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Das sind die ungewöhnlichsten Urlaubsquartiere im Osterzgebirge

Futuristisch raumgeifend oder radikal platzbeschränkt - zwischen Rehefeld und Hermsdorf haben sich drei Gastgeber etwas einfallen lassen.

Lesedauer: 4 Minuten

Man sieht ein Haus.
Die neuen Häuser in Rehefeld fallen auf - auch im Internet auf der Suche nach Ferienunterkünften. © Egbert Kamprath

Von Siiri Klose

Die Häuser am Ortsrand von Rehefeld wirken wie Ufo-Beobachtungsstationen. Nicht nur dort sind sie ein Hingucker, auch auf den einschlägigen Ferienhaus-Buchungsplattformen im Internet fallen sie sofort ins Auge. Zumindest eines der Häuser wird von Karoline Lang und Tim Arlt an Gäste vermietet – je nach Belegungszeit und Anzahl der Personen ab 270 Euro pro Nacht. Dafür gibt es drei Doppelschlafzimmer, zwei Bäder und eine gigantische Wohnlandschaft zwischen der Küchenzeile und dem riesigen Panoramaausblick auf das Rehefelder Tal der Wilden Weißeritz. „Hier kann man oft den Nebel über dem Wald sehen“, sagt Karoline Lang.

Noch bei der ersten Besichtigung erlag das Paar dieser Verbindung aus Naturnähe und moderner Architektur, von Glas, Metall und warmen Holz. „Wir hatten etwas für uns und unsere Kinder gesucht, und hier stimmte einfach alles.“ Dabei spielte der Aspekt „Winter im Erzgebirge“ für die Leipziger Familie keine Rolle, als sie das Haus 2022 kauften: „Wir sind eher fürs Wandern.“ Letztlich sind sie beruflich jedoch so eingebunden, dass sie es nach ihrem Geschmack viel zu selten ins Osterzgebirge schaffen. „Deshalb entschlossen wir uns 2023 für die Vermietung.“

Und die läuft super: „Unser erster Gast war ein Finne, den seine Firma neu nach Dresden versetzt hatte. Er blieb direkt einen Monat lang“, erinnert sich Karoline Lang. Ansonsten kommen Berliner, Brandenburger und Bayern. Führungskräfte mieten sich für Workshops ein, andere feiern Junggesellenabschiede. „Schlechte Erfahrungen haben wir keine gemacht. Allerdings erlauben wir keine Hunde.“

Ihre Gäste fragen oft nach Tipps für Wander- und Radwege, auch ihnen geht es weniger um Wintersport. Dafür reagieren viele erleichtert auf die E-Ladestation in der Garage und nutzen erstaunlich rege den Fitnessraum. „Und wir sind natürlich froh, dass wir sie zum Restaurant vom Hotel Waldeslust schicken können, die haben wirklich eine gute Küche.“

Lagerfeuerromantik in Hermsdorf

Was da auf dem Gelände des Urselhofes in Hermsdorf steht, sieht nur auf den ersten Blick aus wie ein amerikanisches Tipi. Es ist jedoch eine waschechte Kote. Genäht wurde sie von Felix Förster so, wie es bei den Samen üblich ist – ein nomadisierendes Volk, dass in Schweden mit seinen Rentierherden mehrmals im Jahr weiterzieht: „Es gibt eine Winterweide und eine Sommerweide. Wenn die Kälber geboren werden, gibt es auch eine spezielle Kälberweide, wo sie erst einmal mit ihren Müttern bleiben“, erklärt Förster. Drei Jahre lebte er in Schweden, leitete dort ein Feriendorf und ließ sich zum „Friluftsliv“ ausbilden, also zu jemanden, der in der freien Natur lebt. „Während der Ausbildung habe ich auch dieses Zelt genäht.“

Wenn die Samen weiterziehen, nehmen sie nur die textile Bespannung ihrer Zelte mit und lassen das Lattengerüst für das nächste Mal stehen. Felix Förster, der mittlerweile im Gimmlitztal wohnt, bezieht sein Gerüst mit der Baumwoll-Hülle, sobald jemand sein Tipi mietet. Inseriert hat er es auf Airbnb: 13 Quadratmeter für 90 Euro pro Nacht und Schlafplätzen für vier Personen. Was auch dazu gehört: Küche, Dusche und WC im Urselhof. Selbst mitzubringen sind Isomatte und Schlafsack.

„Häufig kommen Familien für drei, vier Nächte, aber auch Jungsgruppen, die mal am Feuer schlafen wollen“, sagt Felix Förster. Denn das offene Feuer direkt unter dem Rauchfang ist die wahre Attraktion der Kote: „Wenn man im Kreis um ein Feuer sitzt, in diesem geschlossenen Raum des Zeltes, entsteht eine besondere Atmosphäre. Gespräche fallen leichter und gehen tiefer.“ Rund um das Feuer haben 15 Personen Platz, und wenn die auch alle noch übernachten wollen, hat der Urselhof noch Ferienzimmer, Heulager oder Platz für ein Zelt in petto.

Schlafkapseln in Neuhermsdorf

„Ideen? Her damit! Probieren wir aus.“ So lässt sich Gerrit Curcios Motto für sein Hotel Altes Zollhaus in Neuhermsdorf zusammenfassen. So war es auch mit den Schlafkapseln, die sein Sohn zuerst im Internet entdeckte: futuristische Boxen, die die Übernachtung auf das Wesentlichste reduzieren: Ein Bett zum Schlafen. Mit 1,40 Meter Breite, zwei Metern Länge und einem Meter Höhe bieten sie sogar Platz für zwei Personen – so lange man sich angemessen gern hat. Vier der Kapseln stehen nun in einem Raum des Hotels – und das Personal ist überrascht, wie gut die Nachfrage ist.

„Vor allem von Durchreisenden werden sie gern genutzt“, sagt Rezeptionistin Katja Lange. Davon gibt es einige: Wanderer, Rad- und Motorradfahrer, Langläufer. „Manche Gäste kommen vor allem wegen unserer Retreats“, sagt Lange. Curcio hat das Alte Zollhaus als Ort für Kurse und Kuren mit Yoga-Lehrern und Fasten-Therapeuten etabliert, manche Gäste buchen vor allem deshalb. „Für eine Übernachtung in der Schlafkapsel zahlen sie 65 Euro mit Frühstück“, sagt Katja Lange. „Dafür können sie den Wellnessbereich, das Haus und unser Außengelände mit nutzen.“ Beispielsweise das Baumkino, auch so eine Idee Curcios: Eine Reihe Kino-Klappstühle mit Blick auf die uralte Kastanie direkt vor dem Haus. Die anderen Zimmer starten bei 100 Euro pro Übernachtung.

„Schallisolierend sind die Kapseln nicht, viel Privatsphäre kann man nicht erwarten“, sagt Lange. Dennoch würde sich niemand beschweren, „nur am Anfang, als wir noch die mitgelieferten Matratzen verwendeten, klagten manche, dass die zu hart seien. Aber die haben wir inzwischen ausgetauscht.“ Weniger Privatsphäre als im Hotelzimmer, aber mehr Komfort als auf dem Campingplatz – ein faires Angebot, finden die Nutzer.

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