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Bei BMW in Leipzig wird jetzt der Mini Countryman gebaut

Leipzigs BMW-Werk feiert neuen Zuwachs: Der Countryman wird ab jetzt in Deutschland gebaut. Die Fabrik wächst damit auf 6.700 Beschäftigte – plus zahllose Zeitarbeiter.

Lesedauer: 3 Minuten

Man sieht einen Mini Countryman auf der Produktionslinie.
BMW baut den Mini Countryman im Leipziger Werk. Nach Angaben des Autobauers wird es das erste Modell der britischen Kultmarke sein, das komplett in Deutschland hergestellt wird. © dpa/Jan Woitas

Von Sven Heitkamp

Leipzig. Da, wo sonst Autos produziert werden, saust eine Jazzdance-Gruppe über den glatten Fabrikboden. Die Werks-Band rockt ein Liebeslied, Werkschefin Petra Peterhänsel trägt ausnahmsweise bunte Sportschuhe und ein lila Sakko statt schlichter blau-schwarzer Arbeitskleidung: Im Leipziger BMW-Werk wird Freitagvormittag ziemlich groß gefeiert. Erstmals läuft dort jetzt offiziell der Mini Countryman vom Band. Das Auto soll ab Mitte Februar bei den Händlern stehen. Für die große Feier wurden sämtliche Bänder für 45 Minuten angehalten, damit alle Kolleginnen und Kollegen die Übertragung im Werk verfolgen können.

Es ist das erste Mal in der Geschichte des britischen Kultautos überhaupt, dass der Mini in Deutschland produziert wird. Und er wird vom gleichen Band laufen, wie die kleinen BMW 1er und 2er, die zurzeit in Leipzig gebaut werden. „Wir bauen zwei Marken und drei Antriebe auf einer Linie – das ist eine besondere Premiere“, betonte BMW-Werkschefin Petra Peterhänsel. „Wir bleiben ein Pionierwerk.“ Bisher war der Mini Countryman beim niederländischen Auftragsfertiger Nedcar gebaut worden.

Künftig sollen neben rund 1.000 BMW-Autos am Tag auch bis zu 500 Minis produziert werden. Die Jahreskapazität steigt damit von 250.000 auf 350.000 Fahrzeuge. Mit dem neuen Modell wächst auch der Standort weiter: Die Belegschaft soll von jetzt 5.800 Festangestellten und etwa 1.200 Leiharbeitern bis Herbst nächsten Jahres um weitere 900 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wachsen. Allein für den Mini-Ausbau habe der Autokonzern in den vergangenen fünf Jahren 700 Millionen Euro in Karosseriebau, Lackiererei und Montage investiert. Zuvor waren schon 800 Millionen Euro in die neue Leipziger E-Komponentenfertigung geflossen, in der allein 800 Beschäftigte arbeiten und Batterien auch für andere BMW-Standorte zuliefern. Künftig sei ein weiterer Ausbau geplant, sagte Peterhänsel.

Zahlreiche Gäste verfolgten den offiziellen Produktionsstart des Mini Countryman im BMW-Werk Leipzig.©  dpa/Jan Woitas

BMW setzt in seinen Fabriken auf die Strategie, auf den Produktionsstrecken unterschiedliche Modelle mit unterschiedlichen Antriebsarten zugleich zu bauen. Mit der flexiblen Werksstruktur könnten die Standorte konstanter ausgelastet und auf Marktveränderungen besser reagiert werden, betonte Produktionsvorstand Milan Nedeljković. Tatsächlich muss BMW derzeit kein Personal reduzieren wie beispielsweise Volkswagen, sondern weiter aufbauen. VW hatte am Donnerstag mitgeteilt, dass Teile der Produktion in Zwickau für etwa drei Wochen heruntergefahren werden müsse.

Für das Wachstum bei BMW werden zunehmend auch ausländische Fach- und Arbeitskräfte eingestellt. „Wir werden internationaler“, betonte Peterhänsel. Inzwischen gebe es 60 Nationen am Standort. Laut Betriebsratschef Jens Köhler werden interne Schulungen mittlerweile in zwölf Sprachen angeboten, darunter auch in indisch und arabisch. Auch Sprachkurse soll es ab nächstem Jahr im Leipziger Werk geben. Zugleich müssten aber auch die hiesigen Kollegen „mitgenommen“ und Veränderungen erklärt werden, so Köhler. Derzeit entsteht am Rande des Werksgeländes ein Aus- und Weiterbildungszentrum. BMW bildet jedes Jahr mittlerweile 65 neue Lehrlinge aus, derzeit seien es insgesamt rund 250.

Eine Mitarbeiterin im BMW Group Werk Leipzig fährt einen fertigen BMW Mini Countryman vom Band.© dpa/Jan Woitas

Der Mini Countryman wird künftig wahlweise mit Verbrenner-Motor, als Hybrid und vollelektrisch angeboten. Damit wird es wieder ein rein elektrisches Auto aus Leipzig geben.

Voriges Jahr war die Produktion des ersten elektrischen Erfolgsmodells „i3“ eingestellt worden. Laut Stefanie Wurst, der Leiterin der Marke Mini, sollen bis 2030 alle Minis mit elektrischem Antrieb ausgeliefert werden. Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) erinnerte daran, dass der Mini nach seinem Start 1960 als „Blechbüchse“ und „Elefantenrollschuh“ verspottet wurde. „Inzwischen ist er längst ein Kultauto – und jetzt ein echter Leipziger“, betonte Kretschmer.

In Sachsens Autoindustrie mit den großen Werken von Volkswagen, BMW und Porsche sowie zahllosen Zulieferern und Dienstleistern arbeiteten inzwischen 100.000 Menschen. Der Freistaat gilt dabei als Zentrum der E-Mobilität. Laut Leipzigs Wirtschaftsbürgermeister Clemens Schülke (CDU) hätten sich – nicht zuletzt dank der Autoindustrie – die Gewerbesteuereinnahmen der Stadt mittlerweile verdreifacht. Ein Schlüssel zur Erfolgsgeschichte der Stadt sei BMW.

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