Cunewalde. Welche Chancen und Perspektiven ergeben sich durch die Sicherheits- und Verteidigungsindustrie in Ostsachsen? Der CDU-Kreisverband Bautzen hatte am 23. Februar vor allem Oberlausitzer Unternehmen, aber auch Einwohner, zu einem Informations- und Diskussionsabend in die Blaue Kugel in Cunewalde geladen. Branchenvertreter erklärten, wie groß diese Chancen sind.
Welche Herausforderungen damit verbunden sind, an Aufträge der Bundeswehr zu kommen, erklärten die Redner des Abends, wie etwa Markus Kurczyk, Generalmajor a.D. und Vorsitzender des Mitteldeutschen Instituts für Sicherheitsindustrie (MISI).
Expertise, Zusammenhangs-Wissen und das richtige Netzwerk
Angebot des MISI sei es, die Unternehmen zu vernetzen und der Industrie die richtigen Zulieferer zu vermitteln. Dabei gehe es um Produkte und Dienstleistungen fürs Militär und für die zivile Verteidigung. „Seien Sie mutig und beteiligen Sie sich an den Ausschreibungen“, appellierte Kurczyk an die rund 60 Gäste, die aus CDU-Vertretern und Unternehmern sowie Verbandsvertretern bestanden.
Laut Matthias Witt bräuchten Unternehmen Expertise, Zusammenhangs-Wissen und das richtige Netzwerk, um in diesen Markt zu kommen. Witt ist geschäftsführender Gesellschafter der Wimcom GmbH, einer Unternehmensberatung fürs Rüstungsgeschäft. „Es kommt darauf an, ob Sie Dienstleistungen oder Produkte haben, die militärisch nachgefragt sind. Prüfen Sie: Ist das was für mich oder nicht“, erklärte er in Cunewalde den anwesenden Unternehmen.
Rüstungsaufträge: Hohe Zahlungssicherheit kontra Vergabeprozesse
Aus seiner Sicht bestehen die Vorteile in der hohen Zahlungs- und langfristigen Planungssicherheit, dem Umfang der Aufträge sowie Referenzen mit hoher Signalwirkung für mögliche weitere Auftraggeber. Dem stünden allerdings die hohen Eintrittshürden durch die Vergabeprozesse, die nötigen Nachweise oder die komplexe Einkaufsorganisation gegenüber. Ein bis zwei Jahre Vorlauf müssten Unternehmen, die ins Rüstungsgeschäft einsteigen wollen, wegen der Zertifizierungen und Qualitätsprüfungen einplanen.
Wollen wir diese Aufträge? Damit werden sich die Bevölkerung, Kommunalpolitiker und Unternehmen beschäftigen müssen. Ich sehe es als Perspektive und als Chance. – Udo Witschas (CDU), Landrat des Landkreises Bautzen
Vertreter der Rüstungsunternehmen Renk und KNDS waren ebenfalls vor Ort. Felix Seidler von Renk erklärte, dass die Nachfrage nach den eigenen Panzern vor wenigen Jahren noch sehr gering war, das Unternehmen heute dagegen schnell liefern soll. Die Renk-Getriebe dafür bestünden aus 20.000 Teilen, die man nicht alle selbst fertige.
Rüstungsbetriebe wie KNDS suchen Zulieferer
KNDS-Vertreterin Judith Korn erklärte, dass ihr Unternehmen immer nach Lieferanten suche. In Görlitz beginne KNDS bald mit der Produktion. Potenzielle Zulieferer sollten sich nicht scheuen, sich ins Gespräch zu bringen.
Nachfragen von Unternehmen kamen in Cunewalde dann nur zaghaft. Ein Betrieb aus Bautzen fragte, wie viel Geld die Zertifizierung koste. Eine Firma aus Kirschau erkundigte sich nach den Lieferketten und Ansprechpartnern. Ob man diesen Kontakt wirklich aufnehmen werde, wollten die Firmenvertreter nach der Veranstaltung gegenüber der SZ noch nicht verraten. Ein Betrieb aus dem Oberland äußerte im Anschluss an die Diskussion mögliche Bedenken um den Verlust ziviler Kunden, wenn man Rüstungsaufträge annähme.
CDU kündigt weitere Veranstaltungen zum Thema an
Solche Überlegungen kann Bernd Weiskircher nicht nachvollziehen. Der Geschäftsführer der W-3D GmbH aus Sohland an der Spree produziert mittels 3D-Druck Produkte für den Motorsport, die Medizin und eben fürs Militär. Man sollte nicht so zaghaft mit dem Thema umgehen, meint er. „Es ist wichtig zu erklären, dass es keine Schande ist, fürs Militär zu arbeiten.“
Steffen Roschek, Vorsitzender des CDU-Kreisverbandes Bautzen und selbst Unternehmer, kündigte nach dieser Veranstaltung weitere in der Region zu dem Thema an. Der Markteinstieg werde verdammt schwer. Auch wenn es nicht für jedes Unternehmen klappen könne, müsse man sich jetzt „an die Startlinie stellen“.
Witschas verweist auf Ansiedlung von Bundeswehr-Logistik-Bataillon
Bautzens Landrat Udo Witschas (CD) verwies auf die kommende Ansiedlung des Bundeswehr-Logistik-Bataillons in Straßgräbchen und spricht mittlerweile von 700 Millionen Euro Investitionsvolumen sowie 920 Dienstposten.
Da die Soldaten auch Partner und Kinder mitbringen, rechne er mit dem Zuzug von etwa 2000 Menschen und zusätzlichen 2500 bis 3000 Arbeitsplätzen. Dazu kämen Investitionen von 200 Millionen Euro am Truppenübungsplatz im Landkreis Görlitz. „Wollen wir diese Aufträge? Damit werden sich die Bevölkerung, Kommunalpolitiker und Unternehmen beschäftigen müssen. Ich sehe es als Perspektive und als Chance“, so Witschas.
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