Meißen. Von der Terrasse der Elbtalschmiede kann man dem Wasser gemächlich beim Fließen zusehen. Das Restaurant liegt auf der rechten Flussseite, etwa drei Kilometer nördlich des Meißner Stadtkerns. „Der Entschluss fiel recht schnell“, meint der neue Betreiber Matthias Witte, der das Restaurant am 1. Mai unter dem altbekannten Namen neu eröffnete. „Die Lage und der Verpächter passten.“
Witte hat sich 20 Jahre lang auf den Tag X der Selbstständigkeit vorbereitet, meint er. 2005 hat er seine Ausbildung zum Koch im Dresdner Maritim Hotel abgeschlossen, danach folgten unter anderem Stationen als Küchenchef im Restaurant Waldmax in Dresden-Klotzsche und im Marktstübchen in Wehlen. „Ich habe zehn Jahre lang nach einem eigenen Restaurant geschaut und nie das perfekte Objekt gefunden“, meint der 39-Jährige, der mit seiner Partnerin und zwei Söhnen in Dresden lebt. In Meißen wurde er schließlich fündig.
Keinen Tag Ruhe
Matthias Witte ist Koch mit Leib und Seele. „Die geschäftliche Seite ist für mich Neuland“, meint er, „die Küche ist das Herz.“ In der Elbtalschmiede will er gutbürgerliche Küche mit sächsischem und Meißner Einschnitt anbieten – zu einem guten Preis und mit guter Qualität. Ein Schnitzel mit Bratkartoffeln gibt es beispielsweise für 18,90 Euro, für eine Hausmacher-Sülze werden 15,60 Euro fällig. „Ich weiß, was die Leute wollen“, ist Witte überzeugt.
Vor fünf Jahren hätte er das Schnitzel noch für fünf Euro weniger verkauft, meint er. Doch der Fleischpreis sei explodiert, auch aufgrund von EU-Regelungen. „Alles wird teurer“, stellt er fest, „auch das Personal.“ In der Elbtalschmiede arbeiten drei Leute in der Küche, vier weitere in der Bedienung. Dazu kommen drei Aushilfen. Die sind nötig, denn das Restaurant hat an sieben Tagen in der Woche geöffnet.
Ich bin Gastronom der alten Schule. Wenn ich hinter dem Herd stehe und da hängen 30 Bons, das macht mir Spaß. – Matthias Witte, Betreiber Elbtalschmiede
„Wenn andere Ruhetag haben, ist das für mich wie Samstag“, berichtet Matthias Witte. Auf der geräumigen Terrasse finden etwa 80 Leute Platz, noch einmal so viele können im Innenraum sitzen. So will der Chef das Lokal auch im Winter erfolgreich betreiben.
Viel Leid gewohnt
Dieser Arbeitseifer kommt nicht von ungefähr: „Ich bin Gastronom der alten Schule“, meint Witte, „das versteht nicht jeder. Wenn ich hinter dem Herd stehe und da hängen 30 Bons, das macht mir Spaß.“ Der Wunsch, Koch zu werden, stand seit einem Praktikum in der 8. Klasse fest, erzählt er. Sein erster Traum, Profisportler zu werden, scheiterte an Rückenproblemen.
„Ich bin viel Leid gewohnt“, führt Matthias Witte weiter aus. Dennoch ist er kein Küchenchef, der viel herumschreit: „Das bringt nichts, die Leute werden unmotiviert.“ Stattdessen will er das Familiäre in die Gastronomie zurückbringen: „Alle kommen gern auf die Arbeit, alle fühlen sich wichtig.“ Dazu gehört auch die Pflege des eigenen Personals: Solide Bezahlung, mehr Urlaub (26 Tage) und eine Edenred-Karte mit steuerfreiem Guthaben verspricht Matthias Witte seinen Angestellten unter anderem.

Das Restaurant hat er im Mai eröffnet.
„Über Corona sind viele Aushilfen weggebrochen“, erzählt er. Die Pandemie habe ein Problem verstärkt, das bereits vorher in der Gastronomie bestand. Kaum jemand rutscht in Familienbetrieben nach, es gebe immer weniger Azubis. „Eigentlich ist das Gastgewerbe tot“, sagt Matthias Witte, obgleich er selbst der lebendige Gegenbeweis ist. „Keiner will mehr normaler Koch sein, Geld verdient man in den hohen Positionen, als Chefkoch.“
Bierbänke für Fahrradfahrer
Darum geht es ihm nicht, meint Witte. „Ich will das machen, was ich liebe.“ Die Elbtalschmiede will er zu einer festen Größe in der Region machen, und bis zur Rente betreiben. Er will sich jedoch auf diesen einen Laden konzentrieren und nicht noch zusätzliche Geschäfte eröffnen. Spätestens im nächsten Jahr will er auch noch zwei bis drei weitere Leute einstellen, wenn das Geld da ist.
Mein großer Sohn sagt seit drei Jahren, er will bei mir in die Lehre. – Matthias Witte, Betreiber Elbtalschmiede
Die Lage an der Elbe nutzt Matthias Witte freilich aus. Für Radler gibt es einen Selbstbedienungsbereich, sie können sich mit einer Grillwurst und einem Bier auf die Bierbänke neben dem Spielplatz setzen. Knapp 30 Parkplätze kann der Betreiber auf dem umfangreichen Areal ebenfalls zur Verfügung stellen. „In drei Wochen haben wir hier alles hochgezogen“, erzählt er, „inklusive des Spielplatzes.“ Der Vormieter war insolvent gegangen und hatte viele Möbel mitgenommen, sodass Witte das Restaurant neu möblieren musste.
Matthias Witte stehen noch viele Jahre am Herd ins Haus. Seine Nachfolge ist aber möglicherweise bereits gesichert: „Mein großer Sohn sagt seit drei Jahren, er will bei mir in die Lehre.“ Witte rät ihm davon ab: Gastronomie sei mit großen Opfern verbunden, kaum Freizeit, keine Freunde. Das versteht der inzwischen 14-Jährige auch. „Aber er will es trotzdem“, sagt Witte fast schon amüsiert.
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