Leipzig. So haben sich die Beschäftigten bei Domo in Leuna die Feiertage nicht vorgestellt. Über Weihnachten mussten das Chemieunternehmen und zwei Schwesterfirmen Insolvenz anmelden. Betroffen sind insgesamt 585 Beschäftigte. Die Mitteldeutsche Zeitung hatte zunächst berichtet.
Bei den Firmen Domo Chemicals und Domo Caproleuna (beiden in Leuna) sowie Domo Engineering Plastics GmbH aus dem brandenburgischen Premnitz handelt es sich um Töchter des belgischen Familienunternehmens Domo Chemicals, wie der zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellte hallesche Anwalt Lucas Flöther sagt.
Mix aus Gründen für Insolvenz verantwortlich
Ein Mix aus Gründen hätte zur Insolvenz geführt, wie Lucas Flöther auf Nachfrage von Leipziger Volkszeitung und Sächsischer Zeitung mitteilt. Er nannte insbesondere die hohen Energiepreise und eine rückläufige Nachfrage aus der Autoindustrie.
Domo stellt in Leuna neben weiteren chemischen Produkten vorwiegend Polyamid 6 her. Das ist ein thermoplastischer, teilkristalliner Kunststoff, der wärmebeständig ist und aus dem eine Reihe von Produkten für die Autoindustrie hergestellt werden, darunter Kabelkanäle, Motorabdeckungen, Lampenhalterungen und Airbags.
Wird Domo weiter mit Dampf und Strom beliefert?
An diesem Montag soll die Belegschaft über die Insolvenz und das weitere Vorgehen des Verwalters informiert werden. „Wir versuchen zuallererst, den Betrieb zu stabilisieren“, so Lucas Flöther. Um eine Drosselung der Produktion werde man wahrscheinlich nicht umhinkommen. Zugleich sucht der Anwalt nach möglichen Investoren, die bei Domo einsteigen.
Unterstützung erhofft sich der Verwalter von Infraleuna. Die Betreibergesellschaft des Chemieparks stellt den Firmen am Standort unter anderem Dampf und Elektroenergie zur Verfügung. Jetzt gehe es darum, dass Infraleuna weiter liefert.
Hilferuf im Sommer: „Uns brennt das Haus“
Bereits in diesem Sommer hatte die Geschäftsführung einen Hilferuf in Richtung Berlin und Brüssel gesendet. „Uns brennt das Haus“, hatte Vedran Kujundzic, Marketing- und Vertriebsvorstand der belgischen Domo-Gruppe und einer der Geschäftsführer in Leuna, im Gespräch mit LVZ und SZ gesagt. Die Chemie sei auf wettbewerbsfähige Energiepreise angewiesen. Aber von solchen sei man meilenweit entfernt.
Der Domo-Vertriebschef verwies auf die angekündigte Schließung von wichtigen Anlagen des US-Konzerns Dow Chemical in Mitteldeutschland. Den Schritt der Amerikaner könne er nachvollziehen, so Kujundzic. Zugleich bedauere er die Schließung sehr. „Wir hoffen, dass die Entscheidung von Dow zugleich ein Weckruf ist in Richtung der Bundesregierung und auch in Richtung Europäische Kommission.“ Denn auch Dow plagen neben Überkapazitäten vor allem die hohen Energiepreise. Das war, wie gesagt, im Sommer dieses Jahres.
Domo gehört zu den Technologieführern
Die Domo-Gruppe leidet nach eigenen Angaben seit Jahren unter der schwachen Nachfrage in der europäischen Chemieindustrie. Zu den hohen Energiepreisen kommen stark gestiegene Importe von Polyamid-Harz aus Nicht-EU-Staaten, vor allem aus China. „Das Management hat bereits 2024 reagiert und eine Restrukturierung eingeleitet“, wie Insolvenzverwalter Flöther mitteilt. Offenbar mit wenig Erfolg. Denn über Weihnachten musste man nun die Reißleine ziehen.
Der Insolvenzverwalter zeigt sich dennoch zuversichtlich: „Die deutschen Unternehmen der Domo-Gruppe gehören zu den Technologieführern ihrer Branche, hinzu kommen eine sehr leistungsfähige Belegschaft und ein hochkarätiger Kundenstamm. Das sind grundsätzlich keine schlechten Voraussetzungen, auch wenn der Markt für Chemieunternehmen natürlich schwierig ist.“


