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Elektronikspezialist darf Firmenstandort in Zittau ausbauen und hat schon losgelegt

Für die Glaubitz-Marke ecu.de mit über 200 Mitarbeitern wird an der Görlitzer Straße in Zittau ein Neubau errichtet. Es könnte nicht der letzte sein.
Lesedauer: 3 Minuten
Man sieht Tobias Hauck und Michael Kaplan stehen bei der Stelle, wo die neue Halle hinkommt. Sie stehen vor einer Baugrube und halten einen Bauplan.
Tobias Hauck (rechts) und Michael Kaplan stehen bei der Stelle, wo die neue Halle hinkommt. Dafür wird derzeit die Baugrube ausgehoben. © Matthias Weber/photoweber.de

Von Thomas Christmann

Bisher ist die neue Halle nur in seinem Plan eingezeichnet gewesen, seit wenigen Tagen kann Michael Kaplan die Arbeiten daran auch live verfolgen. „Wir sind froh, dass alles so reibungslos gelaufen ist“, sagt der Bauleiter und Verantwortliche für Gebäudetechnik bei ecu.de, einer Marke der Glaubitz GmbH & Co KG an der Görlitzer Straße in Zittau. Damit gemeint ist der genehmigte Bebauungsplan, um das Millionen-Vorhaben überhaupt umsetzen zu können.

Und das braucht weiteren Platz für seine Dienstleistung. ECU steht für Electronic Control Unit. Zu Deutsch: Elektronische Steuereinheit. Die steckt in jedem Fahrzeug, vom ABS bis zur Zentralverriegelung hat dabei jedes eine eigene. Früher Wegwerf-Produkte, denkt die Automobil-Industrie heute nachhaltig – jüngst begünstigst durch die Halbleiter-Krise und den damit einhergehenden Chipmangel in der Branche. „Hinzu kommt der Preisvorteil gegenüber einem Neugerät“, sagt Vertriebsleiter und Produktmanager Tobias Hauck. So gehört beispielsweise BMW zu den Auftraggebern. Von den rund 38.000 Autowerkstätten in Deutschland schicken 25.000 regelmäßig Pakete mit kaputten Steuergeräten nach Zittau. Auch aus Schweden, Dänemark, Spanien, Tschechien, der Slowakei, Frankreich und anderen Ländern kommen Aufträge. Täglich werden über 1.000 Anrufe und E-Mails beantwortet.

Je nach Aufwand dauert die Reparatur eines Geräts im Schnitt zwischen 24 und 96 Stunden. „Ein Großteil ist Handarbeit“, berichtet Tobias Hauck. Für gewisse Prozesse kommen Automaten zum Einsatz, die für diese Zwecke umgebaut worden sind. Die Firma hat zudem eigene Prüfstände, die Fahrzeug-Elektronik simulieren. Nur die zum Austausch anstehenden Bauteile werden gekauft, auch auf Vorrat für Jahre. Die für die Reparatur zuständigen Mitarbeiter sind in Teams aufgeteilt. „Keiner kann alles wissen“, so der Vertriebsleiter. Die Steuergeräte würden immer komplexer, die Arbeiten ebenso. Inzwischen entwickelt und stellt die mehrfach ausgezeichnete Firma sogar selber welche in Serien von 5.000 bis 10.000 Stück für diverse Fahrzeugbauer her.

Blick auf das jetzige Firmengelände.
© Glaubitz GmbH

Mittlerweile hat die Stadt das Mischgebiet genehmigt. © SZ-Grafik

Vor 25 Jahren hat Geschäftsführer Andreas Ullmann mit zehn Mitarbeitern begonnen. Mittlerweile zählen über 200 zu seinem Unternehmen – Tendenz steigend. Und so hat sich die 1914 von seinem Urgroßvater gegründete Firma Glaubitz zu einem der größten Arbeitgeber in Zittau entwickelt und immer mehr ausgedehnt. Zunächst folgte 2007 der Einzug in das ehemalige Möbelhaus an der Görlitzer Straße, zwölf Jahre später war der erste zweigeschossige Anbau für Techniker-Arbeitsplätze, Logistik und Lager fertig. Doch auch der ist inzwischen voll. „Wir könnten mehr Aufträge abarbeiten, wenn der Platz dafür da wäre“, meint Tobias Hauck. Gerade weil die E-Mobilität, für deren Komponenten mehr Fläche als bei Verbrennern nötig ist, zunimmt.

Voriges Jahr hat sein Chef daher bei der Stadt ein Bebauungsplanverfahren auf eigene Kosten beantragt, um seinen Betrieb auf dem Nachbargrundstück zu erweitern – auf dem Gelände der Gärtnerei Schwarzbach. Das Betreiber-Ehepaar hört Ende des Jahres auf und hat daher ein 13.800 Quadratmeter großes Grundstück an das Unternehmen verkauft. Darauf kommt nun eine weitere Halle, ähnlich der ersten. Dreiviertel des 2.500 Quadratmeter großen zweistöckigen Gebäudes sind zudem unterkellert. „Mehr geht nicht, sonst besteht Rutschgefahr für die Bestandsgebäude“, so Michael Kaplan.

Bis Mitte 2024 soll der Rohbau stehen, bis Ende des kommenden Jahres das Obergeschoss bezugsfertig sein. Erdgeschoss und Keller folgen bis Ostern 2025. In der Halle ziehen Prüf- und Testplätze ein, die ebenso als Lager dient. Auf das Dach kommt eine weitere Photovoltaikanlage. Schon jetzt produziert die Firma ein Drittel des Stromes selbst. Um ihn zwischen den Gebäuden verteilen und weitere Maschinen anschließen zu können, ist eine Trafostation geplant. Ein Regenrückhaltebecken soll das Kanalsystem entlasten, ein weiterer Mitarbeiter-Parkplatz die Situation im Wohngebiet entspannen.

Zittaus Oberbürgermeister Thomas Zenker (Zkm) freut sich, dass ecu.de so rasantes Wachstum hinlegt. „Da kann man nur zum Erfolg gratulieren und als Zittauer stolz sein“, sagt der Rathaus-Chef. „Das Unternehmen hat einen ziemlichen Weitblick“, meint er. Dazu passt das Grundstück: Das ist so groß gewählt, dass bei Bedarf eine weitere Halle entstehen kann. Mitarbeiter sucht die Firma laufend. „Wir haben viele Quereinsteiger, weil kein Ausbildungsberuf so richtig passt“, berichtet Tobias Hauck. Künftig sollen auch Kunden geschult werden, um die Zahl der falschen Diagnosen zu senken.

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