Dresden. Der Kochtopf dampft. Daneben stehen die Brötchen bereit. Axel Klein holt mit einer Zange eine Bockwurst heraus. „Das ist keine normale Wurst, sondern eine Omega-3-Wurst von glücklichen Schweinen aus der Genießergenossenschaft Erlau“, sagt Klein, der Chef des sächsischen Hotel- und Gaststättenverbandes. Die Tiere, deren Fleisch die gesunde Omega-3-Fettsäure enthält, bekommen spezielles Futter aus Getreide und Ölleinpflanzen.
Mit der traditionellen Wurst im neuen Gewand startet der Freistaat die Marke „So schmeckt Sachsen“. Damit will man sich nicht nur kommende Woche auf der Agrar-Messe Grüne Woche in Berlin präsentieren, sondern darüber hinaus für Sachsens Geschmack werben. Vorab wurde die Initiative bei einem Termin in Radebeul vorgestellt.
Wonach schmeckt Sachsen?
Köche, Bauern und Hoteliers sollen sich hinter der Marke versammeln, hieß es dort. Doch wonach schmeckt denn Sachsen überhaupt?
„Bodenständig, ehrlich, zum Beispiel mit Pellkartoffeln und Quark“, sagt Barbara Klepsch (CDU), die sächsische Staatsministerin für Kultur und Tourismus. „Dresdner Stollen, das süße Gebäck Leipziger Lerche, Oberlausitzer Karpfen“, fügt Axel Klein hinzu. Er hat sich inzwischen eine gelbe Kochmütze aufgesetzt. Sie stammt von DDR-Starkoch Kurt Drummer. Dieser prägte mit der Sendung „Der Fernsehkoch empfiehlt“ die ostdeutsche Esskultur. Was viele nicht wissen: Drummers Mütze war nicht weiß, sondern gelb. „Damit der Kontrast im Schwarz-Weiß-Fernsehen stimmt“, erklärt Klein.
Buttermilchgätzen, Teichelmauke und Neunerlei
Sachsen und Ostdeutschland hätten es mit ihrer Kulinarik nach der Wende schwer gehabt. Beispielsweise hatte der berühmte Gastrokritiker Wolfram Siebeck aus der BRD Anfang der 90er verkündet, die Suche nach einem guten Restaurant in den neuen Ländern einzustellen. Er sei erfolglos gewesen.
Mit dem Vorurteil, in Sachsen gäbe es nur sächsische Kartoffelsuppe, will der Freistaat jetzt aufräumen. Die Regionen hätten vieles zu bieten: den Gemüsemix Leipziger Allerlei, die Freiberger oder Dresdner Eierschecke, die Kohlroulade aus der sächsischen Schweiz, das fleischlose Kartoffelgericht Buttermilchgätzen aus dem Erzgebirge oder die Teichelmauke aus der Oberlausitz, bestehend aus Kartoffelbrei, gekochtem Rindfleisch mit viel Brühe und Sauerkraut, sagt die Geschäftsführerin der Tourismus Marketing Gesellschaft, Veronika Hiebl. Nicht zu vergessen: Neunerlei. Oder Neinerlaa. Ein Weihnachtsgericht aus dem Erzgebirge, das aus neun Gerichten besteht.
Algen und Fish and Chips aus Sachsen
Sachsens Geschmack besteht aber nicht nur aus Geschichte und Bockwurst, sondern auch aus neuen Interpretationen. Neben Axel Klein steht etwa Gunnar Mühlstädt, Prokurist aus dem Algenwerk Dresden. Das Unternehmen erntet hundertmal pro Jahr Algen und stellt daraus nicht nur gesunde Säfte her, sondern auch Eis und Schokolade mit viel Magnesium und Eisen. Das Algen-Eis namens „Ais“ ist auch bei Rewe erhältlich.
Der Markenname „So schmeckt Sachsen“ ist dabei kein neuer. Der sächsische Landesbauernverband wirbt damit bereits zum achten Mal. Jetzt ist der Freistaat auf den Slogan aufgesprungen und wirbt in Berlin auf der am Freitag eröffneten Grünen Woche in einer Showküche mit regionalen Spitzenköchen und bodenständigen Gastronomen.
Aber ebenso mit regionalem Müsli von Krabatmilch und dem Landgut Tanneberger aus Olbernhau. Oder mit „Fish and Chips“ aus der Oberlausitzer Teichlandschaft. „Auch jemand wie Tina Wessollek vom Restaurant Auberge Gutshof in Bischofswerda gehört zur sächsischen Küche. Sie interpretiert in der Oberlausitz das französische Elsass neu“, sagt Axel Klein, der inzwischen an alle die Bockwürste an alle verteilt hat.
Eines ist aber sicher: Die Marke steht noch ganz am Anfang. Die Köche, Landwirte und Gastwirte wollen sich jetzt an einen Tisch setzen und den Geschmack für Sachsen suchen – denn dieser liegt irgendwo zwischen Bockwurst, Kartoffelsuppe und Algen-Eis.
SZ


