Ulrich Wolf, Jakob Hammerschmidt und Oliver Reinhard
Dresden/München. Einem der bislang international führenden Händler für frühes Meissener Porzellan ist das Geld ausgegangen. Die Münchner Edelgalerie Röbbig ist bereits seit Juni 2025 zahlungsunfähig. Nun macht der zuständige Insolvenzverwalter Dino Straub den Lagerbestand aus mehr als 700 Kunstwerken zu Geld, um die Schulden der Galerie zu verringern.
Er habe damit das Auktionshaus Sotheby’s beauftragt, teilte Straub in München mit. Im Juni in Paris sowie dann noch einmal im November in Köln würden Käufer für die teils mehr als 300 Jahre alten Originale gesucht. Sotheby‘s selbst kündigt die Auktion in Paris für den 24. Juni 2026, 14.30 Uhr, an.
Experten vom Fundus begeistert
Straub zufolge lagerte die Galerie ihre Kunstschätze an acht Orten in Deutschland, Österreich und Frankreich. Dabei handele es sich überwiegend um Porzellan der Manufaktur Meissen, der königlichen Porzellan-Manufaktur Berlin sowie um Bilder, Stühle, Leuchter und Kommoden aus dem 17. und 18. Jahrhundert. Kunstexperten aus London und Paris hätten die Objekte bewertet. „Die Resonanz war ausnahmslos positiv“, sagte Straub.
Den Insolvenzantrag vom Juni 2025 begründet Straub mit „seit Längerem bestehenden wirtschaftlichen Schwierigkeiten des Eigentümers“. Die Umsätze seien seit 2022 stark zurückgegangen. Außerdem gebe es „Nachforderungen des Finanzamtes in Millionenhöhe“. Er bezifferte die Schulden bei den bislang 39 registrierten Gläubigern auf 17 Millionen Euro, von denen er bislang 2,8 Millionen Euro akzeptiert habe.
Galerist wird auf den Philippinen vermutet
Der Kunsthändler Gerhard Röbbig hatte die Galerie 1976 eröffnet. 2004 bezog er ein wesentlich größeres Haus in der teuren Brienner Straße in München, dessen Räume er als Salons einrichten ließ. Nach seinem Tod 2012 übernahm sein damaliger Angestellter Alfredo Reyes die Galerie.
2019 gab es einen weiteren Umzug, dieses Mal in das neobarocke Carolinen-Palais. Zu den Kunden zählten vermögende Porzellansammler aus Europa, Asien und Übersee. Noch im März vorigen Jahres trumpfte Reyes auf der Kunstleitmesse TEFAF im niederländischen Maastricht mit Meissener Spitzenstücken auf. Inzwischen ist er abgetaucht. Insider vermuten ihn in der Heimat seiner Frau, den Philippinen.
Diese Meissener Stücke sind im Angebot
Bei der Galerie Röbbig finden sich kostbare Stücke aus der Meissener Porzellan-Manufaktur, darunter ein bedeutender Teil des um 1760 für Graf Karl Wilhelm Finck von Finckenstein gefertigten Meissener Services.
Gleich mehrere Objekte stammen von Johann Joachim Kaendler, der unter August dem Starken 1730 Hofbildhauer und drei Jahre später Modellmeister an der Manufaktur wurde. Dessen technisch und künstlerisch revolutionäre Fertigkeiten begründeten den späteren Weltruhm des Porzellans.
Die Resonanz der Kunstexperten auf den Bestand der Galerie war ausgesprochen positiv. – Dino Straub, Insolvenzverwalter der Galerie Röbbig
Unter Kaendlers Ägide entstanden in den 1740er-Jahren etwa das „spanische Liebespaar“ oder die Doppelfigur „Dame vom Mopsorden und Kavalier des Freimaurerordens“. Ebenso ist die prächtige „Verherrlichung des Kurfürstentums Sachsen mit dem Portrait des jungen Kurfürsten Friedrich August III.“ im Röbbig-Sortiment.
Der Wert solcher Werke hängt ab von ihrem Seltenheitsgrad, ihrem Zustand und natürlich von der Zahlungsbereitschaft der Sammler. Es gibt Kaendler-Figuren schon ab 10.000 Euro. Sie können auf Auktionen aber auch 150.000 Euro und mehr erzielen.
Strafanzeige wegen Betruges und Untreue
Zudem ermittelt die Staatsanwaltschaft München in dem Fall, „aufgrund einer Strafanzeige eines möglichen Geschädigten (…) wegen des Tatverdachts des Betruges und der Untreue“.
Im renommierten Fachnewsletter Weltkunst Insider heißt es: „Für den Kunsthandel und den Porzellanmarkt entsteht mehr als ein Imageschaden, wenn einer der engagiertesten Händler, der als Mitbieter auf Auktionen die Konkurrenz und die Gebote befeuerte, nicht weiter in Aktion tritt. Die Meissen-Preise werden fallen.“
Manufaktur macht Millionenverluste
Das wiederum kann der Manufaktur nicht gefallen. Der aktuelle Beteiligungsbericht des Freistaats Sachsen konstatiert für die Staatliche Porzellan-Manufaktur Meissen GmbH mit ihren 426 Beschäftigten für das Geschäftsjahr 2024 zwar einen Umsatzanstieg auf rund 33 Millionen Euro. Der Verlust belief sich jedoch erneut auf mehr als drei Millionen Euro. Immerhin fiel damit das Minus um 800.000 Euro geringer aus als noch 2023.
Der Freistaat hatte 2024 die Manufaktur mit sechs Millionen Euro unterstützt. 2023 waren es sogar 46,2 Millionen Euro gewesen. In der Prognose des Berichts zum Jahr 2025 heißt es: „Trotz eines erwarteten leichten Umsatzzuwachses wird (…) mit einem negativen Jahresergebnis ähnlich wie 2024 gerechnet.“
Die Manufaktur selbst sieht bislang jedoch kaum Auswirkungen. Man könne zur Insolvenz der Galerie keine Aussage treffen, sagte Sprecherin Annika Koch auf Anfrage. „Das ist kein direkter Kunde von uns. Darum haben wir dort auch keinen direkten Bezug.“
SZ


