Pulsnitz. Die Nachricht war für viele in Oberlichtenau ein Schock: Vor gut einem Jahr starb der Besitzer des Barockschlosses im Ort. Erst 2019 hatten Andreas von Hünefeld und seine Frau Daniela das Schloss erworben und seitdem schon viel getan, um es wieder ins Bewusstsein der Öffentlichkeit zu rücken. Zahlreiche Veranstaltungen fanden im und am Schloss in dem Pulsnitzer Ortsteil statt. Doch seit dem plötzlichen Tod stand die Frage im Raum, wie es mit der Anlage weitergeht.
Nun, ein reichliches Jahr später, gibt es neue Besitzer: Die beiden Produktdesigner Sebastian Piatza und Christian Zöllner aus Dresden haben das Barockschloss gekauft.
Das bleibt: Trauungen, Feste und Führungen
Dass es weiterhin für die Öffentlichkeit zugänglich bleibt, ist den neuen Schlossherren wichtig. Bis zum Beginn des kommenden Jahres können ihnen zufolge Räume im Schloss wie gewohnt gemietet werden, unter anderem für Hochzeiten, Tagungen, Schuleinführungen und ähnliche private Feiern. Zu besonderen Anlässen soll es weiterhin Führungen geben, und auch zum Tag des offenen Denkmals werden die Schlossräume öffnen. Der Park kann weiter von Spaziergängern genutzt werden, „aber bitte nur mit angeleinten Hunden und wegen der Waldbrandgefahr nicht rauchen“, betonen Piatza und Zöllner.
Wir machen das nicht, weil wir zu viel Geld übrig haben, um ein Schloss zu kaufen, sondern weil wir einen neuen digitalen Raum für Kreativität schaffen wollen. – Christian Zöllner, Produktdesigner
Das ändert sich: digitales Innovationszentrum
Die neuen Schlossherren wollen aber auch einiges verändern: „Wir haben von der Digitalagentur Sachsen Fördergelder für ein digitales Innovationszentrum erhalten. Damit werden wir eine Digitalwerkstatt im Schloss einrichten“, sagt Christian Zöllner.
Das Barockschloss Oberlichtenau solle ein „Wirkungsort für Kreative“ werden. Im linken Kavaliershaus sollen demnächst Laser-Cutter und 3-D-Drucker einziehen. „Wir planen auch, jungen Leuten Räume zur Miete anzubieten, in denen sie sich kreativ ausleben können. Wer zum Beispiel sein eigenes Buch schreiben möchte und dafür einen ruhigen Raum sucht, kann den bei uns finden. Auch Ferienkurse zu verschiedenen Themen, wie dem 3-D-Druck, soll es künftig geben und Sommer-Schul-Camps mit Schwerpunkt Digital-Design, sagt Piatza: „Wir haben damit schon Erfahrungen mit unseren Digitallaboren, die wir zum Beispiel in Görlitz mit über 30 jungen Menschen oder in Weißwasser mit dem Oster-Camp veranstaltet haben.“
Rund 1,2 Millionen Euro hätten sie an Fördergeldern erhalten, wobei alle zweckgebunden seien. Um das Schloss zu kaufen, hätten sie aber einen Kredit aufnehmen müssen. „Wir machen das nicht, weil wir zu viel Geld übrig haben, sondern weil wir einen neuen digitalen Ort für Kreativität in der Lausitz schaffen wollen“, sagt Zöllner.
Sebastian Piatza kommt selbst aus der Lausitz. Räume für ihre digitalen Angebote hätten sie seit längerer Zeit gesucht. Wichtig dabei war ihnen der ländliche Raum. Dass nun das Schloss Oberlichtenau zum Kauf angeboten wurde, sei ein Glücksfall gewesen, sagen sie.
Das kommt hinzu: Digital-Kurse für Fachkräfte
Hier wollen sie künftig auch Fachkräften neue digitale Möglichkeiten zeigen und beibringen. „Wir haben zum Beispiel einen Ofenbauer im Freundeskreis, dem wir zeigen konnten, wie er seinen Kunden den gewünschten Kamin digital ins Wohnzimmer projiziert. Zudem hat er ihnen vorab schon einen 3-D-Druck-Miniofen geben können. So etwas stellen wir uns hier auch vor“, sagt Sebastian Piatza.
Wann genau die einzelnen Projekte umgesetzt werden, sei noch offen: „Es wird ein laufender Prozess, denn auch die Sanierung des Schlosses steht noch an“, erklärt Piatza.
Das befähigt sie: Erfahrungen mit dem Fabmobil
Die Produktdesigner sind in der Region bereits bekannt – vor allem durch ihr Fabmobil. Der Bus ist mit digitalen Highlights wie 3-D-Druckern, Robotik und Virtual Reality ausgestattet und tourt durch den ländlichen Raum Sachsens. Damit wollen sie vor allem Kinder und Jugendliche erreichen, sagt Sebastian Piatza: „Wir können zum Beispiel ihr Gesicht 3D scannen, mit einem Computerprogramm kreativ bearbeiten und dann auf einem 3-D-Drucker als Miniaturmodell produzieren.“ Auch Bausätze für kleine Roboter bieten die Designer an. Somit würden Kinder leichter an die neuen Technologien herangeführt werden können.
Das sind die nächsten Schritte: Sanierung von Dach und Fassade
Am Schloss steht nun erst einmal die Sanierung von Dach und Fassade im Fokus. „Die Bauarbeiten sollen im Spätherbst oder Winter starten, 2026 ist dann das Sanierungsjahr geplant, und ab 2027 wollen wir den Betrieb voll aufnehmen“, sagen die beiden Besitzer, die sich über Hilfe bei der Pflege des Schlossparkes freuen würden. Innen sei das Schloss in einem guten Zustand und voll nutzbar.
Das sagt die Stadt: Freude über öffentliche Nutzung
Für die Stadt Pulsnitz ist es wichtig, dass das Schloss weiterhin öffentlich genutzt werden kann. Bürgermeisterin Barbara Lüke (parteilos) sagt: „Wir sind froh, wenn das Barockschloss Oberlichtenau weiter genutzt wird und für die Menschen zugänglich bleibt. So finden im Schloss Hochzeiten statt, und die alljährliche Keulenbergfahrt hat ihren Start- und Endpunkt hier. Als Stadt stehen wir den neuen Besitzern gern für ihre vielfältigen Projekte unterstützend zur Verfügung.“
Zu Christi Himmelfahrt im Mai hatten sich die neuen Schlossherren bereits mit Bier und Bratwurst bei den Oberlichtenauer Einwohnern vorgestellt und seien „herzlich empfangen“ worden.
Sebastian Piatza hat nun seine Sachen gepackt und wird aus Dresden nach Oberlichtenau in die Wohnung im Schloss umziehen. Christian Zöllner bleibt vorerst in der Landeshauptstadt.
SZ