Von Annett Kschieschan
Lausitz. Bisher war Schwarzkollm, das kleine sorbische Dorf bei Hoyerswerda, vor allem für ihn bekannt: Krabat, den sagenhaften Zauberer, dessen Geschichten Leser und Kinofans gleichzeitig begeistern. Künftig könnte Schwarzkollm außerdem für nicht weniger als die Zukunft des Fahrens stehen. Zugegeben, ein bisschen magisch klingt das auch. Bei einem Blick ins Smart Mobility Lab wird indes schnell klar: Das hier ist sehr real, auch wenn der riesige Fahrsimulator in der Halle durchaus ein bisschen futuristisch wirkt.
Mit ihm soll schon in wenigen Monaten getestet werden, welche Anforderungen etwa automatisch fahrende Autos erfüllen müssen, damit sie sicher auf den Straßen unterwegs sein können. Und nicht nur sie. In Schwarzkollm geht es um die „Erprobung des automatisierten und vernetzten Straßen- und Luftverkehrs, autonomer Landmaschinen sowie der Robotik“, informiert die TU Dresden, unter deren Federführung des Smart Mobility Lab seit 2024 gebaut wird. Vernetzte Drohnen, Roboter und andere automatisierte, ferngesteuerte, fliegende und fahrende Fahrzeuge könnten sich, so die Forscher, zu Schwärmen zusammenschließen und zeigen, wie Verkehrsströme effizienter und ressourcenschonender organisiert werden können. Solche Schwärme wären künftig vielleicht auch bei der Rekultivierung von Böden oder bei Notfällen und Naturkatastrophen einsetzbar. Günther Prokop, Professor für Kraftfahrzeugtechnik an der TU Dresden und führender Kopf des Smart Mobility Lab, rechnet damit, dass im Januar 2027 die ersten Live-Tests mit Autos stattfinden können. Der Bund fördert das Zukunftsprojekt mit 5,9 Millionen Euro. Neben den Jobs im Lab selbst könnten im Umfeld Start-ups entstehen, die die ziemlich einzigartige Infrastruktur in Schwarzkollm für eigene Entwicklungen nutzen.
Tourismus als Wirtschaftsfaktor
Oder sie finden auf dem Campus für Tourismus, Arbeit, Bildung, Wissenschaft und Kultur neue Netzwerke. Der entsteht gerade in Großräschen. Hier werden die IBA-Terrassen – das Kürzel steht für die Internationale Bauausstellung Fürst-Pückler-Land – zurzeit im großen Stil umgebaut. Für den dritten Bauabschnitt gab es gerade rund 2,66 Millionen Euro aus Mitteln des Strukturstärkungsgesetzes. Das Ziel: einen Treffpunkt schaffen, an dem Ideen für die Zukunft der ganzen Region entwickelt werden. Mitten im Lausitzer Seenland, wo vor allem auch der Tourismus Wirtschaftsfaktor ist, lassen sich Arbeit, Bildung und Erholung ideal verbinden. Das gelingt noch besser, wenn junge Leute in der Region bleiben. Mangels beruflicher Möglichkeiten zieht es viele von ihnen derzeit noch in die Großstädte abseits der Lausitz.
Gut möglich, dass die neu gegründete Medizinische Universität Lausitz daran etwas ändert. Zum ersten Mal haben Ärzte in spe damit die Möglichkeit, ihr Studium direkt in der Region, konkret in Cottbus, zu absolvieren. Offizieller Start des Universitätsbetriebes ist am 1. Oktober mit dem Beginn des Wintersemesters 2026/27. 36 Studentinnen und Studenten haben sich immatrikuliert. Perspektivisch soll ihre Zahl bis 2035 auf 165 pro Jahr steigen, heißt es aus dem brandenburgischen Wissenschaftsministerium. Der Standort sei nicht zufällig gewählt worden. „Cottbus ist inzwischen die dynamischste Stadt Deutschlands“, so Ministerpräsident Dietmar Woidke.
Die neue Hochschule, der neue Campus, das neue Zentrum für automatisiertes Fahren – den Krisen der Zeit zum Trotz tut sich eine Menge in der Lausitz. Alle drei Projekte werden genau wie das ebenfalls im Aufbau befindliche Großforschungszentrum für Astrophysik in Görlitz viele Jobs und damit Perspektiven in der vom Strukturwandel besonders betroffenen Region schaffen. Das ist nicht magisch, hätte den Zauberer Krabat aber wohl auch gefreut.


