Von Annett Kschieschan
Dresden. Forschen um des Forschens Willen – darum ging es Professor Peter Wasserscheid nie. „Mir war schon immer wichtig, dass meine Forschung im Erfolgsfall auch einen gesellschaftlichen Wert hat“, sagte er vor einigen Jahren in einem Interview mit der Helmholtz-Gesellschaft. Ein Satz wie gemacht für die Auszeichnung, die der Wissenschaftler jetzt in Sachsen erhalten hat: den Archimedes Science Award 2026.
Verliehen wurde der mit 50.000 Euro dotierte Preis Anfang des Monats unter Federführung der TU Dresden vom Freistaat Sachsen und der DRESDEN-concept Science and Innovation Allianz (DDc). Peter Wasserscheid erhält ihn für seine international bedeutsamen Forschungen auf dem Gebiet der Wasserstofftechnologien. Er habe „Pionierleistungen bei der chemischen Wasserstoffspeicherung vollbracht“, heißt es in der Begründung zur Auszeichnung, die auch die von Wasserscheid geschaffenen „Grundlagen für eine sichere und kostengünstige Handhabung von Wasserstoff in der bestehenden Kraftstoff-Infrastruktur“ würdigt.
Die Basis für viele Innovationen geschaffen
Sachsen und der Wasserstoff – das soll eine Erfolgsgeschichte werden. Schon seit einigen Jahren wird hier intensiv an Möglichkeiten gearbeitet, das Element als Energieträger effizient nutzen zu können. Gerade erst fand in Dresden der 1. Ostdeutsche Wasserstoffkongress statt, in Chemnitz und Leipzig wird an eigenen Wasserstoffprojekten geforscht. Die Verleihung des Archimedes Science Awards an einen Wissenschaftler, der sich genau diesem Thema verschrieben hat, passt da besonders gut. Zumal Peter Wasserscheids Forschung genau das schafft, was mit dem Preis ausdrücklich gewürdigt werden soll: eine besondere Hebelwirkung , die in diesem Fall aus nachhaltigen Lösungen zur Energietransformation besteht. TU-Rektorin Ursula Staudinger betonte in ihrer Laudatio zudem, dass Wasserscheids Forschung dabei helfe, „konkrete Antworten auf globale Herausforderungen wie den Klimaschutz“ zu finden. „Als Exzellenzuniversität verbinden wir wissenschaftliche und technologische Spitzenleistungen mit interdisziplinären Perspektiven auf Umwelt, Wirtschaft und Gesellschaft, um tragfähige Lösungen für eine klimaneutrale Zukunft zu entwickeln. Dieser Anspruch, aus herausragender Grundlagenforschung wirksame Hebel für nachhaltige Transformation zu schaffen, verbindet uns mit dem Preisträger“, so Staudinger weiter.
Dem Geehrten selbst bedeutet die Dresdner Auszeichnung viel, wie er betont. „Der Preis ist eine großartige Auszeichnung, über die ich mich sehr freue. Mein ganz besonders herzlicher Dank geht an alle, die zu diesem Erfolg beigetragen haben und die in den vergangenen 20 Jahren mit mir für dieses wichtige Thema gebrannt haben und weiter brennen: durch neue Grundlagenerkenntnisse innovative Wasserstofftechnologien zu entwickeln und zum Wohle des Klimaschutzes in wirtschaftlich tragfähige Anwendungen zu bringen“, sagt Peter Wasserscheid.
Von Jugend Forscht zum eigenen Lehrstuhl
Sein Talent für die Wissenschaft wurde früh entdeckt. 1990 wurde er Bundessieger im Wettbewerb „Jugend forscht“. Der damals 20-Jährige hatte einen biologisch abbaubaren Kunststoff entwickelt und damit die Juroren überzeugt. Das Thema Nachhaltigkeit begleitet den gebürtigen Würzburger durch sein gesamtes Berufsleben. Auf das Chemiestudium an der RWTH Aachen folgten Promotion und später auch Habilitation. Mit gerade 32 Jahren übernahm Peter Wasserscheid den Lehrstuhl für Chemische Reaktionstechnik an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg. Sein Forschungsschwerpunkt verlagerte sich von der klassischen Petrochemie und Raffinerietechnik zu chemischer Energiespeicherung und Technologien für die Energiewende. Spätestens jetzt wurde der Wissenschaftler auch international bekannt. 2014 wurde er Gründungsdirektor des Helmholtz-Instituts Erlangen-Nürnberg für Erneuerbare Energien, einer Außenstelle des Forschungszentrums Jülich. Er engagierte sich für den Aufbau des Instituts für nachhaltige Wasserstoffwirtschaft (INW) am Forschungszentrum Jülich und übernahm schließlich die Leitung des n Bereichs „Reaktionstechnik für die Chemische Wasserstoff-Speicherung“. Seit diesem Jahr koordiniert er zudem das europäische Forschungsprogramm „Clean Hydrogen“ der European Energy Research Alliance (EERA).
Signal für den Wissenschaftsstandort
Und nun also Archimedes Science-Preisträger. Die Auszeichnung rückt nicht nur das große Forschungs-Engagement des 56-Jährigen, sondern auch sein Fachgebiet einmal mehr in den Fokus. „Wenn wir die großen Herausforderungen unserer Zeit – vom Klimaschutz bis zur industriellen Transformation – erfolgreich meistern wollen, dann brauchen wir wissenschaftliche Exzellenz, Mut zu neuen Wegen und die enge Zusammenarbeit von Wissenschaft, Wirtschaft und Politik. Mit dem Archimedes Science Award würdigen wir Persönlichkeiten, die genau dafür stehen“, hatte Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer mit Blick auf die Preisverleihung betont. Peter Wasserscheids Forschung verbinde „internationale Spitzenklasse mit konkretem Nutzen für Gesellschaft und Wirtschaft und zeigt eindrucksvoll, wie aus Erkenntnis Fortschritt entsteht“. Kretschmer weiter: „Dass wir diesen Preis in Dresden verleihen, ist ein starkes Signal für den Wissenschaftsstandort Sachsen. Darauf sind wir stolz und das werden wir auch künftig entschlossen unterstützen.“
Für Sachsen als Wasserstoff-Standort kommt dieser Preisträger auf jeden Fall gerade zur richtigen Zeit, dürfte die Ehrung doch auch den internationalen Blick auf den Freistaat lenken. Der Archimedes Science Award ist ein noch junger Preis. Er wurde 2025 zum ersten Mal vergeben. Die Verleihung soll auch die „Bedeutung Sachsens als international sichtbares Wissenschaftsland“ stärken. Das dürfte mit Professor Peter Wasserscheid gelungen sein.


