESMC in Dresden beliefern wollen. Auch der Lohnkostenvorteil Tschechiens schmelze dahin. Aber er ist sich sicher, dass auch Polen und Tschechien von der Ansiedlung in Dresden profitieren werden. Schon angefangen damit, dass es in Tschechien Schweißer gibt, die jetzt auf der Baustelle von ESMC dringend gebraucht werden.

SZ

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