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Der Erzbergbau in Sachsen steht vor einem Comeback – aber der Weg dahin ist steinig

Europa will seine Abhängigkeit von kritischen Rohstoffen verringern. Damit rücken die Metallvorkommen im Erzgebirge in den Fokus zahlreicher Unternehmen. Doch der Weg bis zum Bergwerk ist lang und teuer.

Lesedauer: 2 Minuten

Sachsens Oberberghauptmann Bernhard Cramer sieht den Erzbergbau vor einem Comeback. Quelle: Jörg Richter


Andreas Dunte

Dresden/Leipzig. Nach der Wende kam der Erzbergbau in Ost- und Westdeutschland komplett zum Erliegen. Jetzt steht er nach Angaben des Sächsischen Oberbergamtes in Freiberg in Sachsen vor einem Comeback. Das hängt mit gestiegenen Preisen für Lithium, Zinn, Kupfer oder Seltenen Erden zusammen – und damit, dass sich Europa unabhängiger von Importen dieser für die heimische Industrie so wichtigen Rohstoffe machen will.

Ob in der Automobilproduktion, beim Bau von Windkraftanlagen oder angesichts der fortschreitenden Digitalisierung – Deutschland und andere europäische Länder sind hungrig nach den unter Tage lagernden Schätzen. Derzeit dominiert China bei Abbau und Export. Deshalb will die EU die Importabhängigkeit verringern. Bis 2030 soll mehr Verarbeitung und Recycling von kritischen Rohstoffen in Europa erfolgen. Außerdem will Brüssel, dass zehn Prozent des Verbrauchs aus heimischen Bergwerken kommen.

Investoren kommen zumeist aus dem Ausland

Gelingen kann das, wenn sich ausreichend Unternehmen finden, die das Risiko des Abbaus eingehen, meint Bernhard Cramer, Leiter des Oberbergamtes. Denn die Anfangsinvestitionen für ein Bergwerk seien erheblich. „Da reden wir von einem zwei- bis dreistelligen Millionenbetrag, der vorliegen muss, damit das Unternehmen mit dem eigentlichen Bergbauprojekt beginnen kann. Bis man diese Anfangsinvestition wieder erwirtschaftet hat, dauert es sehr lange.“

Wegen des hierzulande fehlenden Risikokapitals kommen die Investoren im Erzgebirge zumeist aus dem Ausland. Es sind laut Cramer oft kleinere Unternehmen, die an internationalen Börsen Geld einwerben, um die Projekte voranzutreiben.

EU-weit ist Sachsen eines der Fokusgebiete

Offensichtlich mit Erfolg, denn seit 2006 beläuft sich die Zahl der Erkundungsvorhaben auf neuen Erzbergbau im Freistaat auf insgesamt 88. „Das ist extrem viel“, sagt Cramer. „Im europäischen Maßstab ist Sachsen damit eines der Fokusgebiete für neuen Bergbau auf kritische Rohstoffe in der EU.“ Von den in Sachsen beantragten Erkundungsprojekten sind derzeit noch 26 aktiv. Sieben weitere Vorhaben haben bereits ein Recht auf bergbauliche Rohstoffgewinnung.

Eine Faustregel sagt: Auf rund einhundert Erkundungsprojekte kommt ein neues Bergwerk. – Bernhard Cramer, Oberbergamt Freiberg

Doch der Weg bis zum eigentlichen Bergwerk ist lang und steinig. „Eine Faustregel sagt: Auf rund einhundert Erkundungsprojekte kommt ein neues Bergwerk“, so Oberberghauptmann Cramer. Bislang gibt es in Sachsen mit dem Abbau in Niederschlag bei Oberwiesenthal nur ein aktives Erzbergwerk. Seit 2013 werden dort Fluss- und Schwerspat gefördert.

Einige Vorhaben sind schon weit, aber noch nicht am Ziel, etwa das in Pöhla bei Schwarzenberg, wo unter anderem Wolfram und Zinn abgebaut werden sollen. Zwar hat das Oberbergamt den Betrieb eines neuen Bergwerkes mit Planfeststellungsbeschluss zugelassen, aber ein Antrag auf konkrete bergbauliche Aktivitäten sei noch nicht gestellt worden, wie das Amt mitteilt.

Ähnlich sieht es bei dem Vorhaben der Firma Zinnwald Lithium aus, die im Bereich Altenberg Lithiumerz zutage bringen und verarbeiten will. Dafür liegt noch keine Genehmigung der Bergbehörde vor.

Bürgerinitiativen fühlen sich bestätigt

Allerdings hat die Landesdirektion Sachsen für das Vorhaben jetzt die Raumverträglichkeitsprüfung abgeschlossen. Aus Sicht mehrerer Bürgerinitiativen hat die Behörde das hohe Konfliktpotenzial etwa für Natur, Tourismus und Verkehr erkannt. Die Genehmigung ist an mehrere Auflagen geknüpft. Grundsätzlich dürfe das Vorhaben, wie die Landesdirektion erklärt, die staatlich anerkannten Kur- und Erholungsorte in ihrer jeweiligen Funktion nicht beeinträchtigen. So empfiehlt sie beispielsweise statt oberirdischer Lkw-Transporte den Bau eines Fördertunnels vom Bergwerk in Zinnwald zur Aufbereitungsanlage im Ortsteil Liebenau.

Da Bergbau per se immer einen Eingriff in die Umwelt darstellt, seien „starke, sachlich engagierte Bürgerinitiativen“ zu begrüßen, meint der Chef vom Oberbergamt. „Dass sich Betroffene gut organisieren, kommunizieren und gemeinsam sachlich Standpunkte vorbringen, kann in Genehmigungsverfahren ein großer Vorteil sein. Die betroffenen Bürger stehen ja Unternehmen und Verwaltungen gegenüber, die das jeden Tag machen.“ Zinnwald Lithium geht nach eigener Aussage von einer Genehmigung des Vorhabens aus, rechnet aber nicht mit einer Förderung vor 2030.

SZ

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