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Kohleausstieg: Grüne Liga fordert früheres Ende für Tagebau Nochten

Bis 2038 soll bei Weißwasser noch Kohle gefördert werden. So sieht der politisch beschlossene Kohleausstieg aus. Doch die Leag schließt den Tagebau Welzow früher als geplant, weil sich der Kohleabbau nicht mehr rechnet. Die Grüne Liga fordert nun einen ähnlichen Schritt für Nochten.

Lesedauer: 2 Minuten

Im ehemaligen Tagebau Jänschwalde wurde jetzt eine F-60-Förderbrücke gesprengt. Seit 2023 wird hier keine Kohle mehr gefördert. Auch die anderen Lausitzer Tagebaue werden bis 2038 geschlossen. Quelle: Andreas Friese/dpa

Sebastian Beutler und Monika Wendel

Welzow/Weißwasser. Die Umweltbewegung Grüne Liga lässt nicht locker bei ihrem Versuch, den Kohleabbau im Tagebau Nochten zu verkürzen. Nach dem beschlossenen Kohleausstieg wird in dem Tagebau bei Weißwasser (Kreis Görlitz) bis 2038 Braunkohle zur Verstromung gefördert. Nochten wird der letzte Tagebau in Deutschland sein, der geschlossen wird.

Leag will Tagebau Nochten noch erweitern

Doch damit findet sich die Grüne Liga in Cottbus nicht ab. „Bereits bei moderaten Änderungen gegenüber der Leag-Einsatzplanung und unter Beachtung der verschiedenen Kohlequalitäten ist ein Abbau des Teilfeldes Mühlrose energiepolitisch nicht notwendig“, sagt René Schuster, Vertreter der Umweltverbände im Braunkohlenausschuss des Landes Brandenburg und Sprecher der Grünen Liga in Cottbus.

Derzeit läuft ein bergbaurechtliches Verfahren, damit auch die Kohle unter dem früheren Ort Mühlrose abgebaggert werden kann. Die Einwohner sind bereits umgesiedelt worden, als Letztes wird der Friedhof verlegt.

Zuletzt hatten die Auseinandersetzungen zwischen einem Waldbesitzer und der Leag für Schlagzeilen gesorgt. Der Besitzer eines Waldstücks wollte sich nicht enteignen lassen, damit die Bäume gerodet und die darunter liegende Kohle gefördert werden kann. Das Oberverwaltungsgericht Bautzen stoppte die Enteignung nicht, die Eigentümer wollten dagegen Verfassungsbeschwerde einlegen. Derweil begannen die Rodungsarbeiten in dem Wäldchen.

Leag schließt Tagebau Welzow-Süd früher als geplant

Dennoch sieht die Grüne Liga gute Chancen für ihren Vorstoß. So hatte die Leag im Januar bereits erklärt, den Tagebau Welzow-Süd früher als bislang vereinbart zu schließen. Nur noch bis 2030 soll hier Kohle abgebaut werden, ursprünglich lautete das Schließungsdatum 2033. Nach einem Bericht des Rundfunksenders RBB reagiere die Leag damit auf massive Änderungen im Strommarkt. Durch den hohen Anteil alternativer Energien lohne sich die Kohleförderung nicht mehr. Die Welzower Kohle wird im Kraftwerk Jänschwalde sowie in der Brikettfabrik Schwarze-Pumpe verarbeitet.

Die Grüne Liga kritisiert, dass die Leag mit den Tagebauen Welzow-Süd und Reichwalde nun die zuerst genehmigten Tagebaue verkleinert, während sie Nochten noch ausweiten will. René Schuster fordert, dass das Umdenken bei der Leag auch beim „Tagebau Nochten weitergehen müsse, um Klima- und Tagebaufolgeschäden in Grenzen zu halten“.

Sprengung einer Förderbrücke in Jänschwalde

Derweil geht der Kohleausstieg in der Lausitz weiter. Im Tagebau Jänschwalde wurde jetzt eine legendäre F60-Brücke gesprengt. Die Abraumförderbrücke F60 war mehr als 45 Jahre zur Produktion von Strom und Wärme im nahe gelegenen Kraftwerk in Betrieb.

„Das Ziel dieses Standortes war immer, für Millionen von Menschen und auch für den Industriestandort Deutschland die Energieversorgung sicherzustellen“, sagte der Leag-Vorstandsvorsitzende Adi Roesch. Er bezeichnete den Stahlkoloss als Meisterwerk der Ingenieurkunst.

Nach Angaben des Unternehmens hatte die F60 eine Dimension von insgesamt 500 Metern Länge und 80 Metern Höhe. Sie zählt zu den größten mobilen Technikanlagen der Welt. Weitere Förderbrücken dieses Typs sind in anderen Tagebauen noch im Einsatz.

In Jänschwalde ist bereits seit Ende 2023 Schluss mit der Kohleförderung. In Lichterfeld, nordwestlich von Senftenberg, steht eine solche Abraumförderbrücke F60 in einem Besucherbergwerk und kann besichtigt werden. (mit dpa)

SZ

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