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Das ist der große Plan für den Tourismus im Zittauer Gebirge

Single-Trails, Umgebinde-Ferienpark, Kletter-Paradies: Ein Masterplan will den Naturpark zur einzigartigen Ferienregion entwickeln. Und so geht es jetzt weiter.

Lesedauer: 3 Minuten

Man sieht Menschen beim Fahrrad fahren
Nach dem großen Masterplan soll im Zittauer Gebirge unter anderem ein großes Mountainbike-Zentrum entstehen, das in Deutschland seinesgleichen sucht.. © Matthias Weber/photoweber.de

Von Jana Ulbrich

Seit anderthalb Jahren wird am großen Masterplan für das Zittauer Gebirge gearbeitet: Wo soll es eigentlich hingehen im Tourismus? Wie kann sich die Region einen Namen machen, der künftig auch deutschland- und europaweit in aller Munde ist? Was wird gebraucht und was könnte entstehen? Auf diese Fragen gibt es erste Antworten. Der Masterplan schlägt sechs große Projekte vor, die jetzt auch ganz konkret umgesetzt werden sollen. Die SZ sagt, welche das sind.

Idee 1: Ein Multi-Trail-Center im Dreiländereck

Nach dem Vorbild des bekannten Mountainbike-Parks im tschechischen Nove Mesto pod Smrkem (Neustadt an der Tafelfichte) soll auch im Zittauer Gebirge ein Multi-Trail-Center für Wanderer und Radfahrer entstehen. Zittaus Oberbürgermeister Thomas Zenker (Zkm), der das Projekt federführend begleitet, stellt sich einen Anlaufpunkt vor mit Campingplatz und Übernachtungsmöglichkeiten, einem Café oder Restaurant, Radverleih und Werkstatt.

Von diesem Anlaufpunkt aus könnten Radstrecken in verschiedenen Längen und Schwierigkeitsgraden durchs Gebirge, auf die andere Seite der Grenze und im Umland führen. „Das Zittauer Gebirge bietet für Mountainbiker so viele reizvolle Gegebenheiten, die aber bisher fast nur echten Szenekennern bekannt sind“, sagt der OB. Das könnte sich mit einem solchen Zentrum schnell ändern.

Idee 2: Ein deutsch-tschechisches Kletter-Mekka

Das Klettern hat im Zittauer Gebirge zwar eine lange Tradition, doch ist die Region als attraktives Klettergebiet überregional noch viel zu wenig bekannt. Das Gebirge soll deshalb als Kletter-Region ausgebaut und sichtbarer gemacht werden – auch international: „Wir haben hier großartige und ganz besondere Felsformationen“, sagt Thomas Zenker.

Ziel müsse es nun sein, Möglichkeiten und Angebote zu schaffen – von Kletterkursen für Anfänger bis zu höchsten Schwierigkeitsstufen für Profis. „Wer klettert, der muss einmal im Leben im Zittauer Gebirge gewesen sein. Das wollen wir erreichen.“

Idee 3: Die Eishalle als Schaufenster in das Outdoorland

Auch die Zukunft der Eishalle in Jonsdorf gehört in das Konzept. Sie soll zu einer attraktiven Erlebnisarena ausgebaut werden, die das ganze Jahr genutzt werden kann und viel mehr ist als nur ein Schlechtwetter-Angebot. Die Arena soll Anlaufpunkt und Schaufenster in das Outdoor- und Kulturland werden, so stellen es sich die Projektentwickler vor.

Erste Vorschläge für die künftige Ausrichtung als „Ganzjahres-Erlebnisraum“ gibt es bereits in einer Projektarbeit von Studenten der Hochschule Zittau/Görlitz. Sie schlagen unter anderem einen Indoor-Pumptrack und einen Entdeckerpfad im Außenbereich vor. Auf diesen Vorschlägen soll jetzt aufgebaut werden.

Idee 4: Eine Umgebindehaus-Lodge für Feriengäste

Aufgegriffen werden soll auch die Idee, die der Zittauer Bauingenieur Michael Risch ins Gespräch gebracht hatte: ein Umgebindehaus-Ferienpark. Risch hatte vorgeschlagen, baufällige Umgebindehäuser, die an ihrem Standort keine Nutzung mehr finden, vor dem Verfall zu retten, indem sie anderswo neu aufgebaut werden – eben zum Beispiel als Ferienhäuser.

Viele Gäste wünschen sich, in der typischen Architektur ihrer Urlaubsregion zu übernachten – warum also nicht ähnlich eines Hüttendorfes in einer Lodge aus wiederbelebter historischer Umgebinde-Architektur?, findet Zittaus Oberbürgermeister. Denkbare Standorte seien zum Beispiel der Olbersdorfer See oder das Multi-Trailcenter.

Idee 5: Sonnenpfade und andere Erlebnisse für Entdecker

Warum nicht auch die Steine und Felsen touristisch noch besser vermarkten? Warum nicht Geschichten rund um den „Steinzoo“ erzählen und daraus Kinderbücher machen? Und neben den von Wasser und Wind geformten Sandsteinformationen wie der Brütenden Henne, dem Nashorn oder den Elefantensteinen gibt es da ja auch noch die prähistorischen Zeugen der Archäo-Astronomie.

Das Projekt der Sonnenpfade und Sonnenheiligtümer soll zusammen mit der Touristischen Gebietsgemeinschaft Oberlausitzer Bergland entwickelt werden, wo es in Sohland an der Spree bereits sehr aktive Hobby-Archäo-Astronomen gibt. Die Oberlausitz als kleines Stonehenge? Warum nicht?

Idee 6: Exklusive „Wohnzimmer“-Konzerte

Nicht zuletzt ist auch an die Kulturtouristen gedacht. Geplant ist eine dauerhafte exklusive „Wohnzimmer“-Konzertreihe mit hochrangigen Künstlern an besonderen Orten der Architekturgeschichte, die sonst nicht oder kaum zugänglich sind, wie beispielsweise das Haus Schminke oder auch die Klosterruine auf dem Oybin.

„Unsere Idee ist es, die Konzerte hochwertig zu filmen und im Rahmen des internationalen Tourismusmarketings des Freistaates im Netz zu veröffentlichen“, erklärt der OB. Zeitlich sollen die Aufführungen rund um die Termine großer Musikfestivals an anderen Orten gelegt werden. Damit will sich das Zittauer Gebirge einen Ruf als progressiver Kulturstandort erwerben. Perspektivisch könnten so jährlich 5.000 bis 20.000 zahlungskräftige Gäste aus einer ganz neuen Zielgruppe begrüßt werden, rechnet der Masterplan vor.

Und so wird es jetzt konkret

Am 17. und 18. November finden im Seifhennersdorfer Querxenland sechs zweitägige Workshops zu den sechs Projekten statt. Eingeladen sind dazu verschiedene Experten und Akteure mit Erfahrungen und Bezug zu den jeweiligen Themengebieten. „Wir möchten an diesen zwei Tagen ganz strukturiert an den Projekten arbeiten und klären, wie und wo sie umgesetzt werden können und was dafür nötig ist“, so der OB.

Auch die Finanzierung werde eine Rolle spielen. Um Fördermittel beispielsweise aus den aktuell gerade neu gestarteten Leader- und Interreg-Programmen akquirieren zu können, müssten bereits im Frühjahr konkrete Projektanträge vorgelegt werden können.

Wer sich gern mit seinem Wissen und Ideen zu einem dieser Themen einbringen möchte, kann sich noch um die Teilnahme an einem der sechs Workshops bewerben. Die Bewerbung läuft über das Internet mit einer kurzen Vita und ein paar Sätzen zur Motivation.

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