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Es wird zu wenig Bier getrunken: Franzosen schließen Heidenauer Malzfabrik nach 35 Jahren

Als Sachsenmalz nach 1990 entstanden, ist nun Schluss mit Malz aus Heidenau. Die Nachnutzung des Standortes an der Elbe könnte schwierig werden. Es wird ein erst nach der Wende gebauter Lost Place befürchtet.

Lesedauer: 2 Minuten

Die Tore schließen sich: Die Malzproduktion in Heidenau ist eingestellt. Quelle: Mike Jäger

Heike Sabel

Heidenau. Der französische Malteurop-Konzern gibt seinen Standort Heidenau auf. Die Produktion wird Ende April eingestellt. Damit endet eine über 35-jährige wechselvolle Geschichte. Die Mälzerei befindet sich in der Hafenstraße in Heidenau und produzierte hauptsächlich Pilsener Malz.

Das Aus sei die Folge einer eingehenden Analyse des Marktes und der Wirtschaftlichkeit des Standorts, sagt Malteurop-Geschäftsführerin Claire Madoré. Der deutsche Biermarkt gehe seit über über 20 Jahren zurück. Demografische Entwicklungen, verändertes Verbraucherverhalten sowie eine angespannte Wirtschaftslage werden als Gründe genannt.

Nie mehr als 20 Mitarbeiter

Die rentable Weiterführung des Standortes sei deshalb nicht möglich, sagt Madoré. Bei der aktuellen und absehbaren Marktdynamik seien trotz intensiver Bemühungen keine nachhaltige Lösungen für den Standort Heidenau gefunden worden. Von dem Aus sind vor allem Lieferanten aus der Landwirtschaft sowie Dienstleister betroffen.

Die Belegschaft in Heidenau erhält eine Unterstützung, die über die gesetzlichen arbeitsrechtlichen Vorgaben in Deutschland hinausgehe. Wie die konkret aussieht und wie viele Personen zuletzt beschäftigt waren, wird nicht gesagt. Da die Anlage automatisch läuft, waren es nie mehr als 20. Die Heidenauer Verpflichtungen werden von den anderen deutschen Standorten der Gruppe in Rostock und Langerringen erfüllt.

Bei Hochwassern zweimal stark betroffen

Offen ist, was mit den Gebäuden und Behältern in Nähe der Papierfabrik und Elbe wird. Laut Heidenauer Rathaus würde über Nutzungen beraten. Welche konkret, bleibt offen. Der Standort darf dem Flussauegesetz zufolge eigentlich nicht bebaut werden. Das hätten Anfang der 1990er Jahre alle übersehen, sagt einer aus der Heidenauer Stadtverwaltung, der damals involviert war. Er befürchtet, dass die Technik abgebaut wird und der Standort zum Lost Place wird.

Die Sachsen Malz GmbH & Co. KG Heidenau war 1991 gegründet worden. Im Jahr 2000 wurde das Unternehmen von der später insolventen Friedrich Weissheimer Malzfabrik übernommen. Seit 2006/2007 gehört der Standort zur Malteurop-Gruppe.

Die Hochwasser 2002 und 2013 trafen die Heidenauer Malzfabrik schwer. Nach 2013 schimpfte der damalige Chef auf die Stadt Heidenau, die die kaputten Kanäle auf dem Gelände der Malzfabrik nicht repariert habe. Danach setzte die Stadt die Schächte im Stauraumkanal des Hauptsammlers Nord in Stand.

SZ

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