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Der autonome Bus hat Probleme: Walemo-Fahrt zum Bärwalder See fällt vorerst aus

Familie Kieschnick wollte mit dem selbstfahrenden Bus zum Bärwalder See – als Ferien-Attraktion für den Enkel. Stattdessen drehte das Walemo-Shuttle nur kleine Runden durch Klitten. Und ab Dienstag macht es komplett Pause. Das ist der Grund – und so geht es dann weiter.

Lesedauer: 4 Minuten

Der autonome Bus an seiner Endhaltestelle im Skan-Ferienpark in Klitten am Bärwalder See: Ab Dienstag rollt er erst einmal nicht. Quelle: Julian Hölscher

Von Constanze Junghanß

Klitten. Lothar Kieschnick und sein Enkel freuten sich auf eine Fahrt mit dem autonomen Kleinbus, dem Walemo. Dessen erste Fahrt fand vor genau einem Jahr statt. Fahrer, Lenkrad und Gaspedal hat das Fahrzeug nicht. Stattdessen sind Sensoren, Kameras und Rechentechnik am fast lautlos dahingleitenden Bus an Bord. Und es fährt ein Busbegleiter mit.

Bis zu sechs Mitfahrer passen in den autonomen Bus. Das Fahrzeug ist klimatisiert und hat auch eine Rampe für mobilitätseingeschränkte Menschen. Er verbindet den Bahnhof Klitten mitdem Skanpark Bärwalder See, der sich etwa einen halben Kilometer vom See entfernt befindet. Gemächlich dreht der Bus seine Runden: Die Höchstgeschwindigkeit beträgt 18 Kilometer pro Stunde.

Sonne, Sand und Sonnenschirme: Der Bärwalder See ist ein Erholungsort.
Sonne, Sand und Sonnenschirme: Der Bärwalder See ist ein Erholungsort.
Quelle: Joachim Rehle

Mini-Fahrrunden finden statt

Der Enkel von Kieschnicks wohnt weit weg, ist in den Ferien aus Belgien zu den Großeltern nach Klitten im Norden des Landkreises Görlitz gekommen. Die 30-minütige Busfahrt war fest eingeplant: Vom Bahnhof aus sollte es zum Bärwalder See gehen. Doch daraus wurde nichts. „Wir konnten nur die kleine Runde in Klitten fahren“, bedauert Lothar Kieschnick sehr.

Das Walemo-Shuttle verkehrt auch innerhalb von Klitten. An Familie Kieschnicks Haus rollt der Bus täglich vorbei. Dann dreht das besondere Fahrzeug gemächlich die rund 1,5 Kilometer Strecke zwischen Bahnhof und Kirche im Ort. Doch bis zum Bärwalder See die knapp fünf Kilometer zu fahren, „das war leider nicht möglich.“

Auf der Internetseite vom Walemo wurde vergangene Woche dazu auch informiert. Es gebe aktuell nur den Fahrbetrieb innerhalb von Klitten. Warum das so ist, und wann wieder der Bärwalder See angefahren wird, ist allerdings nicht nachzulesen. Nur so viel: „Vom 21.07. bis einschließlich 27.07.2026 befindet sich Walemo im Betriebsurlaub. In diesem Zeitraum finden keine Fahrten statt.“

Es soll eine mehrjährige Projektverlängerung geben. – Christine Nützsche, Pressesprecherin des Verkehrsverbundes Oberlausitz-Niederschlesien (ZVON)

Also fällt die Fahrt mit dem Spezialfahrzeug für Kieschnicks und ihren Enkel vorerst aus. „Das ist wirklich schade“, bedauert der Großvater. Gehört hat Lothar Kieschnick vom Busbegleiter, dass seit etwa zwei Wochen mehrere Tempo-30-Schilder auf der Strecke zum See verschwunden wären und deshalb der Bärwalder See aktuell kein Ziel sei. Die Schilder wurden wegen des autonomen Busses an der Strecke aufgestellt. Davor konnte schneller gefahren werden. Nicht jedem gefalle die Geschwindigkeitsbegrenzung, wie der Klittener aus Gesprächen weiß.

Etwas futuristisch sieht es schon aus, das Walemo-Mobil. Sein Antrieb ist noch elektrisch, Brennstoffzellen- und Methanolantriebe werden auch getestet.
Etwas futuristisch sieht es schon aus, das Walemo-Mobil. Sein Antrieb ist noch elektrisch, Brennstoffzellen- und Methanolantriebe werden auch getestet.
Quelle: Matthias Rietschel

Ist die Technik defekt?

Wurden die Verkehrszeichen von der Gemeinde entfernt? Hendryk Balko, dem Bürgermeister von Boxberg, ist dazu derzeit nichts bekannt. Allerdings war der Bürgermeister auch im Urlaub und nicht am Schreibtisch. Ausschließen kann Hendryk Balko jedenfalls, dass es eine verkehrsrechtliche Anordnung seitens der Gemeinde gab, die Schilder wegzumachen. „Das hat Boxberg nicht veranlasst.“

Wie der MDR berichtete, soll der Bus nach Auskunft des Verkehrsverbundes Oberlausitz-Niederschlesien (ZVON) ein kaputtes Bauteil haben und deshalb außer Betrieb sein. Doch der Bus fährt weiter – nur eben keine große Runde. Lothar Kieschnick, der das Bus-Projekt sehr begrüßt, kann sich deshalb schwer vorstellen, dass tatsächlich die Technik am Walemo streikt.

Wobei auch das bereits passierte, wie Hendryk Balko berichtet. „Im vergangenen Jahr konnte der autonome Bus wegen technischer Probleme eine Weile nicht fahren“, sagt er.

20 Verkehrsschilder verschwunden

Pressesprecherin Christine Nützsche vom Verkehrsverbund Oberlausitz-Niederschlesien (ZVON) bringt auf Nachfrage Licht ins Dunkel: „Der Walemo verkehrt wieder, jedoch nur innerhalb von Klitten.“ Die Strecke zum Bärwalder See entfalle allerdings vorerst „wegen notwendiger Rekonstruktion von Beschilderung entlang der Strecke“. Genauer: Unbekannte haben die Beschilderung entwendet, wie Christine Nützsche bestätigt. Sie wurden offenbar gestohlen.

Laut Angaben der Sprecherin verschwanden außerorts zehn bis 20 Verkehrsschilder. Fast zeitgleich gab es aber auch tatsächlich ein technisches Problem, wodurch der Bus eine kurze Zeit zum Stillstand gezwungen gewesen ist. Die ZVON-Sprecherin sagt: „Die Rampe musste in die Reparatur.“

Ab Ende Juli wieder Fahrten zum See

Die Betriebsruhe ab Dienstag dieser Woche wiederum hängt mit einer verkehrsrechtlichen Anordnung wegen des Festivals Break the Rules zusammen. Vier Tage wird am Bärwalder See bei Klitten beim Beach-Festival groß gefeiert. Wie die ZVON-Sprecherin sagt, kann in diesem Zeitraum „der Bus nicht verkehren“. Ab dem 28. Juli soll der Betriebsurlaub beendet sein. Dann rollt das autonome Shuttle wieder. Und zwar die große Runde bis zum Bärwalder See.

Das Shuttle ist im Übrigen Teil des bundes- und landesmittelfinanzierten Walemo-Base-Projektsdes ZVON in Zusammenarbeit mit der Technischen Universität Dresden und dem Fraunhofer IWU. Im ZVON-Tarifgebiet werden rund zwölf Prozent aller Wege mit Bus und Bahn zurückgelegt, wie eine Befragung des infas Instituts für angewandte Sozialwissenschaft für den Altkreis Bautzen und den Landkreis Görlitz ergab. Die Region ist stark vom Auto geprägt: Rund 90 Prozent der Haushalte besitzen mindestens einen Pkw, wie in der Studie ermittelt wurde.

Autonomer Bus soll noch viele Jahre fahren

Mit dem autonomen Kleinbus wird erforscht, wie privater Individualverkehr im ländlichen Raum entlastet und die Mobilität zwischen Wohnorten, Arbeitsplätzen, Bildungseinrichtungen und medizinischer Versorgung verbessert werden soll – auch ohne eigenes Auto.

Seit Mai 2026 können ÖPNV-Fahrgäste zwischen Klitten und Bärwalder See ihre Fahrt mit dem Bus im Vorfeld zudem online reservieren. Der Betrieb sollte ursprünglich bis Ende Dezember 2026 laufen. ZVON-Pressesprecherin Christine Nützsche kann nun verkünden: „Es soll eine mehrjährige Projektverlängerung geben.“ Dafür wurde eine Förderung beim Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt beantragt. Die Fördermittelzusage steht allerdings noch aus.

SZ

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