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Dresden baut Mega-Wasserwerk für TSMC und andere Chip-Unternehmen

Mit der Ansiedlung des Chip-Riesen TSMC ist klar, dass die Wasserversorgung in Dresden nicht dauerhaft reichen wird. Deshalb ist ein neues Werk für viele Millionen Euro geplant. Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Projekt.

Lesedauer: 4 Minuten

Man sieht das Office von TSMC
Der Chip-Riese TSMC baut in Dresden ein Werk, deshalb soll die Wasserversorgung in Dresden verändert werden. © TSMC

Von Andreas Weller

Dresden. Bevor der weltweit größte Hersteller in der Chipbranche sich entschieden hat, in Dresden ein Werk zu bauen, waren Stadt und Sachsen-Energie davon ausgegangen, dass 24.000 Kubikmeter Wasser pro Tag für die Betriebe in Dresden genügen. Jetzt ist klar: Die Industrie braucht mehr Wasser.

Deshalb soll ein komplett neues Werk gebaut werden, das viele Millionen Euro kostet und von der Stadt mit bis zu 50 Millionen Euro bezuschusst werden soll. Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Mega-Wasserwerk im Überblick:

Warum der ursprüngliche Plan nicht funktioniert

Der Ursprungsplan war, im Ostragehege für eine zusätzliche Wasseraufbereitung mit einem Betriebswassernetz zu sorgen. Doch jetzt ist klar, dass die bisherigen Pläne nicht den Anforderungen der Industrie entsprechen. „Eine direkte Versorgung der Industrie mit Grundwasser und Uferfiltrat ist qualitätsbedingt nicht möglich“, heißt es in einer Vorlage der Stadtverwaltung dazu.

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Rohwasser müsste aufwändig aufgearbeitet werden, dann stünden aber nur 18.500 Kubikmeter pro Tag zur Verfügung. Da der Stadtrat das Betriebswassernetz bereits beschlossen und eine Tochter der Sachsen-Energie mit der Planung begonnen hat, bekommt diese die rund 262.000 bereits investierten Euro erstattet.

Weshalb ein neues Werk benötigt wird

Zu den Unternehmen Globalfoundries, Infineon und Bosch gesellt sich bald noch TSMC. Der Konzern aus Taiwan will bis 2027 für rund zehn Milliarden Euro eine Halbleiterfabrik in Dresden errichten. Da auch Infineon für rund fünf Milliarden Euro seinen Standort in Dresden aufrüstet, müsse eine „sichere und stabile Wasserversorgung“ gewährleistet werden.

Sachsen-Energie ist per Konzessionsvertrag zuständig, die öffentliche Versorgung mit Wasser in Dresden sicherzustellen – für die Bevölkerung, aber auch Gewerbe- und Industriekunden. Im vergangenen Jahr wurden rund 124.000 Kubikmeter Wasser pro Tag in Dresden benötigt, ein Drittel davon von der Industrie. Wegen der Neuansiedlungen, aber auch aufgrund der Klimaveränderungen, benötigt Dresden in 20 Jahren rund 235.000 Kubikmeter Wasser pro Tag, also fast die doppelte Menge. Die Hälfte davon braucht die Industrie. Ab 2030 werden bereits 60.000 Kubikmeter Wasser pro Tag mehr benötigt als aktuell. Diese Menge könne laut Stadt derzeit weder in Dresden noch irgendwo anders in Sachsen bereitgestellt werden.

Wo das neue Wasserwerk hin soll

Um zu vermeiden, dass die „normalen Tarifkunden“, also die Dresdner Haushalte, die Kosten für die Industrie mittragen, soll die Wasserversorgung strikt getrennt werden. Aktuell betreibt Sachsen-Energie zur Trinkwasserproduktion drei Wasserwerke in Dresden – in Coschütz, Hosterwitz und Tolkewitz. Die Erweiterungsmöglichkeiten seien aber „begrenzt“. Nur Hosterwitz habe noch Kapazitäten und wird bis 2026 ausgebaut, zur Absicherung der Industriewasserversorgung bis 2030, „ohne die Trinkwasserversorgung zu gefährden“, betont die Stadt. Danach reicht es aber nicht mehr.

Deshalb soll ein neues Betriebswasserversorgungssystem aufgebaut werden, vollständig unabhängig vom Trinkwasserverteilungsnetz und mit aufbereitetem Flusswasser aus der Elbe. Daher soll ein eigenes Flusswasserwerk nahe der Elbe gebaut werden.

Dafür wurden bereits mehrere Standorte untersucht. Der in Kaditz/Übigau sei die „einzige mögliche Option“. Konkret handelt es sich um eine Fläche in der Nähe der Flügelwegbrücke, neben dem Rasthof „Elbaue“ mit der Shell-Tankstelle. Bis 2030 soll das Flusswasserwerk und ein Betriebswasserverteilungssystem in den Dresdner Norden gebaut werden.

Was das neue Wasserwerk kostet

Stadt und Sachsen-Energie rechnen mit 247 Millionen Euro für das neue Betriebswasserversorgungssystem. Diese Kosten sollen bis zum Jahr 2044 wieder eingespielt werden, so der Plan. Allerdings nur, wenn die steigenden Wasserkosten quasi für die Industrie subventioniert werden. Deshalb wurde mit den Chipherstellern vereinbart, dass sie künftig rund 20 Prozent mehr fürs Wasser zahlen, was aber unter den zu erwartenden realen Kosten für das Wasser aus dem neuen System liege.

So könnten etwa 97 Millionen Euro der 247 Millionen Euro Investitionskosten gedeckt werden. Somit entstünde Sachsen-Energie eine Lücke von rund 150 Millionen Euro. Förderprogramme für solche Vorhaben gebe es aber nicht, das sächsische Wirtschaftsministerium fördert seit 2022 Anlagen für die Wasserver- und -entsorgung in Dresden und Leipzig nicht mehr.

Land und Stadt haben aber vereinbart, eine Förderung zu finden, weil mit der Trennung der Systeme die Trinkwasserversorgung der Dresdner gewährleistet und die Halbleiterindustrie versorgt werde. Stimmt das Kabinett zu, stellt Sachsen 100 Millionen Euro bereit und die Stadt 50 Millionen Euro. 32 Millionen Euro sind bereits bis 2027 zur „Ertüchtigung des Nordraums“ vorgesehen, weitere 18 Millionen Euro soll der Dresdner Stadtrat bewilligen. Als Ausgleich soll die Stadtentwässerung mehr Gewinne ausschütten. Der Eigenbetrieb Kindertageseinrichtungen erhielte im Gegenzug weniger Zuschüsse.

Diese Zuschüsse kämen quasi zu der Milliarden-Subventionierung des neuen Werks noch hinzu, damit die Chip-Werke weniger für die Wasserversorgung zahlen müssen. Die Stadt warnt: „Deutlich steigende Kosten der versorgungskritischen Wasserinfrastruktur können für Industrieunternehmen, insbesondere der Halbleiterindustrie, zukünftig zur unternehmerischen Abwanderung beziehungsweise zur Verhinderung von weiteren Ansiedlungsentscheidungen am Industriestandort Dresden führen.“ Das würde die Wettbewerbsfähigkeit des Standortes Dresden und seiner Unternehmen deutlich mindern und nicht wie vorgesehen, globale Abhängigkeiten reduzieren.

Wie das neue Werk vor Hochwasser geschützt werden soll

Für den Bau des Werks und des Versorgungssystems müssen drei Grundstücke den Besitzer wechseln. Konkret geht es um eine knapp 90.000 Quadratmeter große Fläche in Kaditz, knapp 17.000 Quadratmeter in Übigau und gut 20.000 Quadratmeter in Reick. Das Grundstück in Reick gehört der Drewag, es wechselt also innerhalb des Konzerns Sachsen-Energie. Die beiden anderen Grundstücke muss Sachsen-Energie von der Stadt kaufen. Das soll ohne Ausschreibung zum Verkehrswert erfolgen.

Die Grundstücke liegen zum Teil im festgesetzten Überschwemmungsgebiet der Elbe, waren aber von den Hochwasserereignissen 2002 und 2013 nicht betroffen. Es ist geplant, die Deichanlagen zu erhöhen, um das Areal vor einem hundertjährigen Hochwasser zu schützen. Eine Bebauung ist dennoch ausschließlich „hochwasserangepasst“ möglich. Von den Grundstücken werden nur bestimmte Teilflächen für das neue System benötigt. Andere Flächen werden derzeit von Gewerbetreibenden genutzt, die Mietverträge haben. Dabei handelt es sich aber ausdrücklich nicht auf die zum Verkauf vorgesehenen Flächen.

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