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Das haben die Bautzener Bauforscher ab 2026 vor

Das Bauforschungszentrum des Bundes wird ab 2026 in Bautzen und anderen Standorten in den kommenden Jahren entstehen. So lange wollen die Beteiligten der TU Dresden und Betriebe aus Ostsachsen mit der Arbeit nicht warten.

Lesedauer: 2 Minuten

Die Professoren Steffen Marx und Viktor Mechtcherine (von links) von der TU Dresden erklärten bei der Regionalkonferenz Oberlausitz im Bautzener Landratsamt, was das künftige Bauforschungszentrum vorhat. Quelle: Steffen Unger

David Berndt

Bautzen. Wissenschaftler der TU Dresden haben bei der zweiten Regionalkonferenz Oberlausitz erste Projektideen für das „Bundesforschungszentrum klimaneutrales und ressourcenschonendes Bauen“ (BFZ) in Bautzen und der Lausitz vorgestellt. Das BFZ erhält eine dezentrale Struktur mit einem Vereinssitz und angewandter Forschung in Bautzen als Vertreter für Sachsen sowie Standorten in Thüringen und Baden-Württemberg. Dies seien die drei Gründungsländer. Die Gründungsphase soll 2028 abgeschlossen sein.

So lange wollen aber beteiligte Wissenschaftler der TU Dresden nicht warten. Bereits vor der formalen Gründung starte eine Projektphase, erklärte Professor Viktor Mechtcherine, Direktor des Instituts für Baustoffe an der TU Dresden. Demnach beschäftige sich jedes der drei BFZ-Bundesländer mit je einem Cluster. Das Bautzener heiße „Ressourcenresliente, digitale Transformation des Gebäudebestands“.

Wir müssen endlich verstehen, dass Gebäudebestand ein Riesenwert ist und kein Risiko oder eine Last. – Professor Steffen Marx, Direktor des Instituts für Massivbau der TU Dresden

Es gehe also vor allem darum, den Gebäudebestand zu erhalten, und zwar klimaneutral. Dazu kommen automatisierte Bauprozesse für die Instandsetzung, zukunftsgerechte mineralisch gebundene Werkstoffe oder die kreislaufgerechte Transformation.

Gebäudeelemente sollen etwa wiederverwendet und mehrfach genutzt werden und „Bauen ohne Verschwendung“ passieren. Professor Steffen Marx stellt die ersten Projektideen etwas genauer vor. Die Ergebnisse sollen in den direkten Transfer in die Praxis überführt werden. „Wir müssen endlich verstehen, dass Gebäudebestand ein Riesenwert ist und kein Risiko oder eine Last“, sagte der Direktor des Instituts für Massivbau der TU Dresden.

Dazu brauche man die Lausitz und die Chance, mit diesem Bauforschungszentrum voranzukommen. Verwaltung, Wissenschaft und Wirtschaft sollen dabei eng zusammenarbeiten. Die Projekte sollen auch für kleine Handwerksbetriebe attraktiv sein.

Drei Projekte der Bautzener Bauforscher

Ein Projekt seien die Methoden für eine „Minimal-Interventions-Sanierung“. Ziel ist es etwa, Holzbalkendecken in Verbunddecken aus Holz und Beton umzubauen, um Fußbodenheizungen zu installieren. So würden sich die Gebäude besser für Wärmepumpen eignen, Schall-, Brand- sowie Schwingungsschutz würden sich erheblich verbessern und Tragfähigkeit sowie Steifigkeiten erhöhen. Projektpartner aus der Industrie ist die Firma Bendl HTS aus Sebnitz.

Ein zweites Projekt beschäftige sich mit „kreislaufgerechtem modularem Bauen“. Das heißt, für den Bau nutzt man trocken verbaute Großblöcke aus Kalksandstein. Damit könne man schnell ein- und zweigeschossig bauen. Genauso schnell seien die Gebäude wieder auseinandergebaut und die Materialien wieder verwendbar. Partner dafür ist die Firma Moritz Bau in Hoyerswerda. „Wir verknüpfen das jetzt mit Grundlagenforschung und werden gleich versuchen, eine bauaufsichtliche Zulassung zu bekommen“, sagt Steffen Marx.

Hochbaulabor und Fertigungsanlage mit Hentschke Bau in Bautzen geplant

Drittes Vorhaben ist es, Naturbaustoffe wie Lehm und Fasern, die früher weitverbreitet waren, aus der Nische zu holen. Das gehe nur über industrialisierte Prozesse. Mit dem Projektpartner Hentschke Bau aus Bautzen habe Steffen Marx schon darüber gesprochen. „Wir planen, mit diesen Naturbaustoffen wie Schilfrohr, Miscanthus, Hanf oder Lehm in die Industrialisierung zu gehen und gemeinsam mit Hentschke Bau eine Fertigungsanlage zu entwickeln.“

Es gehe dabei um regional verfügbare Baustoffe, die man vielleicht sogar über Tagebaurestflächen erschließen könnte. In der Fertigungsanlage sollen Wand- und Deckenelemente hergestellt werden, die schnell verfügbar sind.

Gemeinsam mit Hentschke Bau habe man bereits eine Forschungsbrücke in Bautzen errichtet. Im Rahmen des BFZ werde diese um ein Hochbaulabor erweitert. Der Transfer soll etwa auch an wichtigen Objekten von Kommunal- oder Privatinitiativen wirken. Steffen Marx nennt als Beispiel die ehemalige Anker-Teigwarenfabrik in Löbau. Hier gebe es viele Nutzungseinschränkungen, weil etwa die Bedingungen für die Tragfähigkeit unklar sind. Aber das wolle das BFZ entwickeln. „Wir können eine Attraktivität erzeugen, vom Handwerk bis in die Forschungsexzellenz hinein. Diese Verknüpfung wollen wir haben.“

SZ

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