Chemnitz/Dresden. Im Ringen um eine Zukunft für das markante Gebäude des einstigen DDR-Inter- und heutigen Congresshotels in Chemnitz ist eine neue Facette aufgetaucht. Die Eigentümerin selbst, die Aroundtown SA mit Sitz in Berlin und Luxemburg, führt die Immobilie als Entwicklungsprojekt.
Das Gebäude in der Brückenstraße 19 taucht in einer entsprechenden Übersicht des Unternehmens auf, eingeklemmt zwischen zwei Objekten in London und Manchester. Diesen Angaben zufolge plant Aroundtown in Chemnitz eine „Sanierung mit Teilumbau“. Danach soll die Immobilie mit rund 13.000 Quadratmetern eine Mischfunktion erhalten: als Hotel, als Studentenwohnheim und als generelles Wohngebäude.
Gespräche mit der Stadt laufen
Angaben zum zeitlichen oder finanziellen Aufwand macht das Unternehmen nicht. Es könnten derzeit keine Informationen „über die zukünftige Nutzung des Gebäudes bereitgestellt werden“, heißt es auf Anfrage.
„Wir befinden uns derzeit in Gesprächen mit der Stadt.“
Wir fördern Offenheit, Vertrauen, Teamwork, Vielfalt und begegnen einander mit Respekt. – Aus den Leitprinzipien der Aroundtown SA, Luxemburg
Weitere Entwicklungsprojekte führt Aroundtown in dieser Liste auch für Leipzig auf. So will das Unternehmen einen Wohnungsneubau in der Südvorstadt errichten; dort hat derzeit der DRK-Kreisverband Leipzig seinen Sitz. Zudem ist demnach auf dem Areal der ehemaligen Bogenlampenfabrik im Stadtteil Leutzsch der Bau eines Rechenzentrums vorgesehen. Für beide Projekte liefen bereits die Vorgenehmigungen, heißt es.
Zahlreiche bekannte Gebäude im Eigentum
Aroundtown beziffert den Wert seiner Gebäude allein in der Region Dresden/Leipzig/Halle im Geschäftsbericht 2024 auf 1,635 Milliarden Euro. Die Rentabilität dieser Immobilien wird mit 5,3 Prozent angegeben. Dieser Wert bezieht sich auf die Mietrendite, bei der die jährliche Nettokaltmiete ins Verhältnis gesetzt wird zum Kaufpreis und den Nebenkosten der Immobilien.
In Mitteldeutschland befinden sich außer dem Interhotel-Gebäude in Chemnitz weitere bekannte Objekte im Eigentum des Konzerns:
- In Dresden sind das etwa das Intercity-Hotel am Hauptbahnhof, das Objekt Prager Spitze am Wiener Platz sowie die Fraunhofer-Gebäude und ein Technologiecampus am Dresdner Flughafen.
- In Leipzig zählen dazu der Panorama-Tower am Augustusplatz, das höchste Gebäude der Stadt; die Immobilie mit der Strohsack-Passage in der Nicolaistraße; der Bürokomplex Sachsenpark sowie das Hotel Days Inn by Wyndham nahe der Messe; das als Listbogen bezeichnete Bürogebäude sowie das Penta-Hotel am Hauptbahnhof;
- In Halle (an der Saale) hält Aroundtown den deutschen Firmensitz des US-Computerkonzerns Dell.

Quelle: Grothe, Lucas
Außerdem ist das Unternehmen nach eigenen Angaben Immobilieneigentümer des Seniorenheims Am Küchwaldpark in Chemnitz sowie der Alexa-Seniorenresidenz in Dresden-Pieschen. Auch zwei Luxushotels im brandenburgischen Bad Saarow sowie in Sagard auf Rügen gehören zu Aroundtown.
Unternehmensgründer ist Milliardär
Gründer des Unternehmens ist der in London lebende israelische Geschäftsmann Yakir Gabay. Auf der aktuellen Reichen-Liste des Magazins Forbes wird er auf Rang 1004 geführt, mit einem geschätzten Vermögen von umgerechnet rund 3,6 Milliarden Euro.
Der Mittfünfziger war zunächst Investmentbanker. Er investierte dann mit Geschäftspartnern von 2004 an in Immobilien in deutschen und niederländischen Großstädten. Nach der Fusion mit dem Konkurrenten TLG Immobilien im Jahr 2020 avancierte Aroundtown zum größten börsennotierten Gewerbeimmobilienunternehmen Deutschlands. Mit einem Anteil von 15 Prozent ist Gabay einer der größten Aktionäre. Den Aufsichtsrat leitet der ehemalige Thyssen-Krupp-Chef Gerhard Cromme.
Ex-Staatskanzleichef im Aufsichtsrat
Über eine auf Zypern ansässige Beteiligungsfirma hält Aroundtown zudem die Mehrheit an der ebenfalls in Luxemburg ansässigen Grand City Properties SA, die Eigentümerin zahlreicher Wohnimmobilien ist und allein 2024 rund 310 Millionen Euro Gewinn einstrich. In dieser Gesellschaft ist Gabay Aufsichtsratsvorsitzender; unterstützt wird er dabei von einem ehemaligen sächsischen Spitzenpolitiker: dem früheren Staatskanzleichef und Bundesbankdirektor Johannes Beermann.

Quelle: PR/Bundesbank
Derweil machen die Beschäftigten des 1974 eröffneten Inter- und späteren Congress-Hotels in Chemnitz mit immer neuen Aktionen auf sich aufmerksam. Zuletzt verschickten sie unter dem Titel „Kult-Hotel mit Dream-Team sucht neuen Betreiber mit Herz und Vision“ Bewerbungsunterlagen an 15 Hotelbetreibergesellschaften. Schon Anfang Februar hatten Personal und Bürger mit einer Lichterkette für den Erhalt demonstriert.
SZ


