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Chemiekonzern Wacker konkretisiert Sparpläne: 200 Stellen in Nünchritz werden gestrichen

Der Chemieriese Wacker plant den Abbau von 200 Stellen im sächsischen Werk in Nünchritz. Betriebsbedingte Kündigungen soll es nicht geben. Auch der Betriebsrat sieht den Kompromiss positiv.

Lesedauer: 2 Minuten

Tobias Winzer und Jörg Richter

Nünchritz/München. Im Wacker-Chemiewerk in Nünchritz (Landkreis Meißen) sollen bis Ende 2027 rund 200 Stellen gestrichen werden. Das teilte der Konzern mit Sitz in München am Freitag mit. Demnach haben sich Unternehmensleitung und Arbeitnehmervertretung auf ein Rahmenkonzept für den sozialverträglichen Abbau von rund 1600 Stellen an allen Standorten in Deutschland geeinigt.

Geplant ist demnach, am weltweit größten Wacker-Standort in Burghausen (Bayern) 1.300 Arbeitsplätze abzubauen, am Unternehmenssitz in München 60 Stellen sowie an weiteren Wacker-Standorten in Deutschland insgesamt 50 Stellen.

Diese Regelungen schaffen jetzt Klarheit und Erleichterung nach Monaten der Ungewissheit. – Manfred Köppl, Mitglied im Konzernbetriebsrat

In Nünchritz sind derzeit noch 1600 Mitarbeiter beschäftigt. Es ist Sachsens größtes Chemiewerk. Mitarbeiter hatten befürchtet, dass im Rahmen der Sparpläne bis zu 500 Stellen wegfallen könnten.

Wacker setzt bei Stellenabbau auf Freiwilligenprogramm

Der geplante Stellenabbau erfolge über ein Freiwilligenprogramm mit Altersteilzeitregelungen und Aufhebungsverträgen, heißt es. Zudem bekommen alle Mitarbeiter in Deutschland bis 2028 vier Prozent weniger Lohn. Sie müssen dafür aber auch vier Prozent weniger arbeiten. Dadurch ergebe sich der erforderliche finanzielle Spielraum, um betriebsbedingte Kündigungen auszuschließen, heißt es.

„Mit der jetzt abgeschlossenen Vereinbarung haben wir einen wichtigen Meilenstein erreicht, um den notwendigen Wandel auch in Deutschland voranzutreiben und unsere Wettbewerbsfähigkeit zu stärken”, wird Wacker-Chef Christian Hartel zitiert. Um Kosten zu sparen, sollen Betriebe in der Produktion zusammengelegt und das Schichtsystem flexibilisiert werden. Außerdem soll es „Verlagerungen an internationale Service-Hubs“ geben.

Damit sichern wir auch den Standort langfristig, um auch künftig ein verlässlicher Arbeitgeber vor Ort sein zu können. – Jutta Matreux, Werkleiterin Wacker Nünchritz

Auch die Nünchritzer Werkleiterin Jutta Matreux sieht die Einigung der Konzernleitung mit dem Betriebsrat positiv. „Damit haben wir eine klare und verlässliche Grundlage für die anstehenden Veränderungen geschaffen”, schreibt sie auf Anfrage der Sächsischen Zeitung. „Wir setzen die Maßnahmen sozialverträglich um und nehmen dabei unsere Verantwortung für die Menschen am Standort ebenso ernst wie unsere Verantwortung für die Region.“

Mit dem Kosten- und Effizienzprogramm PACE würde auch der Standort Nünchritz langfristig gesichert, „um auch künftig ein verlässlicher Arbeitgeber vor Ort sein zu können.“

Der Nünchritzer Betriebsratsvorsitzende Göran Gust dankt dem Verhandlungsteam des Konzernbetriebsrats um Manfred Köppl. Der Burghausener spricht von „harten und langwierigen Verhandlungen“, die in einer speziellen „Wacker‑Lösung“ endeten, um betriebsbedingte Kündigungen zu vermeiden.

Statt einer 37,5‑Stunden‑Woche wurde eine Arbeitszeit von 36 Stunden pro Woche vereinbart. Gust merkt an, dass in Nünchritz bisher 38,5 Stunden pro Woche gearbeitet werden. Durch die Arbeitszeitkürzung um vier Prozent werden es 37 Stunden.

Konzernbetriebsrat mit Kompromiss zufrieden

„Wir sind mit dem Verhandlungsergebnis zufrieden. Es ist ein Kompromiss, der den Erhalt der Arbeitsplätze sichert und gleichzeitig die Zukunftsfähigkeit des Unternehmens stärkt“, erklärt Konzernbetriebsrat Köppl. „Diese Regelungen schaffen jetzt Klarheit und Erleichterung nach Monaten der Ungewissheit.“ Die Resonanz aus der Belegschaft nach der Betriebsversammlung am Freitag sei durchweg positiv gewesen.

Wacker ist 2025 mit einem Rekordverlust von 800 Millionen Euro tief in die roten Zahlen gerutscht. Die chemische Industrie ist in Deutschland flächendeckend in der Krise, bedingt sowohl durch gesunkene Nachfrage auf den Weltmärkten als auch den Wettbewerbsnachteil der hohen deutschen Energiepreise. 2024 hatte der Konzern noch einen Nettogewinn von knapp 261 Millionen Euro erwirtschaftet.

SZ

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