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Köpping: Sachsen „kein Vorbild“ bei Lohnunterschieden zwischen Frauen und Männern

Am 27.02. ist Equal Pay Day in Deutschland. Der Aktionstag soll auf ungerechte Lohnlücken zwischen den Geschlechtern aufmerksam machen. In Sachsen sind Gehaltsdifferenzen im Schnitt mit sechs Prozent recht niedrig. Zurücklehnen kann man sich deshalb nicht.

Lesedauer: 3 Minuten

Ein Mann (links) und eine Frau in Dresden halten gestapelte Zwei-Euro-Münzen zwischen Daumen und Zeigefinger. Die Lohnlücke in Sachsen sinkt, aber nicht überall gleich stark. Quelle: Sebastian Kahnert/dpa

Nora Miethke

Dresden. Am 27.02. ist Equal Pay Day in Deutschland – der Zeitpunkt im Jahr, bis zu dem Frauen rechnerisch „umsonst“ gearbeitet haben, während Männer schon seit dem 1. Januar für ihre Arbeit bezahlt werden. Der Aktionstag findet damit zum ersten Mal schon im Februar statt. Vor zehn Jahren war es der 19. März. Das zeigt: Die Gehaltslücke zwischen den Geschlechtern (Gender Pay Gap) wird kleiner. Aber sie ist noch nicht verschwunden.

Frauen in Sachsen haben im vergangenen Jahr im Schnitt sechs Prozent pro Stunde weniger verdient als Männer, meldete das Statistische Landesamt am Donnerstag. Damit fiel die Lücke im Freistaat deutlich kleiner aus als im Bundesdurchschnitt. Dort lag der unbereinigte Gender Pay Gap, also der Unterschied im Bruttostundenverdienst, bei 16 Prozent.

Diese geringere Lohnlücke über alle Branchen hinweg ist durch die niedrigen Löhne der Männer in Sachsen erkauft. – Daniela Kolbe, Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes Sachsen

Damit ist die Verdienstlücke im Vergleich zu 2024 um weitere 0,7 Prozentpunkte gesunken. Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) hatte schon Anfang der Woche eine aktuelle, ausführliche Studie zur Entwicklung der regionalen Verdienstlücken veröffentlicht, allerdings auf der Zahlenbasis bis 2024. Danach lag der unbereinigte Gender Pay Gap im Vorjahr bei 6,7 Prozent. Bereinigt um strukturelle Unterschiede wie Teilzeit, Berufswahl, Karrierelevel und Erwerbsbiografie bleibt jedoch auch in Sachsen eine Lohnlücke von 9,9 Prozent.

Obwohl der „Gender Pay Gap“ weit unter dem Bundesdurchschnitt liegt, „ist Sachsen kein Vorbild“, betont Gleichstellungsministerin Petra Köpping. Daniela Kolbe, Chefin des Deutschen Gewerkschaftsbundes Sachsen, weist darauf hin: „Diese geringere Lohnlücke über alle Branchen hinweg ist durch die niedrigen Löhne der Männer in Sachsen erkauft.“

Je höher die Qualifikation, desto größer die Lücke

Während die durchschnittlichen Tagesentgelte von Frauen in Sachsen um 15,34 Euro unter denen von Frauen in Westdeutschland liegen, hinken die Tagesentgelte der Männer in Sachsen mit 34,41 Euro noch viel stärker denen der Männer in Westdeutschland hinterher. „Das kann nicht der Weg zur Herstellung der Entgeltgleichheit sein“, sagt Kolbe.

Ein genauerer Blick in die Statistik zeigt zudem, dass der Verdienstunterschied zwischen Frauen und Männern mit Hochschulabschluss in Sachsen zwölf Prozent beträgt.

Kolbe sieht die Landesregierung in der Pflicht, das im Koalitionsvertrag vereinbarte Ziel „gleicher Lohn für gleiche Arbeit“ schnell umzusetzen. Sie fordert mehr Einsatz für Tarifbindung, Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie die Förderung von Frauen in Führungspositionen. Kabinettsmitglied Köpping hat da einen anderen Fokus. Um die geschlechterspezifische Lohnlücke zu schließen, müssten stärker das Erlernen von Rollenbildern bei Kindern und Jugendlichen, die Berufswahl und die Familiengründung in den Blick genommen werden. „Diese Aspekte beeinflussen die Lohnungleichheit im Laufe des Lebens bis zur Rente und können zu weiblicher Altersarmut führen“, warnt Köpping.

Seit 2019 werden die Gehaltsunterschiede stetig kleiner – auch in Sachsen. Der Rückgang verläuft jedoch nicht überall gleich stark. So verringerte sich die Lohnlücke in Dresden bis 2024 nur um magere 0,6 Prozentpunkte auf 10,5 Prozent. In Leipzig waren es dagegen zwei Prozentpunkte auf 5,2 Prozent. Im Landkreis Görlitz halbierte sie sich auf 1,3 Prozent. Laut IAB-Autorin Antje Weyh weisen wirtschaftsstarke Regionen mit gut bezahlten Industrie- und Technikberufen häufig höhere Lohnunterschiede auf.

Auch wenn die konkrete Auswirkung des höheren Mindestlohns nicht untersucht wurde, geht Weyh davon aus, dass der gesetzliche Mindestlohn dazu beiträgt, die Entgeltlücke zu verkleinern, da Frauen auch in Sachsen stärker von der Erhöhung profitieren. Die Arbeitsmarktforscherin glaubt nicht, dass sich die Lücke in den nächsten Jahren schließen wird. Da gebe es so viele Punkte, die nicht oder nur schwer beeinflussbar sind, angefangen beim „Gender Pay Gap in den Köpfen“.

SZ

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