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Chef des Porsche-Werks Leipzig: „Vorbereitungen für das neue Modell laufen auf Hochtouren“

Im Sommer 2026 rollt im Leipziger Porsche-Werk der letzte Macan mit Benzinantrieb vom Band. Damit endet eine Ära, sagt Werkschef Gerd Rupp. Jetzt ruhen die Hoffnungen auf dem E-Macan und dem neuen Modell.

Lesedauer: 4 Minuten

Ein Mitarbeiter montiert einen Porsche Macan im Werk Leipzig. Quelle: Jan Woitas/dpa

Andreas Dunte

Leipzig. Bei Porsche hatte man sich mit der Entscheidung viel Zeit gelassen. Kurz vor Weihnachten 2025 fiel sie endlich: Im Leipziger Werk soll neben dem elektrischen Macan sowie dem Panamera mit Verbrenner- und Hybrid-Antrieb ein zweites SUV im sogenannten B-Segment (Kleinwagen) gebaut werden. Ein Nachfolger für den im Sommer 2026 auslaufenden Macan mit Benzinmotor. Bei der Belegschaft hat das für Erleichterung gesorgt, ja regelrecht für Aufatmen.

Auch Werkschef Gerd Rupp zeigt sich im Gespräch mit Leipziger Volkszeitung und Sächsischer Zeitung erleichtert: „Mit der Vergabe dieses Projekts wird unserem Standort großes Vertrauen entgegengebracht. Die Entscheidung ist für uns von großer Bedeutung: Sie unterstreicht die Kompetenz und Stärke unseres Leipziger Teams und zeigt, dass wir in den vergangenen Jahren gemeinsam bewiesen haben, was hier möglich ist.“

Verbrenner, Hybrid, Elektro – drei Antriebe auf einem Band

Der Stuttgarter Sportwagenbauer hat bislang knapp zwei Milliarden Euro in Umbau sowie Erweiterung des Werks in Flughafennähe investiert und dabei den Fokus auf maximale Flexibilität gelegt. „Verbrenner-, Hybrid- und Elektrofahrzeuge laufen bei uns im Werk im Modellmix über eine gemeinsame Fertigungslinie“, so Rupp. Der 57-jährige studierte Elektrotechniker ist seit 2017 Leiter des Leipziger Standortes.

Bereitet mit seiner Belegschaft die Fabrik auf das neue Modell vor: Gerd Rupp ist seit dem Jahr 2017 Leiter des Porsche-Werks Leipzig.
Bereitet mit seiner Belegschaft die Fabrik auf das neue Modell vor: Gerd Rupp ist seit dem Jahr 2017 Leiter des Porsche-Werks Leipzig.
Quelle: Porsche

Dieser Modell-Mix gewinnt für Porsche aktuell an Bedeutung. Denn das Unternehmen hat sein Ziel korrigiert, sich vorwiegend auf elektrisch angetriebene Fahrzeuge zu konzentrieren. Ursprünglich sollten schon 2030 mehr als 80 Prozent der Neuwagen elektrisch fahren. Das Ziel wurde noch unter dem langjährigen Porsche-Vorstandschef Oliver Blume kassiert, dessen Posten zum Jahresende Michael Leiters übernommen hat.

Strategiekorrektur nach rückläufigem Absatz

Grund für die Korrektur ist der rückläufige Absatz. 2025 hat Porsche rund zehn Prozent weniger Fahrzeuge verkauft. Das hängt mit dem Produktionsende der Modelle Boxster und Cayman zusammen. Aber auch damit, dass die E-Mobilität langsamer voranschreitet als gedacht. Porsche hält deshalb an einer längeren Koexistenz von E-Mobilität und Verbrennern fest. So kommt in den nächsten Jahren auch das Spaß-Duo Boxster und Cayman nicht nur elektrisch, sondern auch mit herkömmlichem Antrieb zurück in die Verkaufsräume.

Wir halten an der Standortsicherung bis 2030 fest. – Gerd Rupp, Chef des Porsche-Werkes in Leipzig

Dass viele Kunden, Benzin im Blut haben, also auf Sportwagen mit herkömmlichen Motoren schwören, könne er gut verstehen, sagt Werkschef Rupp. „Porsche steht seit jeher für Performance und Leidenschaft – und viele unserer Kundinnen und Kunden verbinden dieses Gefühl mit klassischen Verbrennungsmotoren. Gleichzeitig haben wir unsere Produktstrategie so ausgerichtet, dass wir für jedes Bedürfnis die passende Lösung anbieten können.“ Entscheidend sei: „Alle drei Antriebsarten stehen bei Porsche gleichermaßen für Emotionalität, Performance und Effizienz.“ Und alle drei können im sächsischen Werk auf einem Band gefertigt werden.

Im Vorjahr gut 84.000 Macan an Kunden übergeben

Bis das neue SUV im Macan-Format mit der internen Bezeichnung M1 in Leipzig vom Band rollt, vergeht allerdings noch geraume Zeit. In der Porsche-Führung spricht man recht unkonkret von „Ende des Jahrzehnts“. „Die Planungen und Vorbereitungen laufen auf Hochtouren“, sagt Gerd Rupp. Viele im Werk und nicht nur da fragen sich allerdings: Was passiert bis zum Produktionsstart des neuen Modells?

Aktuell sieht es gut aus. Während andere Modelle schwächeln, gibt es aus Leipzig positive Nachrichten, wie Rupp sagt. „Der Macan liegt weiterhin auf Vorjahresniveau und ist die volumenstärkste Modellreihe unter den Porsche-Modellen. Dabei entfällt mehr als die Hälfte der Auslieferungen auf den vollelektrischen Macan.“ 84.328 Fahrzeuge wurden 2025 in Kundenhand übergeben, davon 45.367 E-Macan.

EU-Vorgaben zur Cybersicherheit nicht erfüllt

Zur Wahrheit gehört aber auch, dass im Sommer 2026 der letzte Verbrenner-Macan in Leipzig gebaut wird. In Europa ist der Bestseller bereits seit über einem Jahr nicht mehr erhältlich, weil das Fahrzeug die neuesten EU-Vorgaben zur Cybersicherheit nicht erfüllt und das Unternehmen im Zuge der früheren Elektro-Euphorie nicht in eine neue Fahrzeugarchitektur für das Auto investiert hat.

Der vollelektrische Macan bekommt aus der Fachwelt sehr gute Noten. Ob er allerdings die wegfallende Stückzahl des Verbrenners ersetzen kann, bleibt fraglich. „Mit dem Verbrenner-Macan endet eine Ära in Leipzig“, sagt Gerd Rupp.

Mehrere Hundert Leiharbeiter mussten gehen

Das Werk hat sich bereits vor Monaten auf einen rückläufigen Absatz eingestellt. „Aufgrund veränderter Vertriebsbedarfe haben wir unseren Schichtbetrieb angepasst und im zweiten Halbjahr 2025 überwiegend auf einen Zweischichtbetrieb umgestellt“, sagt der im schwäbischen Donauwörth geborene Rupp. Dadurch mussten mehrere Hundert Leih- und Zeitarbeiter gehen. „Diese Entscheidung war zwar schmerzhaft, aber notwendig.“ Die Stammbelegschaft von rund 4800 Beschäftigten war und ist nicht betroffen.

Der Werkschef spricht zugleich von einer „anhaltend herausfordernden wirtschaftlichen und geopolitischen Lage“. Für Porsche Leipzig haben Betriebsrat, IG Metall und Arbeitgeber eine Beschäftigungsgarantie bis 2030 vereinbart. „Wir halten an der Standortsicherung bis 2030 fest“, sagt Rupp und fügt zugleich an: „Porsche muss sich flexibel aufstellen und schnell auf Marktentwicklungen reagieren.“

Eventueller Stellenabbau sozial verträglich und auf freiwilliger Basis

Noch sind weitere Schritte nicht bekannt. Der Werkschef sagt nur so viel: „Eventuelle Maßnahmen zum Abbau von Stellen werden sozialverträglich und auf freiwilliger Basis sowie in enger Zusammenarbeit mit dem Betriebsrat durchgeführt. Die natürliche Fluktuation, der demografische Wandel und eine restriktive Handhabung bei Nachbesetzungen und Neueinstellungen bilden hierfür eine Grundlage.“

Zugleich gibt sich Rupp zuversichtlich: „Wir blicken dank des vollelektrischen Macan und des neu angekündigten SUV-Modells optimistisch in die Zukunft.“ Die Weichen seien gestellt, um weiterhin wirtschaftlich erfolgreich zu sein. „Denn das ist die Voraussetzung, um auch in Zukunft möglichst vielen Menschen einen attraktiven Arbeitsplatz zu bieten.“

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