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„Beschwere mich bei Gott“: Kirchgemeinde verzögert Stöckers Kaufhaus-Pläne in Görlitz

Winfried Stöckers Pläne zur Restaurierung des Görlitzer Kaufhauses stoßen auf Widerstand. Die Inhaber der benachbarten Frauenkirche benötigen mehr Zeit, um die Baupläne zu sichten. Die Gemeinde findet sehr diplomatische Worte. Der Lübecker Investor selbst weniger.

Lesedauer: 2 Minuten

Der Lübecker Multimillionär Winfried Stöcker (kleines Bild) ist AfD-Großspender und Kaufhaus-Investor. Seit 2013 gehört ihm das Gebäude. Quelle: SZ-Montage, P. Glaser, B. Gärtner

Marc Hörcher

Görlitz. Der Lübecker Investor Winfried Stöcker erhält in seinem Vorhaben, das Görlitzer Kaufhaus zu restaurieren, einen zeitlichen Dämpfer. Rechtsanwalt Ulf Hüttig, Mitglied des Gemeindekirchenrats, hat im Namen der Evangelischen Innenstadtgemeinde Widerspruch eingelegt gegen den Teil-Vorbescheid, den das Rathaus der Stöcker Kaufhaus GmbH erteilt hatte. So steht es in einem Schreiben, das der SZ vorliegt.

Die Gemeinde ist Eigentümer der Frauenkirche, die in direkter Nachbarschaft zum Kaufhaus steht. Grund für den Einspruch sei, dass die Gemeinde prüfen möchte, ob sich der Bau des Kaufhauses optisch auf die benachbarte Kirche auswirkt. Höhe und damit verbundener Schattenwurf könnten unter anderem mögliche kritische Punkte sein, sagt Hüttig. Vielleicht gibt es aber auch vonseiten der Kirche gar nichts zu kritisieren. Der Bescheid sei kurz vor Weihnachten veröffentlicht worden, und die Gemeinde habe schlicht noch nicht die Zeit gehabt, sich die Pläne für das umfassende Vorhaben im Detail anzuschauen – daher der vorsorgliche Einspruch.

Stöcker bloggt seinen Groll

„Man hätte uns auch früher einbeziehen können“, findet Hüttig. Obwohl Stöckers Bauprojekt seit Jahren geplant sei, erhalte die Kirchgemeinde erst jetzt über das Amtsblatt Einsicht in die konkreten Pläne. „So holen wir uns die Informationen eben jetzt.“ Das sei im Grunde keine große Sache, betont er. Man wolle das Vorhaben nicht verhindern, und es sei auch „kein Nachbarschaftsstreit“. Im Gegenteil, man befinde sich in einem „angenehmen“ Austausch mit dem Stadtplanungsamt und mit Stöcker Immobilien.

Dessen Chef scheint das völlig anders zu sehen. „Ich habe dafür weder Verständnis noch sonst was“, sagt Stöcker, der für seine markigen Äußerungen bekannt ist, der SZ am Telefon. In seinem Blog – zwischen einem Schnitzel-Rezept und einer Lobeshymne auf Donald Trump – nörgelt er ebenfalls. Er schreibt wörtlich: „Ich werde mich beim lieben Gott beschweren.“

Ende Februar beabsichtigt der Gemeindekirchenrat, zusammenzukommen und die offenen Fragen zu klären. Anfang März könnte es dann also weitergehen für Stöckers Kaufhaus-Pläne. Einer der nächsten Schritte wird dann ein Antrag auf Baugenehmigung sein.

Stöcker besitzt das Kaufhaus seit 2013. Seitdem wird um die Sanierung des Gebäudes gerungen. Denkmalschutzrechtliche Fragen waren zuletzt geklärt. Die Politik war dem Investor dabei entgegengekommen. Ministerpräsident Michael Kretschmer hatte beim Görlitzer Neujahrsempfang zuletzt geäußert, nun müsse Stöcker auch liefern und mit seinem Vorhaben vorankommen.

SZ

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