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Das Aus für Bosch in Sebnitz: Was aus Mitarbeitern und Werk wird

2026 schließt Bosch sein Werk in Sebnitz. Die Mitarbeiter des Traditionsunternehmens haben für ihre Jobs gekämpft – und nur eine Notlösung erreicht. Welche Perspektive haben die Beschäftigten, Azubis und das Gelände?

Lesedauer: 4 Minuten

Anja Weber

Sebnitz. Einige Werkbänder bei Bosch Power Tools in Sebnitz stehen still. Bis Ende Juni 2026 werden es alle sein. Schrittweise wird die Fertigung von Elektrowerkzeugen eingestellt. Bis Ende 2026 sollen dann alle an dem Standort noch anfallenden Arbeiten abgeschlossen und die Betriebstätigkeit beendet sein. So sieht es die Konzernspitze der Robert Bosch Power Tools GmbH mit Sitz in Stuttgart vor. Der Niedergang eines traditionsreichen Industriebetriebes in Sebnitz und der gesamten Region ist schon länger beschlossen.

Im April dieses Jahres hatte der Konzern verkündet, mit Sebnitz in Ostsachsen und Leinfelden-Echterdingen in Baden-Württemberg zwei seiner Werke in der Werkzeugsparte bis Ende 2026 schließen zu wollen. Die Produktion soll nach Ungarn verlagert werden. Eine Welle der Entrüstung zog durch die Region. Schließlich ging es um Bosch in Sebnitz.

Beschäftigtenzahl über Jahre reduziert

Beobachter der wirtschaftlichen Situation schienen allerdings wenig überrascht. Immerhin war zum Beispiel der Abbau von Arbeitsplätzen in aller Munde.

Man hat nichts getan, dass der Standort eine Zukunft hat – Jens Ehrlichmann, Betriebsratsvositzender

Im Jahr 2016 waren es zum Beispiel noch 470 Beschäftigte, im Jahr 2023 noch 360 und zuletzt noch etwa 280. „Man hat gar nichts getan, dass der Standort eine Zukunft hat. Wir haben immer wieder Vorschläge gemacht. Aber alles wurde ignoriert“, sagte der Betriebsratsvorsitzende, Jens Ehrlichmann, bei der Protestkundgebung im Juni auf dem Sebnitzer Marktplatz.

Wer damals noch auf ein Umdenken in der Konzernspitze gehofft hatte, wurde zwei Monate bitter enttäuscht. Mitte August wurde das endgültige Aus verkündet.

Die Geschäftsleitung hat dem Standort zu keiner Zeit eine Chance eingeräumt – Uwe Garbe, IG Metall

Viele Menschen solidarisierten sich im Juni bei der Kundgebung auf dem Sebnitzer Markt mit den Bosch-Beschäftigten.
Viele Menschen solidarisierten sich im Juni bei der Kundgebung auf dem Sebnitzer Markt mit den Bosch-Beschäftigten.
Quelle: Egbert Kamprath

Die Gewerkschaft IG Metall, die sich hinter die Boschwerker gestellt hatte, reagierte mit heftiger Kritik. „Die Geschäftsleitung hat dem Standort zu keiner Zeit eine Chance eingeräumt. Vielleicht doch noch den Turnaround zu schaffen und ihren rund 280 Beschäftigten eine Zukunftsperspektive zu geben“, sagt Uwe Garbe, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Ostsachsen. Im Gegenteil. Die Geschäftsleitung habe den Betriebsrat frühzeitig mit juristischen Mitteln ins Einigungsstellenverfahren gezwungen, um den Standort möglichst schnell abzuwickeln. „Das ist skandalös. So geht man nicht mit Menschen um.“

Im Juni 2023 feierte Ministerpräsident Michael Kretschmer bei Bosch Power Tools in Sebnitz noch das 75 Millionste Werkzeug, das gebaut wurde.
Im Juni 2023 feierte Ministerpräsident Michael Kretschmer bei Bosch Power Tools in Sebnitz noch das 75 Millionste Werkzeug, das gebaut wurde.
Quelle: Karl-Ludwig Oberthuer

IG Metall und Beschäftigte hatten mit massiven Protesten und Aktionen Widerstand gegen die Konzernpläne geleistet. Eine Online-Petition zum Erhalt des Werkes wurde gestartet. Die ist inzwischen geschlossen. 3126 Unterschriften wurden geleistet, 1456 Kommentare geschrieben. „Als ehemaliger Lehrling blutet mir das Herz, wenn ich den Niedergang und die Abwanderung sehe”, heißt es in einem der letzten Kommentare.

Transfergesellschaft und Abfindungsangebot

Inzwischen wurde ein Sozialplan erarbeitet. Die enthaltenen Maßnahmen umfassen im Einzelnen ein Abfindungsangebot mit Wechsel in eine Transfergesellschaft. „Der mit der Stilllegung des Standortes einhergehende erforderliche Personalabbau soll dadurch möglichst sozialverträglich umgesetzt werden“, sagt Unternehmenssprecher Manuel Roj. Nahezu alle Mitarbeitenden hätten sich entschieden, das Abfindungsangebot mit Wechsel in die Transfergesellschaft anzunehmen.

Der mit der Stilllegung des Standortes einhergehende Personalabbau soll möglichst sozialverträglich umgesetzt werden – Manuel Roj, Unternehmenssprecher

„Einzelnen Mitarbeitende, die das Angebot abgelehnt haben, musste leider, wie im Sozialplan vorgesehen, betriebsbedingt gekündigt werden. Wichtig ist uns zu betonen, dass auch diese Mitarbeitenden eine Abfindung gemäß Sozialplan erhalten werden“, sagt der Sprecher.

Der Wechsel in die Transfergesellschaft erfolge über einen sogenannten dreiseitigen Vertrag zwischen Bosch Power Tools, dem Mitarbeitenden und der Transfergesellschaft. Ein entsprechendes Angebot haben die Beschäftigten erhalten. Und nahezu alle hätten sich entschieden, das Abfindungsangebot samt Wechsel in die Transfergesellschaft anzunehmen.

Nicht mehr lange finanziell abgesichert

Das Ziel der Gesellschaft bestehe darin, die Menschen dabei zu unterstützen, eine neue Anstellung zu finden. Während ihrer Zeit in der Transfergesellschaft erhalten sie ein Entgelt und sind dadurch finanziell abgesichert. Darüber hinaus würden Ausschreibungen anderer Bosch-Standorte geteilt. Im Klartext heißt das jedoch auch, für die Beschäftigten ist das nur eine Notlösung.

Mit der Schließung fallen nicht nur 280 Arbeitsplätze weg. Weitere Geschäftspartner sind ebenso betroffen.
Mit der Schließung fallen nicht nur 280 Arbeitsplätze weg. Weitere Geschäftspartner sind ebenso betroffen.
Quelle: Egbert Kamprath

Ähnlich wie bei den Beschäftigten wurde auch die Anzahl der Auszubildenden sukzessive nach unten geschraubt. Vor Jahren waren es noch 30 Lehrlinge, zuletzt 15. Ab diesem Jahr wurde keiner mehr eingestellt. Aktuell sind es noch acht. Sofern ihre Ausbildung über den 30. Juni 2026 hinaus andauert, haben sie die Möglichkeit, in Abstimmung mit dem Unternehmen diese an einem anderen Bosch-Standort abzuschließen, sagt der Konzernsprecher.

Suche nach einem Käufer für die Gebäude läuft

Da sich das Unternehmen komplett zurückzieht, bleibt die Frage, was aus den Gebäuden am Standort an der Hohnsteiner Straße wird. „Es haben bereits Gespräche mit potenziellen Interessenten stattgefunden. Derzeit gibt es jedoch keine Ergebnisse, die hierzu geteilt werden können“, sagt der Unternehmenssprecher. Solche Prozesse würden vertraulich geführt. Deshalb könne man sich auch nicht zu Details äußern. Und es gebe auch keine Aussagen darüber, was letztlich mit dem Firmenkomplex werde, wenn sich kein Käufer findet.

SZ

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