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Der Truxor bringt’s zu Wasser und zu Land: Wie der amphibische Alleskönner nach Wittichenau kam

Siegmund Zelder und Ehefrau Raphaela erschlossen sich 2008 eine Marktnische in der Gewässerpflege. Heute suchen sie weitere Mitarbeiter für ihr Unternehmen.

Lesedauer: 3 Minuten

Andreas Kirschke

Wittichenau/Hoyerswerda. Sie fährt behutsam auf dem Land und schwimmt gemächlich im Wasser – die multifunktionale amphibische Arbeitsmaschine namens Truxor. „Mit nur 40 Gramm Bodendruck pro Quadratzentimeter verursacht sie weniger Bodendruck als ein Mensch“, erläutert Siegmund Zelder, Geschäftsführer der Firma Zelder Amphibienfahrzeuge GmbH & Co. KG aus Wittichenau mit Niederlassung in Hoyerswerda.

Der Truxor wiegt 1,4 Tonnen. Er verrichtet mit seinen bis zu 20 verschiedenen Anbauteilen sämtliche Arbeiten der Gewässerpflege. In Flüssen, Gräben, Teichen, Seen, Rückhalte-Becken oder in Mooren und Feuchtgebieten kommt er zum Einsatz. Vom Mähen verschilfter, zugewachsener Wasserflächen bis zum Absaugen von verschlammten Böden arbeitet er mit seiner naturpflegenden Arbeitsweise einzigartig.

Ausgebildet in Cottbus im Baumaschinenkombinat

Hinzu kommt, dass er durch seine Leichtigkeit unkompliziert auf einem Anhänger transportiert und zum Einsatzort gefahren werden kann. So entstehen nur geringe Kosten für die Einrichtung einer Baustelle vor Ort, erläutert Siegmund Zelder.

Im Baumaschinenkombinat BMK Cottbus lernte der heute 53-Jährige ursprünglich Kfz-Mechaniker. Anschließend arbeitete er bei seinem Vater Dr. Hubertus Zelder in der Teichwirtschaft Neudorf-Klösterlich. Während der 17 Jahre Tätigkeit im elterlichen Unternehmen erweiterte er mit dem Beruf Fischwirt und mit dem Abschluss Fischwirtschaftsmeister sein Fachwissen.

Die Firmengründung war ein enormes Risiko und Wagnis. Doch wir waren überzeugt vom Truxor als Nischenprodukt in der Gewässerpflege. – Raphaela und Siegmund Zelder; Unternehmer aus Wittichenau

Als Kfz-Mechaniker war er schon immer an technischen Maschinen interessiert. Mit seinem Bruder Sebastian Zelder, dem heutigen Geschäftsführer der circa 160 Hektar großen Teichwirtschaft Zelder, sorgte er in den 1990er-Jahren für die sogenannte Melioration der gesamten Flächen für die Fischzucht, also Maßnahmen, um den Fischbestand und damit die Erträge zu steigern.

Die Entwicklung der Wasserflächen wurde im Einklang mit der Natur und Karpfenzucht betrieben. Dämme wurden stabilisiert. Zugewachsene Flächen wurden in der DDR-Zeit mit dem Mähboot „Libelle“ oder „Esox“ entkrautet. Verschlammte Stellen mussten ausgebaggert werden. Mit einem Trabant-Motor baute Siegmund Zelder ein Mähboot um. Somit konnten die Arbeiten in der Gewässerpflege voranschreiten.

Schwedisches Unternehmen hat den Truxor entwickelt

Immer auf der Suche nach effektiveren, moderneren Fahrzeugen wurde Siegmund Zelder auf ein schwedisches Unternehmen unter Leitung von Torbjörn Hahlin aufmerksam. Das hat die amphibische Arbeitsmaschine Truxor entwickelt. Der Wittichenauer nahm Kontakt auf. Er wollte diese spezielle Maschine testen. „Ich war mehr als begeistert“, erzählt er.

Vom ersten Moment an verstanden sich die beiden. Torbjörn Hahlin fragte, ob sich Siegmund Zelder die Handelsvertretung von Truxor für Deutschland vorstellen könnte. Dieser hielt kurz Rücksprache mit seiner Frau Raphaela. Daraufhin sagte er den Handelsvertrag zu. Weltweit gab es damals nur acht Händler. Heute sind es rund 70. „Wir wollten das Neue wagen“, sagt Raphaela Zelder.

Ohne staatliche Fördergelder gründeten sie und ihr Mann 2008 den Betrieb Ökologischer Gewässerdienst Zelder. Das sei ein enormes Risiko und Wagnis gewesen. Doch die Eheleute waren überzeugt vom Truxor als Nischenprodukt in der Gewässerpflege.

Raphaela und Siegmund Zelder gründeten 2008 gemeinsam die Firma Ökologischer Gewässerdienst Zelder. 2015 wurde daraus die Amphibienfahrzeug GmbH & Co. KG.
Raphaela und Siegmund Zelder gründeten 2008 gemeinsam die Firma Ökologischer Gewässerdienst Zelder. 2015 wurde daraus die Amphibienfahrzeug GmbH & Co. KG.
Quelle: Kirschke Andreas

Schließlich kam die erste Maschine aus Schweden nach Wittichenau. Drei Monate nach der Firmengründung stellten sie den ersten Mitarbeiter ein, nach vier Monaten den zweiten Mitarbeiter. Aus den ersten Gewinnen finanzierten sie einen zweiten Truxor. 2015 riefen sie die Firma Amphibienfahrzeuge GmbH & Co. KG ins Leben. „Wir waren und sind Lernende. Wir suchen nach Lösungen für die Kunden-Anfragen. Und wir wachsen mit den Forderungen unserer Kunden“, erklärt Raphaela Zelder.

Jahrelang verzichtete die Familie auf längere Urlaube. Sie opferten sich für ihren Betrieb auf. Immer im positiven Sinn mit viel Ehrgeiz und mit Vorausdenken. „Hinzu kam die Lizenz für den Verkauf von Truxor-Maschinen in Deutschland und in Österreich“, sagt Siegmund Zelder.

„Als Generalvertretung versorgen wir heute die Kunden mit Neufahrzeugen und mit Gebrauchtmaschinen.“ Die Niederlassung Hoyerswerda ist jetzt Europas größtes Teile-Lager für Truxor-Ersatzteile. Schritt für Schritt erweiterte sich der Kundenstamm. Bald war eine Größe erreicht, die eine neue Entscheidung erforderte.

Raphaela und Siegmund Zelder entschlossen sich, den Betriebszweig Ökologischer Gewässerdienst an ein kompetentes Unternehmen abzugeben und dieses als Kooperationspartner zu gewinnen. Seitdem bearbeitet die Firma Zelder Amphibienfahrzeuge die Standbeine Vermietung von Truxor-Maschinen, Versorgung mit Ersatzteilen für Truxor-Maschinen sowie die Reparatur und Wartung amphibischer Fahrzeuge wie Truxor und Gibbs Quadski.

Heute ist die Firma mit sieben festen Mitarbeitern solide und stabil aufgestellt. Sie sucht weitere Mitarbeiter. „Wir wollen den Altersdurchschnitt bis 2030 verringern“, blickt Siegmund Zelder voraus.

SZ

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