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Ein Dorf sieht Rot: der ganz normale Erdbeerwahnsinn bei Karls in Döbeln

Tausende Besucher aus allen Teilen des Landes wollten sich den Eröffnungstag nicht entgehen lassen. Das Resümee: strahlende Kinderaugen, nasse Rutschen und volle Einkaufstüten.

Lesedauer: 5 Minuten

Man sieht Plüsch-Erdbeeren.
Beim Thema Erdbeeren kann einfach niemand schlechte Laune bekommen - sogar bei Regen und Stromausfall. © SZ/Henry Berndt

Von Henry Berndt

Das Navi lässt keine Fragen offen: „Links abbiegen auf Erdbeerstraße“, gibt es die Richtung vor. An diesem Samstagmorgen eröffnet in Döbeln das erste sächsische Karls. Noch bevor sich die Tore des Freizeitparks öffnen, steht fest: Der befürchtete Massenansturm samt Verkehrschaos bleibt zunächst aus – wahrscheinlich nicht zuletzt wegen des Wetters: Regen, Kälte, fieser Wind.

Zur feierlichen Eröffnung des Erdbeerlandes mit Ministerpräsident Michael Kretschmer pünktlich 9 Uhr ist etwa ein Drittel des Parkplatzes gefüllt. Nur zwischen 200 und 300 Frühaufsteher haben sich vor dem Eingang eingefunden. Mit ganz vor dabei sind Julia und Christian aus Leipzig. Auf Christians schwarzem T-Shirt steht „Coaster Hunter“. Er und seine Frau sammeln Achterbahnen. Um die 500 in aller Welt will er schon gefahren sein, Julia etwa 300. Die beiden sind gleich am Eröffnungstag von Karls Erlebnis-Dorf nach Döbeln gefahren, um unter den ersten zu sein, die die neue Attraktion ausprobieren – und wieder eine Achterbahn auf ihrer Liste abhaken zu können.

Julia und Christian aus Leipzig sammeln Achterbahnen. Nun können sie auch die Döbelner Raupe auf ihrer Liste abhaken.© privat

Gemeinsam mit Kretschmer und Döbelns Oberbürgermeister Sven Liebhauser zerschneidet Karls-Chef Robert Dahl das Band. Kretschmer sagt, die Karls-Marmelade sei ihm die liebste nach der seiner Frau. Dann schießen goldene Luftschlangen in den Himmel. Die Milkauer Schalmeienkapelle marschiert musizierend in Richtung Eingang. Jetzt gibt es kein Halten mehr. Aufgeregt ziehen Kinder ihre Eltern hinter sich her. Alles strahlt, nur die Feuerwerker schauen ein wenig bedröppelt. Die Nebelfontänen auf dem Dach haben den Dienst versagt. Wahrscheinlich sind sie nass geworden.

Der guten Stimmung zum Start soll das aber keinen Abbruch tun, genauso wenig wie der Regen und kleine technische Startschwierigkeiten an den Attraktionen. An der „Fliegenden Schokoladentafel“ lassen sich zunächst die Tickets nicht scannen, dann fällt zeitweise der Strom aus. Mitarbeiter und Gäste bleiben cool. So ist das nun mal bei einer Premiere.

Bis zum letzten Tag wurde Vollgas gegeben, um das bundesweit sechste Karls nach einem Jahr Bauzeit pünktlich fertigzubekommen. An eine Baustelle erinnert hier nun fast nichts mehr, mal abgesehen vom Maislabyrinth, das allerdings sowieso erst im Sommer eröffnet werden soll.

Matteo und seine Mama Maria aus Döbeln sind von der Maisscheune begeistert.© Jürgen Lösel

Die Achterbahn-Jäger Christian und Julia sind an diesem Morgen zu Hause nicht mal zum Frühstücken gekommen. Das holen sie jetzt bei Karls nach, kaufen sich Mettschnitten und Rührei. Um diese Zeit ist an den Tischen im Hauptgebäude noch reichlich Platz. Spoiler: Das wird sich ändern.

Wer die anderen Karls-Standorte im Norden kennt, dem kommt hier vieles vertraut vor: die Raupenachterbahn, die Traktoren, die Klettererdbeere, die unzähligen Verkaufsstände und der ganz normale Erdbeerwahnsinn. Es gibt aber auch neue Attraktionen wie die Maisscheune, in der sich der vierjährige Matteo gerade zur Freude seiner Mama und Oma Gabi ausgelassen in einem Becken suhlt, das mit 30 Tonnen Mais gefüllt ist. „Wir kommen aus Döbeln und haben hier praktisch Heimspiel“, sagt Mama Maria. „Wir sind begeistert und werden uns sicher eine Jahreskarte holen.“

Marmeladenköchin Kerstin arbeitet schon seit zwölf Jahren für Karls.© Jürgen Lösel

Nach spätestens einer Stunde hat man hier als Besucher, ob klein oder groß, sowieso nur noch Erdbeermarmelade im Kopf. Zum Entspannen ist niemand hergekommen. Die Devise heißt: Spaß haben, Süßigkeiten essen und einen Fünferpack Kleiderhaken in Erdbeerform kaufen. Wem es bei 500 tobenden Kindern in der Indoor-Spielewelt noch nicht laut genug ist, der freut sich, als die Schalmeienkapelle hier „Ich will Spaß“ von Markus zum Besten gibt. Die wartenden Mamas nicken im Takt. Von Müdigkeit keine Spur.

Auch nicht bei Kerstin, der Marmeladenköchin. Sie ist schon seit zwölf Jahren bei Karls angestellt und für diese Woche als Verstärkung vom Standort Zirkow auf Rügen nach Döbeln gekommen. Mit ihrer Ruhe und Erfahrung kann sie den vielen neuen Mitarbeitern zur Seite stehen. „Das Wichtigste ist Atmen, sage ich immer.“

Maskottchen Karlchen war bei der Eröffnung von Karls Erlebnis-Dorf ein gefragter Fotopartner.© Jürgen Lösel

Innerhalb der ersten Stunden nach der Eröffnung wird der Regen immer stärker. Die Senfrutsche im Bockwurstland muss geschlossen bleiben. Auch die Hüpfberge und Spielplätze draußen sind weitgehend verwaist. Gleichzeitig strömen immer mehr Besucher auf das Gelände und drängen sich bald in den Hallen. Zwischen den Verkaufsregalen hindurch schieben sich die Massen durch die Gänge und füllen dabei wie von Gastgebern erhofft ihre Einkaufswagen. Bald stehen an den Kassen mehr Menschen an als an den Attraktionen.

Auch Lio freut sich, dass er die „Fliegende Schokoladentafel“ ohne Anstehen ausprobieren kann. Strahlend nimmt der Achtjährige Platz und zieht den Sicherheitsbügel nach unten. Seine Mama Laura schaut von draußen zu. „Für mich ist das nichts“, sagt sie. Der Papa, der Lio normalerweise beistehen würde, ist am Morgen von der Nachtschicht gekommen und schläft schon. Aber auch zu zweit kommen die beiden gut klar. Schließlich haben sie schon alle bisherigen Karls-Standorte besucht und sind damit echte Experten.

Lio und seine Mama Laura aus Dresden sind echte Karls-Experten und haben schon alle Standorte besucht.© Jürgen Lösel

Für die Achterbahn-Sammler Julia und Christian steht nun der vermeintliche Höhepunkt an: die Döbelner Raupen-Achterbahn. Dank des Regens können die beiden ohne Wartezeit durch den Bereich spazieren, durch den sich sonst die Schlange schlängeln könnte. Bügel runter und los geht’s. Eher gemächlich tuckert die Raupe zwei Runden über die Schienen. Niemand erwartet hier einen Huracan wie bei Belantis, aber ein wenig rasanter könnte es dann schon zugehen. „Im positiven Sinne hat man gemerkt, dass sie neu ist“, bleibt Christian positiv.

Beim Thema Erdbeeren kann einfach niemand schlechte Laune bekommen – mal abgesehen von dem kleinen Jungen, der barfuß und in Tränen aufgelöst nach seiner Mama ruft. Sofort sind zwei Karls-Mitarbeiter bei ihm, nehmen ihn mit zur Information und lassen ihn ausrufen. Es wird nicht das einzige Mal bleiben an diesem Tag.

Hunderte Besucher warteten am Samstagmorgen auf die Eröffnung von Karls Erlebnisdorf in Döbeln. Das befürchtete Chaos blieb aus.© Jürgen Lösel

Den ganzen Tag über wird Maskottchen Karlchen für Fotos in Beschlag genommen, während die Eltern unentwegt Erdbeerbonbons, Erdbeerkekse und Erdbeermützen in ihren Tüten und Taschen verstauen. Auf einer kleinen Bühne draußen singen und rappen derweil die Döbeln-City Allstars ihre Döbeln-Hymne „Die Perle meiner Heimat“.

Zur Mittagszeit kommen auch die Mitarbeiter des Erdbeerburger-Standes am Eingang ins Schwitzen. Rindfleisch zwischen Erdbeerbrötchenhälften mit einer Schaumerdbeere garniert – darüber wundert sich hier niemand mehr. Und die 9,50 Euro? Was soll’s, wir sind im Erdbeerparadies!

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