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Europäischer Gaspreis steigt auf höchsten Stand seit Jahresbeginn

Höchstes Windrad Mittelsachsens liefert jetzt Strom für 4.600 Haushalte, Bayern fordert Gaskraftwerke für Süddeutschland - unser Newsblog zur Energiewende.
Lesedauer: 28 Minuten
Man sieht Geldscheine und Münzen
Der Preis für europäisches Erdgas hat wegen der Konflikte im Nahen Osten den höchsten Stand seit über drei Monaten erreicht. © Archiv/dpa/Patrick Pleul

Energiewende in Sachsen und Deutschland – das Wichtigste in Kürze:

Mittwoch, 17. April, 10.18 Uhr: Europäischer Gaspreis steigt auf höchsten Stand seit Jahresbeginn

Der Preis für europäisches Erdgas hat wegen der Konflikte im Nahen Osten den höchsten Stand seit über drei Monaten erreicht. Der richtungweisende Terminkontrakt TTF zur Auslieferung in einem Monat legte am Mittwoch an der Börse in Amsterdam auf 33,95 Euro je Megawattstunde zu. Das ist der höchste Preis seit Anfang Januar. Seit einer Woche geht es mit dem Gaspreis deutlich nach oben. In dieser Zeit hat sich Erdgas um mehr als 20 Prozent verteuert und damit den Preisrückgang in den ersten Monaten des Jahres wettgemacht.

Als eine Ursache für den Anstieg gilt die Furcht der Anleger vor einem neuen Krieg im Nahen Osten und den möglichen Auswirkungen auf Gaslieferungen aus der Region. Nach dem Angriff des Irans auf Israel vom Wochenende wird auf den Rohstoffmärkten auf die israelische Reaktion gewartet.

Zuvor hatte ein ungewöhnlich milder Winter in Europa den Gaspreis sinken lassen. Im Februar fiel die Notierung bis auf 22,31 Euro und damit auf den tiefsten Stand seit dem vergangenen Sommer. Hinzu kommt, dass die Lagerbestände für die Jahreszeit ungewöhnlich hoch sind.

Zwar ist der Gesamtfüllstand der Gasspeicher in Deutschland seit Beginn des Jahres gesunken. Am 15. April lag dieser bei 69,28 Prozent, nach einem Füllstand von gut 91 Prozent zu Beginn des Jahres, wie aus Daten des Gasspeicherverbands GIE hervorgeht. Der Füllstand aller europäischen Gasspeicher betrug 62 Prozent. Nach Angaben des Verbands liegt die durchschnittliche Füllmenge der vergangenen fünf Jahre für diesen Zeitpunkt aber nur bei 43 Prozent.

16.38 Uhr: Stromnetz-Engpass in Oranienburg – Netzagentur schaltet sich ein

Angesichts des Engpasses im Stromnetz der brandenburgischen Stadt Oranienburg hat sich die Bundesnetzagentur zur Aufklärung der Versorgungsprobleme eingeschaltet. Eine Arbeitsgruppe der Kommunen prüft, wie sich der Missstand beheben lässt.

In der wachsenden Kommune mit rund 48.000 Einwohnern stieg nach eigenen Angaben der Strombedarf unter anderem wegen Unternehmensansiedlungen, Zuzug und einem verstärkten Einbau von Wärmepumpen. Es gibt Kapazitätsengpässe im Hochspannungsnetz der Stadtwerke, so dass keine neuen Anschlüsse mehr genehmigt werden. Weitere Wärmepumpen und E-Ladesäulen sind nicht mehr möglich, auch neue Gewerbe- und Industrieflächen können derzeit nicht mit Strom beliefert werden.

Die Bundesnetzagentur teilte am Dienstag auf Anfrage mit, diese Situation sei nicht akzeptabel. Vergleichbare Fälle in Deutschland gebe es aus ihrer Sicht aber nicht. „Nach vorläufiger Bewertung der Bundesnetzagentur handelt es sich um Fehleinschätzungen bei der Planung.“ Die Bundesnetzagentur will zur Aufklärung noch weitere Informationen von den Stadtwerken.

Die Stadt teilte am Dienstag mit, sie habe eine Arbeitsgruppe eingesetzt und prüfe nun Übergangslösungen. Denn: Ein neues Umspannwerk ist in Planung und soll 2026 seinen Betrieb aufnehmen. Um den Engpass bis zur Fertigstellung eines neuen Umspannwerks zu überbrücken, sind laut Stadt die Nutzung eines temporären Ersatz-Umspannwerks oder der Einsatz von Gasturbinen zur Stromversorgung im Stadtwerke-Netz möglich.

Dienstag, 16. April 2024, 14.19 Uhr: Höchstes Windrad Mittelsachsens liefert Strom für 4.600 Haushalte

Gut ein Jahr nach Baubeginn ist das höchste Windrad in Mittelsachsen am Dienstag in Betrieb gegangen. Inklusive der Rotorblätter kommt das Windrad auf eine Höhe von 246,6 Metern, wie die Leipziger Stadtwerke mitteilten. Über eine 13 Kilometer lange Leitung wird die erneuerbare Energie ins Umspannwerk Mittweida geliefert.

Mit einer Leistung von 5.560 Kilowatt können mit dieser Anlage jährlich mehr als 4.600 Haushalte mit Strom versorgt werden. Bis Ende des Jahres soll in unmittelbarer Nähe ein zweites Windrad mit gleicher Höhe und Leistung entstehen.

Blühender Raps umgibt das höchste Windrad (l) im Landkreis Mittelsachsen. Die Windkraftanlage der Leipziger Stadtwerke ist rund 250 Meter hoch.
© Sebastian Kahnert/dpa

Montag, 15. April 2024, 12.19 Uhr: Bayern fordert Gaskraftwerke für Süddeutschland

Bei der neuen Kraftwerksstrategie des Bundes muss aus Sicht Bayerns Süddeutschland in besonderem Maße für neue Standorte berücksichtigt werden. Ein relevanter Anteil der bundesweit zehn Gigawatt (GW) an wasserstofffähigen Gaskraftwerken zur Absicherung der Stromversorgung müsse nach Süddeutschland und damit auch Bayern kommen, sagte Energieminister Hubert Aiwanger am Montag. „In Bayern gibt es eine Reihe geeigneter systemdienlicher Standorte und potenzielle Investoren, mit denen wir bereits im Gespräch sind.“ Der Süden müsse angemessen berücksichtigt werden.

Aiwanger kündigte an, das Thema bei der kommenden Energieministerkonferenz Mitte Mai auf die Tagesordnung bringen und einen Beschlussvorschlag einzubringen, der eine Beschleunigung und Konkretisierung der Planungen zu Ziel habe.

„Damit die potenziellen Kraftwerksbetreiber ihre Planungen entscheidend vorantreiben können, müssen die Ausschreibungskonditionen nun schnell durch den Bund festgelegt werden“, sagte Aiwanger. Bisher gebe es nur unklare Eckpunkte. Die Zeit bis zur Inbetriebnahme der Kraftwerke 2031 werde immer kürzer. „Der Bund muss also jetzt in die Gänge kommen und die Ankündigungen zur Kraftwerksstrategie schnell und vollständig umsetzen. Bis Mitte des Jahres müssen die Weichen gestellt sein.“

Die Bundesregierung hatte die Eckpunkte Anfang Februar vorgelegt. Die Kraftwerke sollen in einem klimaneutralen Energiesystem Strom erzeugen, wenn die Sonne nicht scheint und der Wind nicht weht. Neben den Ausschreibungen will die Bundesregierung Konzepte für einen sogenannten Kapazitätsmechanismus erarbeiten. Eine politische Einigung darüber soll in der Bundesregierung bis zum Sommer erzielt werden. Über einen solchen Mechanismus könnten Betreiber dafür belohnt werden, dass sie Kraftwerkskapazitäten vorhalten.

13.24 Uhr: Antragsstart bei Förderprogramm in für erneuerbare Energien und Speicher in Sachsen

Wer sich eine Photovoltaik- oder Geothermieanlage oder einen Speicher anschaffen will, kann ab diesem Montag Tilgungszuschüsse für Darlehen beantragen. Im Rahmen der Förderrichtlinie Erneuerbare Energien und Speicher stehen dafür insgesamt rund 13,6 Millionen Euro zur Verfügung, wie das Energieministerium am Sonntag mitteilte. Das Förderprogramm bietet demnach Darlehen für Investitionen ab 35 000 Euro und bis zu fünf Millionen Euro an. Diese können mit Tilgungszuschüssen von grundsätzlich bis zu 10 Prozent und bis zu 20 Prozent für Stromspeicher unterstützt werden.

Energieminister Wolfram Günther (Grüne) sprach laut Mitteilung von einem weiteren Meilenstein für die Energiewende in Sachsen. „Mit den Darlehen und Tilgungszuschüssen für Erneuerbare-Energien-Anlagen und Speicher werden wir einen weiteren deutlichen Zubau von erneuerbaren Energien in Sachsen anstoßen“, sagte er.

Gefördert wird die Errichtung oder Erweiterung von Photovoltaikanlagen mit installierter Bruttoleistung über 30 Kilowattpeak an oder auf Gebäuden oder offenen Parkplätzen, dezentralen Stromspeichern, elektrisch betriebenen Geothermie-Wärmepumpen und Wärme- oder Kältespeichern. Grundsätzlich sollen die Anträge laut Mitteilung an die angebundenen Hausbanken gestellt werden. Unter anderem Kommunen und Wohnungsunternehmen beantragen die Förderung bei der Sächsischen Aufbaubank.

Sonntag, 14. April 2024, 8.01 Uhr: Strompreise laut Habeck auch nach Atomausstieg gefallen

Ein Jahr nach dem deutschen Atomausstieg hat Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck die Entscheidung zur Abschaltung der letzten Meiler verteidigt und auf fallende Strompreise verwiesen. Alle an die Wand gemalten Schreckensszenarien seien nicht eingetreten, sagte der Grünen-Politiker den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Montag). „Wir sehen heute, dass die Stromversorgung weiter sicher ist, die Strompreise auch nach dem Atomausstieg gefallen sind und die CO2-Emissionen ebenfalls runtergehen.“

Natürlich sei die Lage nach Ausbruch des russischen Angriffskriegs angespannt gewesen, sagte Habeck. „Wir mussten sehr viele Maßnahmen in kürzester Zeit umsetzen, um die Energieversorgung zu stabilisieren und die enormen einseitigen Abhängigkeiten, die Deutschland hatte, zu reduzieren. Das ist gelungen: Wir sind sicher durch zwei Winter gekommen.“ Im Strombereich sehe man, dass die Reformen griffen. „Der Ausbau der erneuerbaren Energien nimmt richtig Fahrt auf, wir vereinfachen und beschleunigen Genehmigungsverfahren, die Preise an den Strombörsen sind stark gefallen. Seit dem Atomausstieg vor einem Jahr um 40 Prozent.“ Gleichzeitig liefen Kohlekraftwerke so wenig wie seit Jahrzehnten nicht mehr.

Deutschland habe ausreichend eigene Kapazitäten, den Strombedarf im Inland zu decken, sagte Habeck. „Gleichwohl nehmen wir am europäischen Strombinnenmarkt teil.“ Zwei Prozent des Bruttostromverbrauchs seien im vergangenen Jahr mit Importen gedeckt worden, davon sei aber nur rund ein Viertel Atomstrom aus Frankreich gewesen

Zuvor hatte die Deutsche Industrie- und Handelskammer (DIHK) weiterhin hohe Strompreise beklagt. DIHK-Präsident Peter Adrian sagte ebenfalls den Zeitungen der Funke Mediengruppe, dass die deutschen Strompreise an der Börse noch immer doppelt so hoch seien wie 2019. Allerdings sind die Preise im Verlauf des vergangenen Jahres gefallen. Zusammen mit Steuern, Netzentgelten und Umlagen seien die Kosten zum Teil sogar viermal so hoch wie in anderen Ländern, sagte Adrian.

Auf die Frage, ob der Atomausstieg unumkehrbar sei, sagte Habeck: „Wir haben am 15. April 2023 das vollzogen, was die schwarz-gelbe Koalition 2011 beschlossen hat, und daher die letzten deutschen Kernkraftwerke endgültig abgeschaltet.“ Inzwischen werde deutlich, dass gerade die Regionen in Deutschland mit viel erneuerbaren Energien echte Standortvorteile genießen. „Wenn manche dennoch auf die Rückkehr zu Atomenergie setzen, sollte man registrieren, dass international Atomenergie nicht wettbewerbsfähig ist und Kosten aktueller Projekte explodieren.“ Zudem sei die Endlagerfrage in Deutschland weiter ungelöst. „Es wäre daher besser, nicht permanent zu hinterfragen, worauf sich das Land einmal geeinigt hat, sondern sich auf das Lösen aktueller Probleme zu fokussieren.“ Es brauche Verlässlichkeit, auch für Investitionssicherheit.

Samstag, 30. März, 10.11 Uhr: Leag legt zwei Kraftwerksblöcke in der Lausitz still

Der Lausitzer Energiekonzern Leag schaltet an diesem Sonntag zwei Blöcke seines Braunkohlekraftwerks in Jänschwalde endgültig ab. „Die Blöcke E und F des Kraftwerks Jänschwalde werden zum 31. März 2024 stillgelegt, stehen also ab dem 1. April nicht mehr für die Stromproduktion zur Verfügung“, teilte das Unternehmen auf Anfrage mit. In Nordrhein-Westfalen werden zudem fünf Kraftwerksblöcke stillgelegt. Die Netzagentur sieht keine Beeinträchtigung der Versorgungssicherheit.

Wegen der Energiekrise waren die beiden 500-Megawatt-Kraftwerksblöcke in der Lausitz im Herbst 2022 zur Erhöhung der Versorgungssicherheit aus der Reserve geholt und befristet wieder ans Netz genommen worden. Für die Reaktivierung der Anlagen aus der Sicherheitsbereitschaft kehrten auch ehemalige Beschäftigte aus dem Ruhestand an ihre alten Arbeitsplätze zurück. Ende 2028 soll das Kraftwerk Jänschwalde vollständig stillgelegt werden.

Die Lausitz bereitet Schritt für Schritt den Abschied von der Kohle vor. Nach dem deutschen Kohleausstiegsgesetz wird ab 2038 kein Strom mehr aus Kohle erzeugt. Die Ampel-Parteien SPD, Grünen und FDP hatten in ihrem Koalitionsvertrag aber auch vereinbart, den Kohleausstieg „idealerweise“ von 2038 auf 2030 vorzuziehen. In der Region stößt ein Vorziehen auf Ablehnung.

Der Fraktionsvorsitzende der Grünen im Landtag, Benjamin Raschke, sagte: „Die Fördermengen von Braunkohle sind 2023 so niedrig wie seit hundert Jahren nicht mehr, über die Hälfte des Stroms wird heute durch Erneuerbare Energieanlagen erzeugt. Die Zeiten der Braunkohle neigen sich endgültig dem Ende zu.“ Raschke plädiert für einen früheren Kohleausstieg vor 2038 und argumentiert, dass die Kohleverstromung wegen der CO2-Zertifikate nicht mehr wirtschaftlich sein werde. Er äußerte zudem die Sorge, ob genügend Geld für die Rekultivierung der Tagebaulöcher zur Verfügung stehen wird. Das Unternehmen Leag teilte mit, zur Absicherung der Rekultivierungsverpflichtungen habe die Lausitz Energie Bergbau AG für die Wiedernutzbarmachung der Tagebaue gemeinsam mit den Ländern Sachsen und Brandenburg ausreichende und den gesetzlichen Vorschriften entsprechende Vorsorge getroffen.

Die Bürgermeisterin von Spremberg, Christine Herntier (parteilos), forderte am Kohleausstieg 2038 festzuhalten und hält ein Vorziehen nicht für realistisch. Die Sprecherin der Lausitzrunde für die Brandenburger Kommunen sagte in der ZDF-Talk-Sendung von Markus Lanz (Donnerstag) zum Datum 2038: „Es wird nicht anders gehen“. Das Datum sei ja nicht „gewürfelt“ worden. „Da sind energiepolitische und technische Voraussetzungen in die Bewertung eingeflossen, und das ist schon ganz schön knapp.“ Zudem sei man aus ihrer Sicht bei der Schaffung der Voraussetzungen für den Kohleausstieg in den vergangenen Jahren auch nicht so weit vorangekommen. Dazu gehört ein Ausbau der erneuerbaren Energien und der Netze.

Der Kraftwerksbetreiber Leag richtet sich im Zuge des Kohleausstiegs neu aus und will zu einem führenden Produzenten von grünem Strom und grünem Wasserstoff werden. Auf einstigen Tagebauflächen sollen Photovoltaik- und Windanlagen Ökostrom erzeugen.

Donnerstag, 28. März, 9.02 Uhr: Strom und Gas weiterhin teuer

Erdgas und Strom haben im zweiten Halbjahr 2023 trotz eines Rückgangs deutlich mehr als vor der Energiekrise infolge des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine gekostet. Private Haushalte zahlten im Schnitt 11,41 Cent je Kilowattstunde Gas, wie das Statistische Bundesamt am Donnerstag mitteilte. Das waren 6,9 Prozent weniger als in den ersten sechs Monaten 2023. Gegenüber dem zweiten Halbjahr 2021 – dem Vergleichszeitraum vor dem Ukraine-Krieg – mussten Haushaltskunden trotz staatlicher Preisbremsen aber 67,1 Prozent mehr zahlen.

Strom kostete die Verbraucherinnen und Verbraucher durchschnittlich 41,75 Cent je Kilowattstunde. Das waren 1,3 Prozent weniger als in den ersten sechs Monaten, aber 19,4 Prozent mehr als im zweiten Halbjahr 2022 und 27 Prozent mehr als vor der Krise. In den Preisen sind die bis Jahresende 2023 geltenden staatlichen Preisbremsen für Strom und Gas berücksichtigt. Die Ampel-Koalition hatte sich um eine Entlastung der Verbraucher bemüht.

11.54 Uhr: Interesse an smarten Stromzählern steigt

Immer mehr Menschen in Deutschland sind bereit, Daten über ihren eigenen Energieverbrauch in Echtzeit mit dem Netzbetreiber zu teilen. In einer repräsentativen Umfrage des Digitalverbandes Bitkom sagten 63 Prozent der Befragten, sie könnten sich vorstellen, künftig einen „Smart Meter“ zu nutzen. 2020 lag der Zustimmungswert nur bei 36 Prozent und ist seither Jahr für Jahr gestiegen.

Der „Smart Meter“ ist ein elektronischer Stromzähler. Er misst den Stromverbrauch und sendet die Daten über ein „Smart Meter Gateway“ an den Netzbetreiber. Dadurch können die Verbraucher zum einen ohne Verzögerungen ihren Stromverbrauch ermitteln.

In einem „Smart Home“ ist das System auch in der Lage, bestimmte Geräte wie eine elektrische Wärmepumpe oder eine Wallbox zum Laden eines Elektroautos dann einzuschalten, wenn viel Wind‑ oder Solarstrom ins Netz drängt. „Wir brauchen „Smart Meter“ und „Smart Gateways“, weil die Energieflüsse nicht mehr so konstant sind, sondern der Wind weht, wann immer er weht, und die Sonne scheint, wann immer sie scheint“, sagte Bitkom-Präsidiumsmitglied Matthias Hartmann.

Nach Angaben des Verbandes waren von den gut 52 Millionen in Deutschland verbauten Stromzählern Ende 2022 weniger als 300.000 bereits „Smart Meter“. „Mittlerweile geht diese Zahl durchaus hoch“, sagte Hartmann. Der Bitkom gehe davon aus, dass die Zahl zwischen 800 000 und einer Million liege. Dazu habe auch das im vergangenen Jahr beschlossene „Gesetz zum Neustart der Digitalisierung der Energiewende“ beigetragen. Im europäischen Vergleich liege man weit zurück. „Andere Länder wie Italien, Frankreich, Spanien haben das bereits vor vielen Jahren begonnen und befinden zum Teil in der nächsten Rollout-Welle. In Deutschland geht das gerade erst los.“

Montag, 18. März, 11.08 Uhr: Wirtschaftsministerium rechnet mit schrumpfendem Gasnetz

Im Zuge des bis 2045 geplanten weitgehenden Ausstieg aus fossilen Brennstoffen rechnet das Bundeswirtschaftsministerium mit einer Verkleinerung des bestehenden Gasverteilnetzes. „Bis dahin muss der Ausstieg aus fossilem Erdgas vollzogen worden sein, Gasverteilernetze für die bisherige Erdgasversorgung werden dann in der derzeitigen Form und Umfang nicht mehr benötigt werden“, heißt es in einem 23-seitigen Ideenpapier, das das Ministerium vor Kurzem auf seiner Website veröffentlicht hat. Die „Bild“-Zeitung berichtete darüber.

Deutschland soll laut Klimaschutzgesetz bis 2045 klimaneutral werden, also nicht mehr Treibhausgase ausstoßen als auch wieder gebunden werden können. Unter anderem müsse rechtzeitig geklärt werden, wie ein weiterer Ausbau zur Erdgasversorgung vermieden werden könne und „unter welchen Voraussetzungen bestehende Gasnetzanschlüsse getrennt und zurückgebaut werden dürfen“, heißt es in dem Papier.

Gasverteilernetze dienten vorrangig der Versorgung mit Erdgas zur Wärmeerzeugung in Haushalten, von Industrieunternehmen und anderen Unternehmen sowie lokalen Kraftwerken, heißt es in dem Papier. „In welchem Umfang diese Gasverteilernetze nach dem Jahr 2045 noch benötigt werden, wird unter anderem davon abhängen, inwieweit sie zur Verteilung von Wasserstoff verwendet werden können und sollen.“ Dies sei durch teils aufwendige Veränderungen möglich. „Entsprechend ist davon auszugehen, dass die Länge der Gasverteilernetze von derzeit über 500.000 km stark zurückgehen wird.“

Das Ministerium geht davon aus, dass viele Kunden künftig durch Wärmenetze versorgt werden oder strombetriebene Wärmepumpen nutzen werden. „Eine dezentrale Wasserstoffversorgung insbesondere von Heizkunden bzw. einzelnen Haushalten erscheint derzeit u. a. wegen der hohen Kosten des Wasserstoffs im Wärmesektor und vor allem wegen der voraussichtlich beschränkt verfügbaren Mengen wenig wahrscheinlich. Auch im Bereich von Gewerbe und Industrie wird der Verbrauch von Erdgas durch andere Energieträger zu ersetzen sein und es wird – soweit möglich – ebenfalls eine Elektrifizierung oder der Anschluss an ein Wärmenetz erfolgen.“

Entscheidend sei, dass während der Umstellung „eine kontinuierliche, bezahlbare Energieversorgung der Endverbraucher“ gewährleistet bleibe. Falls Erdgasnetze stillgelegt würden, bräuchten angebundene Kunden einen hinreichenden Vorlauf.

Freitag, 15.3, 19.10 Uhr: Münchner Unternehmen stellt in Spanien „erneuerbares Gas“ her


Das Münchener Unternehmen Turn2X hat in Spanien die nach eigenen Angaben erste Produktionsstätte zur kommerziellen Herstellung von erneuerbarem und klimaneutralem Erdgas in Europa eröffnet. Mit der am Freitag in Miajadas in der Region Extremadura im Westen des Landes eröffneten Anlage werde die deutsche Energiewende beschleunigt, teilte das Unternehmen mit. Bis 2030 will Turn2X mit „grünem Methan“, das rund 300 Kilometer südwestlich von Madrid aus grünem Wasserstoff und CO2 produziert wird, zehn Prozent des deutschen Erdgasbedarfs abdecken.

„Nach unserem Wissensstand ist es auch die erste (kommerzielle Anlage) weltweit“, sagte Philip Kessler, Co-Founder und CEO von Turn2X auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur. Nicht kommerzielle Anlagen gibt es laut dem Unternehmen bereits auch anderswo.

Die Anlage in Miajadas verfüge über eine Kapazität von zwei Megawatt und könne jährlich rund zwei Gigawattstunden erneuerbares Erdgas erzeugen. Über eine bestehende Erdgaspipeline sei die Anlage mit Deutschland verbunden, sodass im weiteren Jahresverlauf der Beginn der Lieferungen an deutsche Kunden geplant sei.

Ein entscheidender Vorteil der Anlage ist nach Angaben des 2022 gegründeten Unternehmens die hohe Flexibilität: Sie lasse sich schnell hoch- bzw. herunterfahren und eigne sich daher besonders für eine Stromversorgung durch Windkraft- und Photovoltaik-Anlagen. Großer Bedarf an dem klimaneutralen und zuverlässigen Energieträger bestehe vor allem in der mittelständischen Industrie und der Schifffahrt, aber auch bei kommunalen Versorgern.

Man sei überzeugt, dass das Verfahren nicht nur technologisch, sondern auch ökonomisch funktionieren werde, sagte Kessler. „Dazu brauchen wir die Skalierung, die wir jetzt umsetzen wollen.“ Noch dieses Jahr plant Turn2X den Bau einer Anlage mit einer Leistung von mindestens neun Megawatt. Der Standort werde ebenfalls in Spanien sein. Diese Anlage wäre dann auf jeden Fall laut die größte weltweit.

14.29 Uhr: Appell an Bund: Sterben der ostdeutschen Solarindustrie stoppen

Im Ringen um den Erhalt der Solarindustrie haben vier ostdeutsche Hersteller rasches Handeln von Bundesregierung und Bundestag gefordert. „Was wir brauchen, ist Hilfe gegen den mit allen Mitteln ausgefochtenen Preiskrieg chinesischer Anbieter“, heißt es in einer Petition. Sie soll am Dienstagmittag im Bundeskanzleramt an den Ostbeauftragten Carsten Schneider (SPD) überreicht werden.

Die Unternehmen pochen einerseits auf Arbeits- und Sozialstandards für in Deutschland verbaute Module. Ein Großteil der Module aus China sei in Zwangsarbeit hergestellt. Zudem unterstütze der Staat die Produktion dort mit immensen Subventionen. Daher fordern die Firmen Unterstützung für Solarprodukte aus heimischer Produktion. Die Rede ist von sogenannten Resilienzboni und Resilienzauktionen. Das bedeutet eine höhere Förderung für Solaranlagen aus europäischer Produktion. Die Bundesregierung müsse alles in ihrer Macht stehende tun, um diese Instrumente im Rahmen des Solarpakets 1 einzuführen. Die Bundesregierung konnte sich bisher aber nicht auf entsprechende Hilfen einigen.

Unterzeichnet ist die Petition von der GMB Glasmanufaktur in Brandenburg sowie den Modulproduzenten Heckert Solar, Solarwatt und Meyer Burger, die sechs Standorte in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen betreiben. Zusammen haben die vier Unternehmen nach eigenen Angaben etwa 2.500 Beschäftigte.

Wegen der Konkurrenz aus China stehen deutsche Solarhersteller massiv unter Druck. So droht etwa der Produktion von Meyer Burger im sächsischen Freiberg das Aus. Der Petition zufolge sind nicht nur viele Arbeitsplätze in Ostdeutschland bedroht. Es gehe auch darum, geopolitische und energiepolitische Abhängigkeiten zu verringern. „Handeln Sie jetzt, damit die Solarindustrie und ihre Beschäftigten eine Zukunft in Deutschland haben“, so der Appell.

Montag, 11. März, 13.01 Uhr: Erneuerbare Energien decken fast 75 Prozent des Stromverbrauchs in Nord und Ost

Der Anteil der erneuerbaren Energien am Stromverbrauch in Ost- und Norddeutschland ist im vergangenen Jahr weiter gestiegen. Zu nahezu drei Vierteln (72 Prozent) konnte der Verbrauch in den Ländern Berlin, Brandenburg, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen, Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein und Hamburg aus grünen Stromquellen gedeckt werden, wie der ostdeutsche Übertragungsnetzbetreiber 50Hertz am Montag in Berlin mitteilte. Während der Ausbau von Windenergie an Land im Übertragungsnetzgebiet stagnierte, gab es einen deutlichen Zuwachs an Photovoltaik-Kapazitäten.

Solaranlagen mit einer Kapazität von zusammen knapp 2,9 Gigawattstunden wurden im vergangenen Jahr neu installiert, wie 50Hertz weiter mitteilte. Das war fast eine Gigawattstunde mehr Zubau als im Jahr davor. Trotz dieses Zuwachses stammt der erneuerbare Strom in den 50Hertz-Bundesländern weiterhin zu fast drei Vierteln aus Windenergie. Mit der Inbetriebnahme des Ostsee-Windparks Arcadis Ost konnten 2023 auch dort die Kapazitäten gesteigert werden. An Land wurden hingegen kaum neue Anlagen gebaut. „Da sind wir nicht auf dem Zielpfad, den wir uns politisch gemeinsam vorgenommen haben“, sagte 50Hertz-Chef Stefan Kapferer am Montag in Berlin.

Während immer mehr grüner Strom produziert wird, ging der Stromverbrauch im vergangenen Jahr leicht zurück. 94 Terawattstunden verbrauchten die acht Bundesländer 2023 insgesamt. „Damit ist der Verbrauch in den vergangenen Jahren praktisch nicht gestiegen“, betonte Kapferer. Grund dafür sei etwa der schleppende Hochlauf der stromintensiven Elektromobilität. Diese Entwicklung stelle das Stromsystem vor Herausforderungen. „Wir werden in den Mittagsstunden sehr rasch Erzeugungsmengen haben, die wir leider im Moment nicht nutzen können.“

Gleichwohl setzt 50Hertz weiter auf den Neu- und Ausbau der Übertragungsnetze. Allein im laufenden Jahr will das Unternehmen die eigenen Investitionen in die Infrastruktur im Vergleich zu 2023 auf 3,3 Milliarden Euro nahezu verdoppeln. Bis 2028 sollen knapp 21 Milliarden Euro in die Ertüchtigung fließen. Für die dafür notwendigen Kredite muss 50Hertz inzwischen mehr Zinsen zahlen. Mehrere Ratingagenturen hatten das Unternehmen zuletzt herabgestuft. Das lag Finanzchef Marco Nix zufolge vor allem an der geringen Ertragskraft des Unternehmens, mit der die hohen Investitionssummen nicht so leicht zu stemmen seien.

Montag, 4. März, 14.50 Uhr: EU-Länder wollen weiter mindestens 15 Prozent Gas einsparen

Trotz der deutlich besseren Versorgungslage wollen die EU-Länder weiter Gas einsparen. Die Energieministerinnen und -minister der Mitgliedstaaten verständigten sich am Montag bei einem Treffen in Brüssel darauf, den Ende des Monats auslaufenden Gas-Notfallplan um ein weiteres Jahr zu verlängern. Demnach sollen die EU-Staaten ihren Gasverbrauch weiter freiwillig um 15 Prozent unter dem Durchschnittsverbrauch des Zeitraums von April 2017 bis März 2022 halten.

„Obwohl sich die Versorgungssicherheit in der EU verbessert hat, muss die Nachfrage weiter gesenkt werden, um ausreichende Gasspeicher für den nächsten Winter zu sichern“, teilten die Länder mit. Der Notfallplan war 2022 als Reaktion auf die durch den russischen Angriffskrieg verursachte Energiekrise in Kraft getreten und sollte ursprünglich bis Ende März 2023 gelten. Vor einem Jahr hatten sich die Energieminister bereits auf eine Verlängerung bis März 2024 geeinigt.

Die EU-Kommission hatte vergangene Woche die Verlängerung vorgeschlagen. Zwar hätten sich die Aussichten der EU im Energiebereich verbessert, es seien aber weiterhin Einsparungen erforderlich. „Kontinuierliche Gaseinsparungen werden dazu beitragen, die derzeitige Marktstabilität zu erhalten und zu verbessern“, hieß es.

Zwischen August 2022 und Dezember 2023 ist die Gasnachfrage in der EU nach Angaben der EU-Kommission um 18 Prozent gesunken. Die Bemühungen gingen demnach über das Einsparziel von 15 Prozent hinaus. Die nun beschlossene erneute Verlängerung muss noch formal angenommen werden.

10.21 Uhr: Habeck sichert Leag grünes Licht für Entschädigung bis Ostern zu

„Wir wollen die Notifizierung der Beihilfe endlich durchsetzen, Ostern soll das politisch beschlossen sein, ich werde mich dafür persönlich einsetzen“, sagte Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck am Dienstag zum Auftakt der dritten Konferenz zur Infrastrukturentwicklung im Lausitzer und Mitteldeutschen Revier.

Der Lausitzer Tagebau- und Kraftwerksbetreiber soll für den vorgezogenen Kohleausstieg Entschädigungszahlungen in Höhe von 1,75 Milliarden Euro erhalten. Diese Entschädigung, die die entgangenen Gewinne kompensieren soll, muss jedoch von der EU-Kommission genehmigt werden.

09.15 Uhr: Studie sieht Aufteilung in Strompreiszonen kritisch

Eine Aufteilung Deutschlands in zwei Strompreiszonen würde laut einer Studie der Beratungsfirma Prognos negative wirtschaftliche Folgen haben. „Voraussetzung für den Erhalt der einheitlichen Zone ist allerdings, dass der Netzausbau zügig vorangetrieben wird“, heißt es in der am Dienstag veröffentlichen Studie, die die Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (vbw) beauftragt hatte. Die Teilung des Strommarktes in einen Nord- und einen Südteil könnte demnach zu höheren Strompreisen im Süden, fehlender Planungssicherheit bei Unternehmen und einer Verringerung der Liquidität des deutschen Strommarktes führen.

Bisher ist in Deutschland für den Strompreis nicht entscheidend, wo dieser produziert wird. Solange die Kraftwerksbetreiber zur selben Zeit Strom anbieten, erzielen sie auch denselben Preis. Die Aufteilung Deutschlands in zwei Strompreiszonen wird in Fachkreisen seit einigen Jahren diskutiert, weil die Energiewende zu einem Ungleichgewicht der Stromversorgung geführt hat: In Süddeutschland mit seinen großen Industriestandorten reicht die Stromproduktion nicht mehr, um den Bedarf zu decken, im Norden wird mehr Strom produziert als verbraucht.

Durch eine geografische Aufteilung des Marktes könnten die Strompreise laut der Studie dementsprechend im Norden sinken, im Süden steigen. Eine Teilung könne Kraftwerksbetreiber aber auch zum Bau von erneuerbaren Energieanlagen im Süden und Westen bewegen. „Bei genauer Analyse eines Strompreiszonensplits zeigt sich schnell, dass negative Auswirkungen überwiegen“, sagte vbw-Hauptgeschäftsführer Bertram Brossardt.

Dienstag, 27. Februar, 7.20 Uhr: Habeck bei Konferenz zur Energiewende in der Lausitz

Die Energiewende in der Lausitz beschäftigt am Dienstag (ab 08.55 Uhr) eine Konferenz mit Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) in Cottbus. Es geht um den Umstieg von Kohle auf erneuerbare Energien, aber auch um die kommunale Wärmewende und die wirtschaftliche Entwicklung der Region. Angekündigt sind auch Bundesbauministerin Klara Geywitz (SPD) und der Ostbeauftragte der Bundesregierung, Carsten Schneider (SPD), ebenso wie der Ministerpräsident aus Sachsen-Anhalt Reiner Haseloff (CDU), der sächsische Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) und Brandenburgs Regierungschef Dietmar Woidke (SPD). Veranstalter ist der Energieverband BDEW.

Schon für den frühen Morgen sind Proteste am Veranstaltungsort Stadthalle angekündigt, wie die Polizei mitteilte. Die Organisatoren erwarten eine „niedrige dreistellige Zahl“ von Teilnehmerinnen und Teilnehmern sowie einen Traktor und einen Lastwagen. Zuletzt hatte es mehrfach scharfe Proteste gegen Grünen-Politiker gegeben. Die Polizei rechnet mit Verkehrsbehinderungen. Sie will ab 07.00 Uhr die Straße direkt an der Stadthalle sperren, von 07.30 bis etwa 12.00 Uhr sollen dort auch keine Busse und Bahnen fahren.

Landwirte kommen mit Traktoren zu einer Demonstration vor Beginn der Dritten Konferenz zur Infrastrukturentwicklung im Lausitzer und Mitteldeutschen Revier in der Stadthalle Cottbus.
© dpa

Sonntag, 25. Februar, 12.01 Uhr: Verbraucher zahlen 41 Prozent mehr für Energie als Anfang 2021

Die Preise für Heizen, Strom und Tanken liegen nach einer Expertenanalyse derzeit noch rund 41 Prozent über dem Vorkrisenniveau von Anfang 2021. Für die Berechnung hat das Vergleichsportal Verivox als Grundlage einen Drei-Personen-Musterhaushalt mit einem jährlichen Wärmebedarf von 20.000 Kilowattstunden (kWh), einem Stromverbrauch von 4.000 kWh und einer jährlichen Autofahrstrecke von 13.300 Kilometern verwendet. Dieser durchschnittliche Haushalt muss zurzeit 1.534 Euro mehr für Energie ausgeben als noch im Februar 2021, wie die Funke-Mediengruppe berichtete, der die Analyse vorlag.

Strom, Sprit und Heizung kosten demzufolge den Musterhaushalt derzeit 5.306 Euro im Jahr. Im Februar 2021 waren es für die gleiche Menge Energie 3.772 Euro. Der Anstieg beträgt 41 Prozent. Der kräftige Preisanstieg für Energie begann 2021 nach der Corona-Pandemie, hervorgerufen durch Engpässe auf den Öl-, Gas- und Strommärkten. In Deutschland verteuerten sich die Energiepreise ab Herbst 2021 rasant. Nach dem Einmarsch Russlands in der Ukraine nahm die Entwicklung weiter Fahrt auf. Die Bundesregierung versuchte unter anderem mit einem zeitlich begrenzten Tankrabatt, Gas- und Strompreisbremsen sowie einer Energiepauschale Verbrauchern zu helfen.

Der Verbraucherzentrale Bundesverband rät angesichts des weiter hohen Preisniveaus zum Anbieterwechsel. „Da viele Neuverträge für Strom und Gas aktuell kostengünstiger sind, sollten Verbraucherinnen und Verbraucher prüfen, ob sie nicht zu einem guten und günstigeren Anbieter wechseln können“, sagte dessen Vorständin Ramona Pop der Funke-Mediengruppe. Wichtig sei jedoch, genau zu schauen, ob der Anbieter auch seriös ist.

Donnerstag, 22. Februar, 15.20 Uhr: Mehrwertsteuersenkung auf Gas soll erst Ende März auslaufen

Die Mehrwertsteuersenkung bei Gas soll doch erst Ende März auslaufen – einen Monat später als geplant. Das geht aus dem Ergebnis des Vermittlungsausschusses von Bundesrat und Bundesrat zum Wachstumschancengesetz hervor. Nach der vom Bundesgesetz beschlossenen Fassung war noch von einem Auslaufen der Senkung Ende Februar die Rede.

Wegen der gestiegenen Energiepreise nach dem russischen Angriff auf die Ukraine hatte die Bundesregierung den Mehrwertsteuersatz für Gas und Wärme von 19 auf 7 Prozent gesenkt und beides so billiger gemacht. Laut geltendem Gesetz soll die Maßnahme Ende März auslaufen.

Ein Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion sagte am Donnerstag, mit dem Wachstumschancengesetz sollte das Auslaufen des ermäßigten Steuersatzes für die Lieferung von Gas und von Wärme bereits zum 29. Februar erfolgen. „Diese Maßnahme wurde gestrichen. Somit läuft der ermäßigte Steuersatz erst Ende März aus.“

Der Stadtwerkeverband VKU begrüßte den Beschluss des Vermittlungsausschusses. Hauptgeschäftsführer Ingbert Liebing sagte: „Das ist richtig und gut so. Die Klarheit war erforderlich, die lange Hängepartie ist aufgelöst. Eine vorgezogene Steuererhöhung hätte Gas und Strom für alle wieder früher verteuert. Dies hätte im völligen Widerspruch zu den debattierten Hilfen für die Wirtschaft gestanden.“

Das geänderte Wachstumschancengesetz muss noch Bundestag und Bundesrat passieren. Unklar ist, ob die Union dem Gesetz zustimmt. Die Mehrwertsteuersenkung läuft aber nach geltendem Umsatzsteuergesetz ohnehin Ende März aus.

Mittwoch, 21. Februar, 15.09 Uhr: Lausitzer Kommunen bewerben sich bei EU für Energie-Modellregion

Zwei Wochen nach Abschluss der Verhandlungen zum Netto-Null-Industrie-Gesetz der EU (NZIA) hat die Lausitz als erste Region beim zuständigen EU-Industriekommissar Thierry Breton ihre Bewerbung als „Netto-Null Valley“ abgegeben. Das teilte die Lausitzrunde am Mittwoch mit. Sechs Bürgermeisterinnen und Bürgermeister des kommunalen Bündnisses sind derzeit zu Besuch in Brüssel, um für die Lausitz als Energie-Region zu werben.

Das Netto-Null-Industrie-Gesetz (Net-Zero Industry Act) ist Teil des grünen Industrieplans. Es soll dafür sorgen, dass mehr saubere Technologien in der EU produziert werden. Dabei geht es um Technologien, die die Energiewende vorantreiben und nur geringe bis gar keine Treibhausgasemissionen verursachen.

„Das Gesetz ist ein ausgezeichnetes Instrument, um unsere Lausitz zu befähigen, den Strukturwandel mit der notwendigen Geschwindigkeit voranzutreiben“, sagte die Sprecherin der Lausitzrunde für die Brandenburger Kommunen, Christine Herntier. Kommissar Breton habe sich von der Bewerbung und den vorgebrachten Ambitionen beeindruckt gezeigt und den Lausitzer Vertretern seine aktive Unterstützung auch im Dialog mit Bund und Ländern zugesagt, berichtete sie.

Mit dem Netto-Null-Industrie-Gesetz will Europa die Attraktivität seines Wirtschaftsstandorts durch schnellere Genehmigungsverfahren, gezielterer Aus- und Weiterbildung von und für Fachkräfte der Netto-Nulltechnologien und einem besseren Marktzugang für Technologien „Made-in-Europe“ stärken.

Montag, 19. Februar, 14 Uhr: So geht es mit den Energiepreisen in Sachsen weiter

Die großen sächsischen Stromversorger Sachsen-Energie und Envia-M werden ihre Strompreise zum März und April erneut nicht senken. Die Sprecherinnen der Konzerne in Dresden und Chemnitz teilten auf Nachfrage von Sächsische.de mit, derzeit seien keine Änderungen geplant. Mitte Februar werden üblicherweise die Verbraucherpreise für April festgelegt.

Montag, 12. Februar, 10.39 Uhr: Europäischer Gaspreis auf tiefstem Stand seit Juli

Der Preis für europäisches Erdgas ist am Montag auf den tiefsten Stand seit über einem halben Jahr gefallen. Der richtungweisende Terminkontrakt TTF zur Auslieferung in einem Monat an der Börse in Amsterdam rutschte unter 26 Euro je Megawattstunde. Am Morgen kostete der Kontrakt 25,82 Euro und war damit so günstig wie seit Juli nicht mehr.

Der Krieg im Nahen Osten hatte den Preis im Oktober über 50 Euro steigen lassen. Dann setzte im November eine Trendwende ein. Seit Beginn des Jahres hat sich der Rohstoff um etwa 20 Prozent verbilligt. Am Markt wird der Rückgang unter anderem mit der eher schwachen Konjunktur in der EU erklärt. Diese bremse die Gasnachfrage auch in Deutschland.

Nach jüngsten Angaben der Bundesnetzagentur vom Januar sparte Deutschland Ende 2023 viel Gas. Demnach lag der Gasverbrauch in den Monaten Oktober bis Dezember in der Industrie 16 Prozent unter dem durchschnittlichen Verbrauch der Jahre 2018 bis 2021. Der Verbrauch von Haushalten und Gewerbetreibenden war 16,7 Prozent niedriger. Die Netzagentur verweist auf die Temperaturen: Diese hätten 2023 über dem Durchschnitt der Jahre 2018 bis 2022 gelegen, was einen großen Einfluss auf den Verbrauch gehabt habe.

Zwar ist der Gesamtfüllstand der Erdgasspeicher in Deutschland seit Beginn des Jahres kontinuierlich gesunken. Er ist aber für die Jahreszeit weiter vergleichsweise hoch. Am Samstag lag der Gesamtfüllstand bei 72,59 Prozent, wie aus Daten des europäischen Gasspeicherverbands GIE hervorgeht.

Das Preisniveau liegt zudem deutlich unter den Höchstständen, die im Zuge des russischen Krieges gegen die Ukraine erreicht worden waren. Im Verlauf des Jahres 2022 wurden zeitweise mehr als 300 Euro je Megawattstunde fällig, nachdem Russland seine Gaslieferungen nach Europa stark gedrosselt hatte.

Donnerstag, 8. Februar, 14:14 Uhr: Habeck will mit Polen über die weitere Versorgung der Raffinerie PCK sprechen

Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) will mit Polen über die weitere Versorgung der wichtigen Raffinerie PCK in Schwedt mit Rohöl sprechen. Das Thema werde bei Habecks Antrittsbesuch bei der neuen polnischen Regierung kommende Woche eine Rolle spielen, sagte eine Sprecherin des Wirtschaftsministeriums am Donnerstag. Mit Habeck reise sein Staatssekretär Michael Kellner (ebenfalls Grüne) nach Warschau.

Die Raffinerie, die weite Teile von Nordostdeutschland und Westpolen mit Benzin, Diesel und Co versorgt, war bis Ende 2022 jahrzehntelang mit russischem Rohöl betrieben worden. Wegen des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine drang die Bundesregierung auf eine Umstellung auf andere Bezugsquellen. Das Rohöl kommt nun über den Hafen Rostock sowie über den polnischen Hafen Danzig nach Schwedt. Hinzu kommen Rohölmengen aus Kasachstan.

Die Raffinerie gehört zu 54 Prozent deutschen Töchtern des russischen Staatskonzerns Rosneft. Diese Anteile sind jedoch in Treuhandverwaltung und damit unter Kontrolle des Bundes. Die Bundesregierung prüft derzeit eine mögliche Enteignung der Rosneft-Anteile. Eine Entscheidung ist noch nicht gefallen.

21.53 Uhr: Bundestag verlängert Gasspeicher-Gesetz

Die staatlichen Vorgaben für die Füllstände deutscher Gasspeicher bleiben noch mindestens drei Jahre erhalten. Der Bundestag verlängerte am Donnerstagabend die im kommenden Jahr auslaufende Regelung vorzeitig bis zum 1. April 2027. Dies diene der Versorgungssicherheit, bis die Infrastruktur für die Aufbereitung und Einspeisung von Flüssigerdgas vorhanden sei, heißt es zur Begründung im Gesetzentwurf.

Die nach dem russischen Angriff auf die Ukraine eingeführte Regelung sieht vor, dass die Gasspeicher Anfang September zu 75 Prozent gefüllt sein müssen, Anfang Oktober zu 85 und Anfang November zu 95 Prozent. Zu Beginn dieses Winters war im November sogar die Marke von 100 Prozent erreicht worden. Zwischen Weihnachten und Silvester waren es noch immer rund 90 Prozent. Der gesetzlich festgelegte Mindestfüllstand, den die Gasspeicher am 1. Februar noch aufweisen müssen, wurde im Zuge der Verlängerung von 40 auf 30 Prozent gesenkt.

Donnerstag, 18. Januar, 12.20 Uhr: Neue Regeln für Netzentgelt-Berechnung: Gas könnte teurer werden

Wer Gaskunde ist, muss sich zukünftig auf etwas höhere Netzentgelte in seiner Gasrechnung einstellen. Die Bundesnetzagentur legte am Donnerstag in Bonn ein Eckpunktepapier vor, das neue Regeln für die Berechnung der Netzentgelte vorschlägt. Netzentgelte zahlt jeder Haushalt, mit ihnen werden Investitionen sowie laufende Kosten für den Netzbetrieb gestemmt.

In Zeiten der Energiewende sinkt der Gasbedarf perspektivisch. Deshalb soll der Abschreibungszeitraum für Investitionen verkürzt werden: In den nächsten Jahren sollen Netzbetreiber also höhere Kosten auf die Netzentgelte umlegen dürfen, als sie es nach derzeit gültigen Regeln tun dürfen.

Die Logik dahinter: Derzeit gibt es noch viele Gaskunden, die finanziellen Lasten können also auf viele Schultern verteilt werden. Bliebe es bei dem jetzigen, sehr langfristigen Abschreibungszeitraum, so könnten die Netzbetreiber einen Teil ihrer Kosten erst dann geltend machen, wenn kaum noch Gaskunden da sind. Das könnte die wenigen verbliebenen Kunden überfordern und die Netzbetreiber könnten auf einem Teil ihrer Investitionen sitzen bleiben.

Setzt die Behörde ihren Vorschlag um, könnten die Gasnetzentgelte pro Haushalt monatlich um einen einstelligen Euro-Betrag steigen, so die Schätzung der Netzagentur. Noch ist nichts entschieden, nun hat die Energiebranche Gelegenheit zu Wortmeldungen. Der Verbraucher wird die finanziellen Folgen vermutlich erst 2026 zu spüren bekommen.

Dienstag, 16. Januar, 11.53 Uhr: Speicherverband hält Gasmangel im Winter 2023/24 als unwahrscheinlich

Die Speicherbetreiber halten einen Gasmangel im Frühjahr 2024 für wenig wahrscheinlich. Zumindest „solange keine zusätzlichen Risiken mehr auftreten“, sagte der Geschäftsführer des Branchenverbands Initiative Energien Speichern (Ines) Sebastian Heinermann. Dies geht aus aktualisierten Schätzungen hervor, die der Branchenverband am Freitag in Berlin vorgestellt hat.

Zum Ende des Winters wird ein Füllstand-Tiefpunkt von 54 Prozent erwartet, „was unproblematisch mit Blick auf die Versorgungssicherheit in Deutschland ist“, sagte Heinermann. Damit sollte auch die gesetzliche Füllstandsvorgabe von 40 Prozent im Februar keine Herausforderung darstellen. Selbst im Szenario eines kalten Winters wie 2010 wären die Speicher Mitte März 2024 immer noch zu 14 Prozent gefüllt, so die Prognose des Verbands. Von diesen Temperaturen ist der Winter 2023/2024 aber weit entfernt. Bisher sind die Wintermonate sogar wärmer als im Normalwetterjahr 2016.

Wenn der Verbrauch ab April erwartungsgemäß abnehme, könnten auch die notwendigen Einsparungen realisiert werden, sagte Heinermann. Damit sei es möglich, die Gasspeicher im Sommer vollständig zu füllen. Der Branchenverband geht von 100 Prozent vollen Speichern im Oktober aus.

Sonntag, 14. Januar 2024, 11.35 Uhr: CO2-Preis fürs Heizen: Eigentümerverband will Karlsruhe einschalten

Der Eigentümerverband Haus und Grund will die Aufteilung der CO2-Kosten zwischen Mietern und Vermietern durch das Bundesverfassungsgericht überprüfen zu lassen. „Wir suchen den Weg nach Karlsruhe“, sagt Verbandspräsident Kai Warnecke den Zeitungen der Funke Mediengruppe laut Vorabbericht vom Sonntag. In diesem Jahr gingen die ersten Betriebskostenabrechnungen nach dem neuen System raus. „Sobald wir einen geeigneten Fall haben, lassen wir das rechtlich prüfen“, sagte Warnecke. Das werde vermutlich in ein einigen Monaten der Fall sein.

Für 2023 greift erstmals ein System zur Verteilung des CO2-Preises bei Mietwohnungen, das die Ampel-Koalition beschlossen hatte. In Gebäuden mit hohem Kohlenstoffdioxid-Ausstoß pro Quadratmeter sollen dabei Vermieter einen größeren Teil der Kosten übernehmen, in Gebäuden mit niedrigem Ausstoß die Mieter.

„Wir haben nicht den Eindruck, dass dieser Maßstab als Begründung sachgerecht ist für die Aufteilung des CO2-Preises“, sagte Warnecke. Über den Verbrauch habe der Vermieter keine Kontrolle. „Wer in einem schlecht isolierten Haus wohnt, zieht sich vielleicht eher einen Pullover an, als die Wohnung auf 21 Grad zu heizen, weil er weiß, dass dafür viel Energie nötig ist. Wer aber weiß, dass das Gebäude gut isoliert ist, ist weniger motiviert zu sparen. Und am Ende ist der CO2-Ausstoß der gleiche.“

Der Verband plädierte für eine Umverteilung der Einnahmen aus dem CO2-Preis über ein Klimageld. „Das hätte auch eine soziale Komponente“, sagte Warnecke. Allerdings hatte Bundesfinanzminister Christian Lindner (FDP) zuvor klargemacht, über die Auszahlung eines Klimageldes solle erst in der nächsten Legislaturperiode entschieden werden.

Donnerstag, 11. Januar 2024, 7.15 Uhr: Bundesnetzagentur zur Gasversorgung: „Kein Grund zur Sorge“

Deutschland greift wegen des eisigen Wetters nach Angaben der Bundesnetzagentur seine Gasreserven an. Der Behörde zufolge ist dies aber „kein Grund zur Sorge“. „Wegen der kalten Temperaturen wird seit einigen Tagen Gas ausgespeichert. Da es laut Wetter-Prognosen noch einige Tage kalt bleiben soll, dürfte auch weiter Gas ausgespeichert werden“, sagte der Präsident der Bundesnetzagentur, Klaus Müller, der „Rheinischen Post“.

Er betonte aber, dass die Speicher in Deutschland mit 88,8 Prozent sehr gut gefüllt seien. „Auch an den Gasmärkten sind die Teilnehmer entspannt: Die Preise sind in den vergangenen Tagen sogar leicht gefallen, kalte Phasen wie jetzt sind eingepreist.“

Mit Blick auf die nächsten Wochen sagte Müller: „Eine Gasmangellage ist unwahrscheinlich. Schwierig wäre es nur, wenn es über viele Wochen sehr kalt wäre und Probleme bei der Gasversorgung etwa unserer Nachbarn hinzukämen.“ Der Behörden-Chef rät dennoch zur Sparsamkeit: „Trotzdem ist es gut, weiter Gas zu sparen – auch für den eigenen Geldbeutel.“

Bereits am Mittwoch hatte Müller mit Blick auf die Versorgungssicherheit betont, die Gasspeicher in Deutschland seien immer noch sehr gut gefüllt. Trotz einer Reihe wirklich kalter Tage mit hohem Gasverbrauch sei die Bundesnetzagentur „sehr optimistisch, was die Gasversorgung in diesem Winter angeht“, hatte er in Erfurt gesagt.

Samstag, 6. Januar, 15.04 Uhr: Netzagentur sieht Gaslage entspannt – Kein Aufruf zu kälteren Duschen

Die Bundesnetzagentur sieht den Gasverbrauch in Deutschland in der Mitte der Heizperiode entspannt. „Die Bundesnetzagentur ruft nicht dazu auf, kälter zu duschen oder die Heizung runterzudrehen. Das kann jeder Verbraucher für sich selbst entscheiden“, sagte Behördenpräsident Klaus Müller. Es werde wegen der steigenden Mehrwertsteuer auf Gas und des höheren CO2-Preises teurer, eine Gasheizung zu nutzen. Auch müsse man nicht jeden Raum so beheizen wie das Wohnzimmer. „Aber man gefährdet nicht die Gasversorgung, wenn man es tut.“

Müller verwies auf eine inzwischen entspannte Lage bei den Gasspeichern. „Wir haben die Hälfte des Winters hinter uns, und wir sind sehr optimistisch.“ Zwar verbrauche man 6 Prozent mehr Gas als im vorherigen Winter. Deutschland verbrauche aber immer noch gut 16 Prozent weniger Gas als vor der Krise. Auch seien die Gasspeicher mit über 90 Prozent sehr gut gefüllt.

Zugleich wollte Müller nicht von einer Entwarnung sprechen. „Wir wissen noch nicht, wie Januar, Februar und März werden. Es gibt Restrisiken.“ So seien die Explosionen an den Pipelines Nord Stream 1 und 2 noch nicht aufgeklärt, und der Generalbundesanwalt ermittele wegen Schäden an einer Flüssiggas-Pipeline.

„Das zählt zu den Restrisiken. Unser Gas kommt zu einem großen Teil aus Norwegen. Wir sind dankbar, dass Norwegen, aber auch die Nato diese kritische Infrastruktur gut im Blick behalten.“ Der Behördenchef verwies dabei auf LNG-Terminals, mit denen Deutschland bei einem Ausfall von Leitungen aus Norwegen Gas einführen kann.

Donnerstag, 4. Januar, 14.22 Uhr: Gas gespart: Verbrauch in Deutschland sinkt 2023 um fünf Prozent

Deutschland hat im vergangenen Jahr nach Angaben der Bundesnetzagentur viel Gas gespart. Im Vergleich zum Vorjahr sank der Gasverbrauch um fünf Prozent auf gut 810 Terawattstunden, wie die Behörde am Donnerstag in Bonn mitteilte. Rund 41 Prozent des Gasverbrauchs entfielen demnach auf Haushalte und Gewerbe, 59 Prozent auf die Industrie. Im Vergleich zum Durchschnittsverbrauch der Jahre 2018 bis 2021 ging der Verbrauch um 17,5 Prozent zurück. Private Haushalte und Gewerbebetriebe hätten dabei 16,4 Prozent, die Industrie 18,3 Prozent gespart.

Deutschland hat 2023 nach vorläufigen Zahlen insgesamt 968 Terawattstunden Erdgas eingeführt. Das waren knapp 33 Prozent weniger als ein Jahr zuvor, als Deutschland noch Erdgas aus Russland bezog. Die größten Mengen kamen 2023 über Pipelines aus Norwegen (43 Prozent), den Niederlanden (26 Prozent) und Belgien (22 Prozent). Über die drei neuen Flüssigerdgas (LNG)-Terminals an den deutschen Küsten wurden knapp 70 Terawattstunden Erdgas angelandet. Das entspricht einem Anteil von gut 7 Prozent am Gesamtimport.

Die Gasexporte in die Nachbarländer gingen um fast 63 Prozent auf 187 Terawattstunden zurück. Der größte Anteil wurde mit 42 Prozent nach Tschechien exportiert. 19 Prozent entfielen auf die Niederlande, 18 Prozent auf Österreich.

Die Gas-Großhandelspreise sind 2023 im Vergleich zum Vorjahr laut Bundesnetzagentur deutlich gesunken. Der Durchschnittspreis für Gas, das am Folgetag geliefert wird, lag 2023 bei 41 Euro je Megawattstunde. 2022 lag dieser Preis im Schnitt noch bei 127 Euro. Aktuell pendele er um die 30 Euro je Megawattstunde.

Die Gasspeicher in Deutschland seien derzeit zu 91 Prozent gefüllt. „Das ist eine sehr gute Basis für die restlichen Wintermonate“, berichtete die Behörde weiter.

Dienstag, 2. Januar 2024, 20.50 Uhr: Anteil der Erneuerbaren an Stromerzeugung wächst auf über die Hälfte

Erneuerbare Energien haben im vergangenen Jahr mehr als die Hälfte der deutschen Stromerzeugung ausgemacht. Der Anteil des Stroms aus Wind, Wasser, Biomasse und sonstigen erneuerbaren Energien stieg auf 56 Prozent, wie die Bundesnetzagentur am Dienstag mitteilte. Im Vorjahr hatte der Wert bei 47,4 Prozent gelegen.

Ein Grund war das Wetter: Wasserkraftwerke profitierten nach der Trockenheit 2022 wieder von stärkeren Regenfällen. Sie erzeugten 16,5 Prozent mehr Energie als im Vorjahr. In Windkraftanlagen an Land wurden 18 Prozent mehr Strom erzeugt. Auch wegen mehr installierter Leistung speisten sie mit über 119 Terawattstunden so viel Strom wie nie ein.

Trotz deutlich größerer Kapazitäten war die Energie aus Photovoltaik fast konstant. Der Behörde zufolge war dafür vor allem das sonnenärmere Wetter verantwortlich.

Die Erzeugung durch Windkraftanlagen auf See litt hingegen unter Wartungsarbeiten an Windparks und Leitungen. Ihre Leistung lag fünf Prozent unter dem Wert aus dem Jahr 2022. Ebenfalls rückläufig war laut Netzagentur die Erzeugung aus Biomasse und sonstigen erneuerbaren Energien.

Deutlich weniger Energie wurde durch die konventionellen Energieträger Kohle und Atomkraft erzeugt. Die letzten Atomkraftwerke wurden im April abgeschaltet. Von gesunkenen Handelspreisen profitierten hingegen Gaskraftwerke. Ihre Energie wurde im Vergleich zu 2022 günstiger und damit auf dem Strommarkt attraktiver.

Freitag, 29.12., 8.46 Uhr: Deutsche Erdgasspeicher mit 90,8 Prozent gut gefüllt

Deutschland geht mit gut gefüllten Erdgasspeichern ins neue Jahr. Der Füllstand der Speicher lag am Donnerstagmorgen bei 90,8 Prozent, wie am Freitag aus im Internet veröffentlichten Daten des europäischen Gasspeicherverbands GIE hervorging. Zum Vergleich: Sind die Speicher voll, entspricht die gespeicherte Gasmenge etwa dem Verbrauch von zwei bis drei durchschnittlich kalten Wintermonaten.

Die Gasspeicher gleichen Schwankungen beim Gasverbrauch aus und bilden damit ein Puffersystem für den Gasmarkt. Im Winter nehmen die Füllstände üblicherweise ab, nach dem Ende der Heizperiode wieder zu. In den vergangenen Wochen gab es anders als üblich allerdings mehrere Tage, an denen per Saldo mehr ein- als ausgespeichert wurde, die Füllstände also zunahmen.

Der größte deutsche Speicher im niedersächsischen Rehden verzeichnete am Donnerstagmorgen einen Füllstand von 81,2 Prozent. Auch EU-weit sind die Speicher noch ziemlich voll. Laut GIE lag der Füllstand bei 87,0 Prozent.

Der aktuelle Füllstand ist laut Speicherverband Ines „weit überdurchschnittlich“. „Die milden Temperaturen im November und im Dezember haben für verhältnismäßig niedrige Verbräuche gesorgt und so eine stärkere Entleerung der Gasspeicher vermieden“, sagte der Geschäftsführer Branchenverbandes Initiative Energien Speichern (Ines), Sebastian Heinermann, der Deutschen Presse-Agentur.

Mittwoch, 27.12., 7.02 Uhr: Netzagentur rechnet mit anhaltend hohen Strompreisen

Der Präsident der Bundesnetzagentur, Klaus Müller, rechnet mit weiter hohen Strompreisen für Verbraucher. „Die Großhandelspreise für Strom sind deutlich gefallen gegenüber 2022. Dennoch ist das Preisniveau höher als vor dem russischen Angriffskrieg. Daran wird sich so schnell nichts ändern“, sagte Müller der „Rheinischen Post“ (Mittwoch). „Die Zeit der billigen Energie ist vorbei; jedenfalls solange wir noch große Mengen konventionell erzeugter Energie verbrauchen.“

Der Behördenchef verteidigte die Sparbeschlüsse der Ampel-Koalition aus SPD, Grünen und FDP, die die Zuschüsse für Netzentgelte 2024 streicht: „Das war eine schwere Entscheidung für die Bundesregierung. Leider kann man kein Geld einsparen, ohne dass das Auswirkungen hat. Insofern kann ich die Entscheidung nachvollziehen.“ Durch den Wegfall der geplanten Subvention von 5,5 Milliarden Euro werde ein durchschnittlicher Vier-Personen-Haushalt 120 Euro mehr Netzentgelt im Jahr zahlen. Müller geht davon aus, dass die Netzbetreiber das rasch an Kunden weitergeben: „Früher oder später werden die Kosten bei allen Verbrauchern ankommen, unabhängig davon, wann die Änderungen umgesetzt werden.“

Montag, 25.12., 8.20 Uhr: Diebstahl von Wärmepumpen in Sachsen nimmt zu

Die Energiewende sorgt auch in Sachsen vermehrt für den Einbau von Wärmepumpen – die teuren Geräte sind aber auch für Diebe zunehmend interessant. Häufig werden die Geräte von Baustellen oder aus Neubauten entwendet, wie ein Sprecher des Landeskriminalamtes sagte.

In Sachsen wurde im Vorjahr eine Anlage im Wert von 7.800 Euro im Landkreis Bautzen von einem Grundstück gestohlen. In diesem Jahr wurden bis Ende November zwei Fälle registriert, wie das LKA mitteilte. Im Landkreis Nordsaschen brachen Unbekannte in den verschlossenen, unbewohnten Rohbau eines Eigenheimes ein und entwendet die bereits installierte Wärmepumpe, Rohrleitung, Hydraulikgerät und das Außengerät im Gesamtwert von etwa 10.000 Euro. Im Landkreis Leipzig gelangten Diebe auf ein mit einem Bauzaun gesichertes Baustellengelände und stahlen eine etwa 350 Kilogramm schwere Wärmepumpe.

Die Kriminalexperten raten, das Baugelände so gut wie möglich mit Zäunen zu sichern und nach Möglichkeit Video- und Alarmanlagen zu installieren. Zudem sollte die Individualnummer der Geräte notiert werden. „Verankern Sie die Wärmepumpe mit Eisenstangen im und am Betonsockel mit Abreißmuttern oder Einschlagkugeln für Innensechskantschrauben oder verschweißen Sie die Muttern“, rät der Sprecher des LKA-Sachsen. Zudem sollte geprüft werden, ob der Diebstahl einer Wärmepumpe von der Versicherung ausgeglichen wird.

Sonntag, 24.12., 9.06 Uhr: Gasverbrauch steigt – Netzagentur hält Mangel für unwahrscheinlich

Deutschland hat nach einem Medienbericht in den vergangenen Wochen mehr Gas verbraucht. Vor allem durch einen deutlichen Zuwachs bei der Industrie lag der Verbrauch seit 1. Oktober um 7,2 Prozent über dem Vorjahreszeitraum, wie die Zeitungen der Funke-Mediengruppe unter Berufung auf die Bundesnetzagentur berichten.

Agenturchef Klaus Müller rief erneut zum Gassparen auf. Er sagte aber auch: „Die Speicher sind zu rund 90 Prozent gefüllt und wir haben stabile Importe, die unsere Gasversorgung sichern. Ein Gasmangel in diesem Winter ist unwahrscheinlich.“

Während Privathaushalte und Gewerbe seit Anfang Oktober 2,5 Prozent mehr Gas verbraucht haben, kam die Industrie auf ein Plus von 11,1 Prozent. Dennoch lag der Gasverbrauch insgesamt um 13,9 Prozent unter dem Wert der Winter 2018 bis 2021, der Zeit vor dem Ende der russischen Gaslieferungen.

13.14 Uhr: SPD hält an Einführung eines Klimagelds fest

SPD-Chefin Saskia Esken hält an der Einführung eines Klimagelds zur Entlastung der Bürger bei den Energiekosten fest. Gleichzeitig müsse aber die Schuldenbremse reformiert werden, um ausreichend Spielraum für nötige Investitionen in die Infrastruktur zu haben, sagte Esken am Dienstag im Interview der Deutschen Presse-Agentur. Die Einnahmen aus dem CO2-Preis seien noch nicht hoch genug, um diese Aufgaben alleine zu finanzieren.

Die Ampel-Koalition wollte über ein Klimageld den Anstieg des CO2-Preises beim Tanken und Heizen für die Bürger kompensieren. So ist es im Koalitionsvertrag vereinbart. Wegen der Haushaltskrise steigt der CO2-Preis zum Jahreswechsel nun deutlicher als zwischenzeitlich geplant.

Esken betonte, erste Schritte für einen Auszahlungsmechanismus des Klimagelds seien bereits getan. „Und das muss jetzt weiterverfolgt werden, damit wir, wenn der CO2-Preis weiter ansteigt, in den kommenden Jahren auch die Möglichkeit haben, dort einen Ausgleich zu schaffen“, sagte sie. Es dürfe nicht passieren, dass Haushalte mit geringen und mittleren Einkommen die Hauptlast des Klimaschutzes trügen.

Dienstag, 19.12., 11.58 Uhr: Deutschland kauft mehr norwegisches Gas

Das staatliche deutsche Energieunternehmen Sefe und der norwegische Konzern Equinor haben langfristige Gaslieferungen vereinbart. Es handle sich um eine der größten Gasvereinbarungen, die Equinor jemals abgeschlossen habe, sagte Konzernchef Anders Opedal am Dienstag.

Die Vereinbarung sieht vor, dass Equinor zwischen 2024 und 2034 insgesamt 111 Terawattstunden liefert, was rund 10 Milliarden Kubikmetern Erdgas entspricht. Für die Lieferungen sollen marktübliche Preise gezahlt werden. Die jährlichen Mengen entsprechen laut Mitteilung einem Drittel des deutschen Industriebedarfs. Es gibt eine Option für weitere fünf Jahre mit 319 Terawattstunden.

Die beiden Unternehmen unterzeichneten auch eine Absichtserklärung, wonach Sefe zwischen 2029 und 2060 ein langfristiger Abnehmer Equinors von CO2-armem Wasserstoff werden soll. Ziel sind Lieferungen von jährlich fünf Terawattstunden am Anfang, die erhöht werden und zwischen 2050 und 2060 bei bis zu 40 Terawattstunden im Jahr liegen sollen.

Sefe ist eine frühere Tochter des russischen Energiekonzerns Gazprom, die inzwischen dem Bund gehört. Die Abkürzung steht für „Securing Energy for Europe“ (Deutsch: „Energie für Europa sichern“). Equinor ist einer der größten Öl- und Gasförderer Europas und gehört zu zwei Dritteln dem norwegischen Staat.

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